"Die Fritte ist über Jahrzehnte zum Frostobjekt degradiert worden“,
Fritten statt Frostobjekt

Die Kölner sind auf die edle Variante der Kartoffelstäbchen gekommen: im In-Viertel rund um die Ehrenstraße. Doch auch Traditionsbuden und US-Fastfood-Riesen finden treue Kunden

Kein Schmierfilm auf der Glasfassade. Keine surrende Leuchttafel über dem Tresen. Loungemusic. Die grünen Lederbänke? Maßgefertigt. Genauso wie die hellen Tische, extrahoch, ohne Plastikdecken. Trotzdem ist "3 Frits", (sprich: Dreifritz) eine Pommesbude. Kölns neuester Imbiss. Ein Hotspot, sagt man, weil oder weswegen Fernsehsender aus München ihren Besuch ankündigen.

"Die Fritte ist über Jahrzehnte zum Frostobjekt degradiert worden", erklärt Geschäftsführerin Dorothee Spitz, wie die Idee zum Imbiss entstand. "In einem gepflegten, fröhlichen Laden wie diesem kommen Pommes wieder zu Ehren." Eine Behauptung, die die Nachbar- und Konkurrenzstadt Düsseldorf mit schnieken Läden wie "Tom Curry" und "Curry" längst bestätigt.

In Köln gibt?s jetzt Fritten mit Champagner. In einem Raum, der eher Bar als Bude ist. Mit einer Lüftungsanlage, die weder die Kleidung der Gäste noch abends die Jacke des Kochs nach Fett riechen lässt. Wirklich: Es gibt einen Koch. Für Vogelwurst, Garnelen an Zitronengras, Currywurst (traditionell oder verschärft), Jakobsmuscheln - und natürlich Fritten. "Gutsherren-Kartoffeln aus frischen Landerdäpfeln in original belgischer Röstung" heißen die und kosten 1,90 Euro pro Portion. Das ist so viel wie im Herkunftsland: An der belgischen Küste sind die Preise gleich, die Kartoffelstäbchen nur ein wenig fettiger.

Seit einem Monat drängeln sich mittags in der Ehrenstraße 43c die üblichen Verdächtigen: Geschäfts- und Medienleute, Seriendarsteller, Anwohner und Einkaufsbummler. Sie essen "smart, zart, rustikal" oder "satt, üppig, deluxe", dünner oder dicker also, in jedem Fall aber Fritten. "Ruutwieß", also mit Ketchup und Mayonnaise, kostet achtzig Cent extra. "Stylish, lecker, faire Preise", lobt Designerin Martina Eschbach und mag, dass die Currywurst "nicht zerhackt, sondern im Ganzen serviert wird".

Gut und günstig finden das Essen bislang alle, nur die Adresse ist umstritten und bringt sogar den Postboten zur Verzweiflung. "Das neue Frittending", schimpft er über die postalischen Ungereimtheiten, "liegt in der Kleinen Brinkgasse hinterm Café Spitz, nicht in der Ehrenstraße, und damit basta!" Das Sträßlein war Rotlichtzone, avancierte zur Trendstraße - und wurde umbenannt, was die traditionsversessenen Kölner immer noch verwirrt. Im "neuen Frittending" jedenfalls, das im August eine Filiale am Bonner Marktplatz eröffnet, legt Dorothee Spitz bei der Pommespräsentation Wert aufs Anderssein: Die Porzellanteller sind eckig; die Frittengabeln entwarf Designer Konstantin Grcic.

"Das Konzept funktioniert", findet Spitz. Aber gute Fritten funktionieren doch eigentlich immer und auch ohne Champagner. Zum Beispiel seit 27 Jahren in Kölns urigem Imbiss "Ferkulum" an der Zülpicher Straße, in dem Generationen von Studenten Schlange standen und stehen. "Pommes normal, ohne alles, kosten 1,30 Euro pro Portion, die Sauce 30 Cent", betet Ionis Eleftheriadis routiniert über den gekühlten Tresen hinweg die Preise herunter. "Wir haben täglich weit über hundert Gäste, nur an zwei Tagen im Jahr geschlossen."

Lang sitzen bleibt eigentlich niemand im Hinterzimmer des Ferkulum, in dem Fernseher und Radio gleichzeitig laufen und über dessen Tür ein herziges rosa Schwein Hungrigen den Weg leuchtet. Die meisten nehmen die Spezialität des Hauses mit: Gyros, knusprig und nicht speckig, für 4,10 Euro. Gefragt, ob ihr auf der surrenden, alten Leuchttafel ein Garnelenspießchen fehlt, schüttelt Stammkundin und Reisebüro-Inhaberin Loretta, 42, von schräg gegenüber den Kopf. "Quatsch. Gyros mit Tsatsiki, das soll denen hier erst mal einer nachmachen."

Nachmachen muss nicht sein. Die fröhlichen Fritten-Vertilger reichen für alle Läden. Ohnehin können weder Ferkulum noch 3 Frits einem ganz Großen der Branche nachmachen, was Millionen von spontanen Frittenessern schätzen: Drive- in und salzige Finger am Lenkrad. Die Pommes dünn und zart - meistens auch frisch aus dem Fett und noch heiß. Die kleine Portion zu 1,25 Euro. Im roten Papptäschchen, ohne Gabel, aber mit zehn Servietten drüber. McDonald?s gibt?s mehr als fünfzehnmal in Köln. Und: Der US-Fastfood-Riese kam bei Tests gut weg.

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