Die Folgen der US-Immobilienkrise
Angst vor dem Absturz

Die Immobilienkrise und die Furcht vor einer Rezession in den USA belasten die Weltwirtschaft. Nach Jahren kräftigen Wachstums droht jetzt ein Dämpfer. Auch auf dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum, das am Mittwoch in Davos startet, ist die Subprime-Krise das große Thema. Führende Ökonomen, Politiker und Unternehmer müssen sich die Frage beantworten: Ist der Abschwung noch zu stoppen?

DÜSSELDORF/DAVOS. Wenn Alan Greenspan seine Gedanken über die Entwicklung der Weltwirtschaft öffentlich macht, bleibt das nicht ohne Wirkung an den internationalen Finanzmärkten. Die Worte des einst mächtigsten Notenbankers der Welt haben immer noch Gewicht. "Rezessionen kommen nicht auf die sanfte Art. Sie werden üblicherweise durch eine Unstetigkeit an den Märkten signalisiert, und die Daten der vergangenen Wochen können ganz klar in diese Richtung interpretiert werden", orakelte Greenspan vor kurzem und ließ daraufhin die wichtigste Börse der Welt in New York mächtig zusammenzucken.

Der ehemalige Chef der amerikanischen Notenbank verbreitet nicht einmal einen übertriebenen Konjunkturpessimismus für die Vereinigten Staaten. Die meisten Ökonomen halten einen Absturz der US-Wirtschaft für unausweichlich. Offen ist nur, wie schlimm die Katastrophe tatsächlich wird. Auch die Vereinten Nationen halten wegen der Finanzkrise einen Absturz der US-Wirtschaft für wahrscheinlich. Denn trotz der fortschreitenden Globalisierung sind die Vereinigten Staaten immer noch die Lokomotive der Weltwirtschaft. Schwächelt der amerikanische Motor, stottern auch die Volkswirtschaften im Rest der Welt. Die Ansteckungsgefahren sind global.

Nach mehreren Jahren kräftigen Wachstums droht der Weltwirtschaft ein empfindlicher Dämpfer. Die weiter nicht abschätzbaren Folgen der amerikanischen Immobilienkrise stellen dabei nur einen Teil der Gefahren dar. Der Anstieg des Ölpreises, der Absturz des Dollars und die wachsenden Inflationsraten ergeben eine giftige Mischung für die Weltkonjunktur. Die Risiken sind so hoch wie seit zehn Jahren nicht mehr, schreibt das World Economic Forum. Noch scheint die Weltwirtschaft den neuen Gefahren zu trotzen, doch Wachstumsraten von fünf Prozent gehören vorerst der Vergangenheit an. Unsicherheit und Angst beherrschen die Märkte.

Vor allem in der größten Volkswirtschaft der Erde stehen die Alarmsignale auf Rot. Das Ausmaß der Krise übersteigt die Vorstellungskraft der meisten Kleinanleger und selbst vieler Bankenchefs. 100 Milliarden Dollar könnte der Zusammenbruch des amerikanischen Immobilienmarktes nach Schätzungen von Experten kosten. Über diese Abschreibungen in den Bankbilanzen hinaus drohen erhebliche Ausfälle im Kreditkartengeschäft. Die Anbieter Visa, Mastercard und American Express rechnen bereits mit sinkenden Erträgen.

Seit die Immobilienkrise Amerika an den Rand einer Rezession drängt, überbieten sich Republikaner und Demokraten mit Vorschlägen für ein staatliches Konjunkturprogramm. Kein US-Politiker will sich daran gewöhnen, dass die Citigroup, die mächtigste Bank der Welt, zweistellige Milliardenbeträge im Quartalsrhythmus abschreiben muss - und anschließend Tausende von Jobs gefährdet sind. Noch weniger gefällt ihnen, dass ausländische Staatsfonds die Macht an der Wall Street übernehmen. Dass Merrill Lynch mehr als sechs Milliarden Dollar vor allem von Singapurs Staatsfonds Temasek Holdings eingesammelt hat, die Citigroup sogar 7,5 Milliarden aus Abu Dhabi, soll absolute Ausnahme bleiben. Allerdings kann niemand verlässlich sagen, ob diese Finanzspritzen überhaupt reichen.

Die Sorge vor einem Absturz der US-Wirtschaft ist jedenfalls so groß, dass die Regierung von Präsident George W. Bush bereits ein knapp 150 Mrd. Dollar schweres Notfall-Programm angekündigt hat, um den lahmenden Konsum mit Steuererleichterungen wieder auf Trab zu bringen. Notenbank-Chef Ben Bernanke unterstützt die Pläne der Regierung und fordert sogar ein schnelles Eingreifen, um eine Rezession in den USA zu verhindern. Bush und seine Republikaner wollen schon bald die Steuern senken. Ob das Konjunkturprogramm nützt, ist offen. Aber wenigstens kann das Weiße Haus behaupten, dass es handlungsfähig ist.

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