Die Formel 1 wird immer langweiliger – interessant ist nur, welches Endergebnis die Ferrari-Piloten aushecken
Grand-Prix-Sieger aus Versehen

Zum achten Mal holte sich Ferrari in dieser Saison einen Doppelsieg. In Indianapolis siegte Rubens Barrichello mit elf Tausendstel Sekunden Vorsprung vor Michael Schumacher. Der wollte eigentlich mit seinem Teamkollegen gleichzeitig über die Ziellinie fahren.

INDIANAPOLIS. Das war es, was der Formel-1-Saison kurz vor Garagentorschluss noch gefehlt hat: Ein weiterer Skandal, in den Ferrari verwickelt ist. In der letzten Runde, in der letzten steilen Kurve von Indianapolis war Show-Time angesagt. Allerdings wurde das - unfreiwillige - Tauschmanöver zwischen Michael Schumacher und Rubens Barrichello nicht von allen als willkommene Unterhaltung anerkannt. Ein verunglückter Spaß, will die Formel 1 doch auf dem so jungen wie wichtigen Absatzmarkt USA ernst genommen werden.

Es soll ja immer noch Leute geben, die tatsächlich auf den Ausgang eines Formel-1-Rennens wetten. Das müssen die sein, die auch an den Neuen Markt glauben. Der Skandal war zwar in Wahrheit ein Missverständnis. Bei aller Überlegenheit müssten aber die Ferrari-Piloten endlich kapieren: Sie können auf der Strecke machen was sie wollen, aber sie können es offenbar niemandem Recht machen. Zum Foto-Finish beim Großen Preis der USA ließ sich der souveräne Spitzenreiter Michael Schumacher auf gleiche Höhe mit seinem Teamkollegen Rubens Barrichello zurückfallen. Der Weltmeister war - bei Tempo 340 - auf den verwegenen Plan verfallen, Rot in Rot über die Ziellinie brausen zu wollen.

Am Ende wurde es nichts mit dem Postkartenmotiv: Elf Tausendstel Sekunden Unterschied ermittelte die Zeitnahme. Völlig überraschend allerdings zu Gunsten von Barrichello - ein Grand-Prix-Sieger aus Versehen. Für den Kerpener, der in bester Absicht gehandelt hatte, galt damit: Dicht dran ist auch verloren. Doppelte Bescherung dagegen für den Brasilianer: Gleichzeitig wurde er mit dem Titel des Vize-Weltmeisters bedacht. Die Revanche für die Degradierung von Spielberg im Sommer, als Barrichello vom Kommandostand zurückgepfiffen wurde und demonstrativ vor der Ziellinie gebremst hatte?

"Ich finde, dass das Resultat von heute, auch wenn es nicht so geplant war, die Teamentscheidung von damals wettgemacht hat", meinte Schumacher und nahm die Sache auf die eigene Kappe: "Ich lasse zum Rapport bei meinem Chef Jean Todt wohl besser den Helm auf." Ganz so schlimm wird es wohl nicht gewesen sein, denn der achte doppelte Erfolg 2002 brachte der Scuderia auch den Rekord ein, als erstes Team die 200-Punkte-Marke in einer Saison durchbrochen zu haben. Die Manipulationsvorwürfe von US-Journalisten wollte Schumacher nicht ernst nehmen, auch wenn wie üblich der Protest der Wettbüros, Moralisten und Ticketverkäufer folgen wird.

Teamorder oblagen dem Foto-Finish jedenfalls nicht, im Gegenteil: Seine Anfrage über Funk, ob er den Kollegen vorbeilassen solle, wurde abgelehnt. Es war eine Eigenmächtigkeit des Champions, die rein gar nichts mit Arroganz zu tun hatte. Barrichellos salomonischer Vorschlag: "Ich habe in Österreich gewonnen - und Michael in Indianapolis." Auch bei BMW-Williams, wo sich Ralf Schumacher und Juan-Pablo Montoya zum zweiten Mal in Folge im Frühstadium des Rennens den Erfolg zunichte machten, hielt sich die Dramatik dennoch in Grenzen. Die Saison ist eben fast schon vorbei.

Schumi junior hatte am Start den vierten Platz erobert, und wollte ihn in der zweiten Runde gegen seinen Teamkollegen per Innenverteidigung behalten. Montoya zog außen vorbei und zog so nach innen, dass Schumacher auf den rutschigen Randstein ausweichen musste. Prompt kreiselte er in Montoyas Auto, und riss sich dabei den Heckflügel ab. Er wurde auf dem 16. Platz gewertet, der Kolumbianer behielt Rang vier hinter David Coulthards McLaren-Mercedes. Das reichte, um das Saisonziel des Teams - den Vize-Titel bei den Konstrukteuren - schon vor dem Finale in Suzuka zu sichern.

Bevor bei BMW die Sektkorken knallten, blieben die Türen geschlossen. Gemeinsames Video-Studium. "Unabhängig von der Schuldfrage", sagte vorab Ralf Schumacher, "darf so etwas zwischen Teamkollegen nicht vorkommen." Montoya gab zu: "Ich würde nicht sagen, dass es komplett Ralfs Fehler war." BMW-Sportdirektor Gerhard Berger sagte kryptisch: "Juan war in der Situation, überholen zu können. Ralf in der Situation, ihn nicht vor sich haben zu wollen."

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