Die Farbe blau dominiert
1,5 Millionen: Helfer bei Olympia

1,5 Millionen Helfer sind nach offiziellen Angaben bei den Spielen im Einsatz. Davon sind 935 nicht aus China, dabei sind auch 25 Deutsche. Eine von ihnen ist die Kölnerin Sarah Steffen. Geld gibt es für die Arbeit nicht.

HB PEKING. Sie stehen überall und dominieren in ihren blauen Jerseys das Bild der Olympischen Spiele in Peking: An den Eingängen zum Nationalstadion, an den Bussen, vor jeder Halle, an den Aufzügen, im Hotel - und selbst fernab der Sportstätten begegnen einem die Volunteers. Sie weisen den Weg, lächeln freundlich, kontrollieren Karten, führen die Sicherheitskontrollen durch und tragen mit ihrem Engagement entscheidend zur perfekten Organisation bei.

Mehr als 1,5 Millionen Helfer sind nach Angaben des Organisationskomitees BOCOG rund um Olympia eingesetzt worden, rund 75 000 direkt im Ablauf der Spiele. Nur 935 internationale Volunteers gehören dazu, 25 davon sind Deutsche. Sarah Steffen aus Kürten bei Köln ist eine von ihnen. "Ich würde es auf jeden Fall wieder machen", sagt die 24 Jahre alte Studentin kurz vor der Schlussfeier. Geld bekommen die Volunteers für ihren unermüdlichen Einsatz nicht, die An- und Abreise müssen sie selbst bezahlen, nur Verpflegung und Unterkunft werden gestellt.

Über den Umweg USA hat Steffen den Weg zu den Spielen im Reich der Mitte gefunden. Ein Jahr hat die Journalismus- und Politologie-Stundentin der Universität Leipzig an der University of Missouri verbracht. "Ich wollte danach sowieso noch ein Auslandspraktikum machen, eigentlich ebenfalls in den Staaten", erzählt sie. Doch dann waren insgesamt 60 Volunteer-Stellen für Olympia an ihrer Uni ausgeschrieben. Steffen entschied schnell, durchlief erfolgreich das Auswahlverfahren und reiste schließlich am 2. Juli nach Peking.

Bis sie zugelassen wurde, musste sie einige Tests und Übungen absolvieren, um zum Beispiel die Sprachkenntnisse zu überprüfen. Auch ein zweitägiges Freundlichkeits-Seminar war mit im Programm. Das richtige chinesische Lächeln sollte eben sitzen. Für Steffen ist das Arbeiten als Volunteer "wie ein Praktikum" - und zudem eine interessante und schöne Zeit. Auch bei den Paralympics wird sie noch dabei sein. Erst am 18. September ist ihr Abenteuer in Peking beendet.

Während ihre chinesischen Mitstreiter in Mehrbettzimmern untergebracht sind, macht sich bei Steffen beinahe das Gefühl eines komfortablen Urlaubs breit. Auf dem Campus der Renmin Universität ist sie im gemütlichen Zweibettzimmer des Hochschul-Hotels untergebracht.

"Die Unterbringung ist super, wir haben sogar eine Klimaanlage und ein westliches Bad auf dem Zimmer", sagt sie. Rund sechs Stunden arbeitet Steffen am Tag, manchmal hat sie aber auch fünf Tage in Folge frei. "Die Frage nach freien Tagen hat sich bei mir nicht gestellt. Ich finde, dass ich mehr als genug freie Zeit habe. Ich würde gern mehr arbeiten", betont sie.

Zumal die Tätigkeit bei Olympia in ihre Lebensplanung passt. Steffen arbeitet im Team des Olympic News Service, der die rund 25 000 internationalen Journalisten mit Meldungen, Statistiken und Zitaten der Athleten versorgt.

Allerdings, das räumt Steffen ein, in den Sportjournalismus wolle sie später nicht gehen. "Die Politik ist mein Ziel", sagt sie. Wie die vornehme diplomatische Zurückhaltung funktioniert, hat Sarah Steffen in Peking ebenfalls gelernt. Zur politischen Situation im Land darf sie sich nicht äußern.

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