Die Flugroute der Attentäter lässt sich mit frei verkäuflicher Software simulieren
PC-Flugsimulatoren präziser als gewünscht

Die Entführer der Passagierflugzeuge, die am Dienstag in den USA für den größten Terroranschlag der Geschichte missbraucht wurden, könnten einen Teil ihrer Kenntnisse auf einem PC-Flugsimulator erworben haben.

tok DÜSSELDORF. "Es ist möglich, dass die Piloten der Maschinen ihre Navigation am heimischen PC trainiert haben", sagte Georg Fongern, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit dem Handelsblatt. Als mögliches Trainingsprogramm kommt für Fongern vor allem Microsofts Flightsimulator in Frage. Das 150 Mark teure PC-Programm gilt unter Luftfahrtexperten als so präzise und realitätsnah, dass es sogar von einigen Flugschulen zum Pilotentraining benutzt wird. Das bestätigte gestern auch ein Microsoft-Sprecher. Berufspilot Fongern sagte dazu: "Ich selbst schaue mir schwierige oder unbekannte Flughäfen und Einflugschneisen erst einmal auf dem Microsoft - Flightsimulator an."

Mit der Software hätten die Attentäter von New York und Washington ihren Todesflug in das vierhundert Meter hohe World Trade Center und das US-Verteidigungsministerium zumindest zum Teil von zu Hause planen können. Ein Microsoft-Sprecher bestätigte auf Anfrage, dass es mit dem Programm für Hobbypiloten möglich sei, die Flugroute der Attentäter bis zum Moment des Aufpralls exakt nachzuahmen. Erst kurz vor dem Aufprall werde die Simulation abgebrochen.

Ob Microsoft aus dem Attentat Konsequenzen für sein eigenes Produkt ziehen will, war gestern nicht zu erfahren. "Wir sind alle noch zu geschockt", so die Auskunft.

Die Experten sind sich unterdessen darüber einig, dass ein solches PC-Programm bestenfalls eine Ergänzung für die Planung des Attentats gewesen sein könnte. "Fliegen lernen können sie damit nicht", so Cockpit-Sprecher Fongern. "Dazu brauchen sie schon eine echte Pilotenausbildung."

Auch die Geschäftsführerin der in Mannheim ansässigen Verkehrspilotenschule Euroflight, Gisela Martin, hält eine reine Ausbildung am Personalcomputer für utopisch: "Sie können am PC kein Gefühl für ein Flugzeug entwickeln. Selbst ein Privatpilotenschein dürfte nicht ausreichen, weil sich ein großes Verkehrsflugzeug völlig anders fliegt als eine kleine Propellermaschine." Bei der Flugplanung hingegen sei die Software äußerst leistungsfähig. "Die Route zu planen und zu simulieren, ist kein Problem."

Dennoch glauben die Experten nicht, dass es sinnvoll ist, die Flugsimulationen in ihrem Funktionsumfang einzuschränken oder die Software gar vom Markt zu nehmen. Georg Fongern: "Das würde nichts ändern. Simulatorstunden können Sie überall mieten."

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