Die „Fliegenden Untertassen“ wollen dem Firmennamen zum Trotz nicht die Bodenhaftung verlieren
Spaß-Experten

Das Berliner Unternehmen Flying Saucer plant und realisiert Themenparks und Besucherzentren für Firmen. Der Markt wächst mit der Freizeitgesellschaft.

BERLIN. Ich hätte mich sofort bei einer solchen Firma beworben", beteuert Alexander Bresinsky (33). Aber es gab keine. Also gründete er mit Stefan Scholze (34) vor eineinhalb Jahren "Flying Saucer" - die fliegenden Untertassen

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Das Geschäftsfeld ist neu in Deutschland: Location based entertainment. Das ist die Projektentwicklung von Freizeitanlagen. Dabei geht es nicht darum, wie eine Eventagentur für den kurzen Kick zu sorgen. Sondern einen Vergnügungs-, Lern- oder Präsentationsort zu schaffen, der bleibt. Flying Saucer setzt Wünsche der Auftraggeber um, macht Konzepte, berät und entwickelt Inhalte, Dramaturgien, Szenen, Design, kümmert sich um die technische Realisation und ermittelt in einem frühen Projektstadium, was zu welchem Budget machbar ist. Eine Aufgabenpalette, die von der Spaßidee bis zur Brandschutznorm reicht.

Das Duo verbindet Spieltrieb, der mit technischem Verständnis und einer kreativen Ader gekoppelt ist. In ihrem Kreuzberger Büro-Loft, über Bresinskys Schreibtisch, hängt ein 60er-Jahre Plakat, das Disneyland-Besucher auf eigentümlichen Luftkissen zeigt, die durch den Raum schweben. Dazu der Spruch: "Fly your own flying saucer". Diese Ufos ständen für beste Unterhaltung, außergewöhnliche Technik und traumhaft Visionäres, sagt Bresinsky.

Einen Traum hat sich das Duo mit seiner Firma erfüllt. Im ersten Geschäftsjahr haben die Berliner im Auftrag der Projektgesellschaft Triad die Nachnutzung der "Biosphäre Potsdam" auf der Bundesgartenschau inhaltlich und medial geplant. Die tropische Lehr- und Traumwelt soll über die Schau hinaus bis zu 400 000 Besucher jährlich locken. Neben Spiel, Spaß und Spannung muss Flying Saucer dafür sorgen, dass die aufwändige Technik in feuchter Umgebung funktioniert.

Kein Wunder, dass sich das Startup als Expertenbüro versteht. Im ersten Jahr hat das neun Köpfe große Team Aufträge von BRC Imagination Arts, Sony Entertainment und Pixelpark an Land gezogen. Die Designer, technischen Planer, Architekten, Dramaturgen, Texter und Grafiker arbeiten frei für Flying Saucer. Je nach Bedarf wird das Team aufgestockt. Außerdem sitzt noch ein Mitarbeiter in Los Angeles. Mit dem US-Büro wollten die Berliner ursprünglich auch den dortigen Markt bedienen. Nur: Im Ursprungsland der Freizeitparks wird die Luft für die zahlreichen Anbieter langsam dünn. Jetzt ist die amerikanische Zweigstelle dafür zuständig, Kontakte zu knüpfen und Trends aufzutun.

"Für viele US-Firmen sind wir eine zentrale Anlaufstelle, und wir bearbeiten Teilprojekte", sagt Scholze. So gestaltet Flying Saucer im Auftrag der US-Branchengröße BRC Teile des Besucherzentrums der Gläsernen Manufaktur" von VW in Dresden. "In Europa findet sich keine vergleichbare Firma und durch ihre überschaubare Größe und Flexibilität wird man auch in den USA lange danach suchen", lobt Tim Tondreault, Projektleiter von BRC. Zusammen kamen beide durch eine Empfehlung von VW.

Das Duo ist überzeugt vom Marktpotenzial in Deutschland. Allein 15 Prozent des Bruttosozialprodukts (455 Milliarden Mark) wurden insgesamt in der Freizeitwirtschaft erzielt. 22 Millionen Menschen besuchten im Jahr 1999 Freizeitparks, die damit begehrter als die Bundesliga waren. Freie Tage und verfügbares Einkommen haben zugenommen und damit das Verlangen nach neuen Unterhaltungsformen.

Das registrieren auch Unternehmen, die ihre Marke immer stärker emotional und erlebnisreich vermarkten, wie zum Beispiel Volkswagen mit der Autostadt Wolfsburg (an der Bresinsky als Projektentwickler mitarbeitete) zeigt. Auch kleinere Firmen setzen auf Entertainment.

So wie der Spielehersteller Ravensburger. Flying Saucer hat für Ravensburger-Besucher die Erlebnis-Anlage "Moorhuhn-Interactive-Haus" entwickelt. Zum Abschuss frei flattern, glucksen und scharren die Hühner durch den Raum. Für Tina Schneider, Vorstand der Ravensburger Spieleland AG, sehr gelungen: "Die Aufgabe wurde optisch, spielerisch und technisch sehr gut gelöst. Die Anlage ist nicht nur schön, sondern lässt sich auch einfach warten."

Ideengeber Alexander Bresinsky war schon früh von Showeffekten und Lichtinszenierungen fasziniert - er gründete einst die Firma "LichtWerk", mit der er einmal sogar den Nationalfeiertag in Singapur beleuchtete. Die Firma gibt es noch, Bresinsky stieg aus, weil er weg wollte vom schnell abfackelnden Feuerwerk hin zu bleibenden Attraktionen. Schließlich hatte er Theater- und Veranstaltungstechnik studiert und arbeitete ein Jahr in diesem Beruf in Hollywood. Später ging er zu Pixelpark, wo er seinen künftigen Kompagnon Stefan Scholze kennenlernte. Beide wollten dann dort nicht länger Homepages für Dr. Oetker basteln und gründeten ihre Firma.

Der gute Start überraschte beide. Gerade mal 30 000 Mark Kredit von der Investitionsbank für die Büroausstattung mussten sie organisieren. Den Rest finanzierte das Duo mit Eigenkapital. "Unser Glück, dass wir keine teuren Geräte brauchen", sagt Scholze - ihr Aufwand lag bei 250 000 Mark, Arbeitszeit eingerechnet. Das erste Jahr hat das Startup bei einem Nettoumsatz von 180 000 Mark mit einer schwarzen Null abgeschlossen. Im laufenden Geschäftsjahr hofft Scholze, die Millionengrenze zu erreichen. Die beiden wissen, dass es noch dauern wird, bis sie kontinuierlich auf lukrative Projekte rechnen können. So lange werden sie niemanden fest einstellen. Schließlich wollen die "Fliegenden Untertassen" dem Firmennamen zum Trotz nicht die Bodenhaftung verlieren.

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