Die Firmenstory muss stimmen – dann klappt’s auch in der zweiten Reihe
Genau hinsehen lohnt sich

Bei Titeln aus der zweiten Reihe ist es wichtig, die Spreu vom Weizen zu trennen: Analysten sagen, welche MDax-Werte man kaufen sollte und welche nicht.

DÜSSELDORF. "Beim MDax ist die Titelauswahl noch wichtiger als beim Dax", sagt Rolf Geck von der WGZ-Bank und liefert die Begründung gleich mit: Bei Nebenwerten seien die Unterschiede in Bezug auf die Gewinnaussichten größer als bei den Blue Chips. Es komme zum Beispiel darauf an, welche Nischen die Firmen besetzt haben. Wichtig für Anleger sei auch die Transparenz. Deshalb empfehlen viele Analysten die großen liquiden Werte und raten, von kleinen Titeln die Finger zu lassen.

Nicht nur Dax-Aufstiegskandidaten haben Potenzial

Als MDax-Favoriten nennen professionelle Aktienbeobachter oft den Pharmahersteller Altana oder den Warenhauskonzern Karstadt-Quelle - beides Dax-Anwärter, falls ein Titel aus dem Standardwerte-Index herausfallen sollte. Auch Buderus und MG Technologies werden vielfach optimistisch beurteilt.

Aber auch Unternehmen, denen nicht der Aufstieg in die erste Börsenliga winken dürfte, trauen Aktienexperten Kursgewinne zu. Zu dieser Gruppe zählen der Sportartikelhersteller Puma und der Fernsehgeräteproduzent Loewe. So stellt etwa Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe fest, Puma habe sich dank seiner konsequenten Neupositionierung im Sports-Lifestyle-Bereich dem negativen Branchentrend entzogen. Im laufenden Geschäftsjahr sei ein zweistelliger Umsatzzuwachs zu erwarten. Positive Impulse ergäben sich aus Großereignissen wie den Olympischen Winterspielen und der Fußball-WM. Frank Hansen, Fondsmanager beim DIT, lobt zusätzlich die "hohe Ergebnisdynamik".

Schlienkamp zufolge locken auch bei Loewe künftige Gewinnsteigerungen: Er rechnet mit einem Zuwachs von 1,55 Euro je Aktie für 2001 auf 2,31 Euro in diesem Geschäftsjahr und 2,62 Euro im Jahr 2003. Als Kursziel auf Jahressicht werden 36 Euro vorgegeben.

Kursimpulse als Folge der Steuerreformen und des neuen Übernahmegesetzes sind zu erwarten

Analyst Geck hält auch Stinnes für kaufenswert, wobei er auf eine ganze Reihe von Faktoren hinweist: Die niedrige Bewertung, ein gutes Management und eine intakte Story - die Gesellschaft will sich auf Logistik konzentrieren - sprächen für ein Engagement. Auf Sicht von sechs Monaten setzt Geck das Kursziel für Stinnes bei 30 Euro.

Zu den Favoriten von Karsten Rahlf von der Vereins und Westbank - gehören Aktien der Norddeutschen Affinerie, weil das Unternehmen seine Marktführerschaft durch Übernahme der Prymetall ausbaue und von anziehenden Rohstoffpreisen profitiere. Bei Douglas Holding sollte der Ausbau des Parfümeriegeschäfts im europäischen Ausland steigende Ergebnisse zur Folge haben. Weitere Akquisitionen im Buchbereich könnten die Stellung als Marktführer in Deutschland stärken.

Zu den Toptiteln im MDax zählt Josef Schopf, Fondsmanager des Lupus Alpha MDax plus, momentan den Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer wegen der günstigen Bewertung sowie der Dividendenrendite von drei Prozent. Auch der Roboter- und Anlagentechnikspezialist IWKA zeichne sich durch positive Kennzahlen aus: Bei IWKA liege das Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2002 bei acht, die Dividendenrendite bei knapp fünf Prozent. Außerdem lasse das neue Management noch einiges erwarten, was noch nicht vollkommen im Kurs berücksichtigt sei.

Einige Aktien sind im Analystenlager durchaus umstritten

Die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt weisen darauf hin, dass bei einigen Unternehmen Kursimpulse als Folge der Steuerreformen und des neuen Übernahmegesetzes zu erwarten sind. Die Banken und Versicherungen werden nach Ansicht der HSBC-Experten ihre MDax-Beteiligungen bis Ende 2003 von 14 Prozent auf sechs Prozent mehr als halbieren, die Industrieunternehmen im Gegenzug ihre Anteile aber aufstocken. Reine Value-Aktien seien deshalb nicht mehr die erste Wahl. Vielmehr sollten zu den Hauptprofiteuren der Steuerreform MG Technologies und Rheinmetall zählen.

Schopf rät aber davon ab, bei den Titeln aus der zweiten Reihe nur auf Sonderfaktoren wie Übernahmespekulationen oder geänderte Beteiligungsverhältnisse zu setzen.

Einige Aktien sind im Analystenlager auch durchaus umstritten: Rahlf ist etwa der Meinung, nachdem bei Heidelberger Druckmaschinen Ende 2001 eine neue Generation von Druckmaschinen eingeführt wurde, sei mit einem Wachstum von rund acht Prozent pro Jahr und einem überproportionalen Ergebnisanstieg zu rechnen. WGZ-Analyst Klaus Weihermann rät dagegen: "reduzieren". Das Ergebnis im laufenden Jahr sei enttäuschend. Und noch bestehe wegen des hohen US-Engagements ein Konjunkturrisiko.

Unterschiedlicher Ansicht sind die Experten auch bezüglich des Flughafenbetreibers Fraport: David Kohl vom Bankhaus Julius Bär rät zum Kauf. Auch DIT-Fondsmanager Frank Hansen sieht den Titel positiv, zumal er im Umfeld der Krise der Airlines zu Unrecht stark gedrückt worden sei. Schlienkamp plädiert jedoch für Zurückhaltung bei der Fraport-Aktie. Denn die Ergebnisentwicklung sei in hohem Maße abhängig von der Erweiterung der Start- und Landebahnen - und die Umsetzung dieses Projektes dürfte sich verzögern.

Umstritten ist auch Sixt: Zu Schopfs Favoriten zählt der Autovermieter, weil er höhere Preise durchsetzen könne. Hansen verweist dagegen auf die schwierige Wettbewerbssituation im Mietwagenmarkt.

Es gibt aber auch Kandidaten, von denen Analysten rigoros abraten: Schlienkamp meint, dass der Markt im Beteiligungsbereich schwierig ist. Deshalb sollte man Titel wie Baader Wertpapierhandelsbank links liegen lassen. Und Beate Uhse kenne zwar jeder - aber Analysten würden den Wert kaum beobachten, der Titel führe ein Schattendasein an der Börse. Bei Cargolifter sei noch nicht klar, "ob der Zeppelin, den sie bauen wollen, fliegen wird", zudem sei die Finanzlage der Firma schlecht.

Fazit: MDax-Aktien sollten Anleger nicht nur nach der Branche und der Bewertung wählen. Die Firmenstory muss stimmen - dann klappt?s auch in der zweiten Reihe.

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