Archiv
Die Förderer

Private Förderung des öffentlichen Kunstbetriebes ist in den angelsächsischen Ländern an der Tagesordnung. Privates Geld sorgt damit für Kulturvielfalt. Ein Modell auch für Deutschland?

Dies ist die Zeit partieller Verzweiflung so mancher Weihnachtseinkäufer: Was schenke ich dem Milliardär, dem Millionär oder dem Investmentbanker, der schon alles hat? Es ist - wie wir hören - ein weit verbreitetes Problem in den Edelshops der Finanzzentren dieser Welt. Wer alles hat, dem kann man mit einem Anteil an einem Musical, einer Ballettproduktion, einer Opernaufführung oder einer Theaterinszenierung sicherlich eine Freude machen. Ernsthaft: In London etwa ist all dies zu erwerben - und trägt so zu einer von Staatsknete unabhängigen Finanzierung des Kulturbetriebes bei. Ein Modell auch für Deutschland?

Das Angebot der Kulturfinanzierung reicht weit. Schon für ein paar 100 Pfund kann man Anteile an einer Produktion erwerben - nach oben hin gibt es kaum Grenzen. Wer sich signifikant beteiligt, der erhält Zugang zu den Regisseuren, den Stars, zu speziellen Abendessen und Vorlesungen. Der Reiz der Beteiligung liegt im Glamour, in der Förderung der schönen Künste, aber auch in der, wenn auch unsicheren, Perspektive auf Renditen. Zwar ist nur eine von fünf Produktionen in London kommerziell erfolgreich. Doch, wer die richtige Show erwischt, der kann seinen Einsatz geradezu monströs vervielfachen. Und falls nicht, dann bleibt die Freude, fördernd dabei gewesen zu sein.

Viele Produktionen in London können ohne Sponsoren gar nicht existieren. So sorgen Marktmechanismen für eine kulturelle Vielfalt sondergleichen. Auch in Deutschland könnte man sich solcher Finanzierungsstrategien bedienen - anstatt über das Streichkonzert der öffentlichen Hände zu klagen. Das aber setzt ein zumeist nicht vorhandenes marktwirtschaftliches Denken im Kunstbetrieb voraus.

Wollen Sie mit diskutieren, uns Ihre Meinung schreiben? hb.bottom-line@vhb.de

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%