Die Fünf Weisen
„Dann geht doch!“

Unternehmer, die ständig der Standort Deutschland schlecht reden, schaden sich am Ende selber. Und die Drohung, Arbeitsplätze zu verlagern, wird häufig allzu ernst genommen. Denn so einfach, wie einige Manager behaupten, ist die Sache mit dem Jobexport nicht. "Dann geht doch!" Das sollten wir jenen Managern zurufen, die ständig davon sprechen, dass sie ihre Produkte in irgendeinem osteuropäischen Land wesentlich billiger herstellen könnten als bei uns.

HB DÜSSELDORF. Denn wenn das Verlagern von Arbeit zu einem echten Massenphänomen wird, läuft es sich auch ganz schnell tot. Schließlich gibt es in Ungarn oder Tschechien keineswegs eine Reservearmee von gut ausgebildeten Facharbeitern, die sofort bereit stehen, um für wenig Geld zu arbeiten.

Je mehr Firmen aus den alten EU-Ländern sich dort ansiedeln, desto knapper werden die guten Leute. Also muss man sie sich gegenseitig abwerben. Und das führt schnell zu enormen Lohnsteigerungen mit der Folge, dass sich der Jobexport für niemanden mehr lohnt.

Das Problem ist auch bei weitem nicht so gravierend, wie die Medien uns glauben machen wollen. Der "Spiegel" hat zum Beispiel vor kurzem geschrieben, wir seien Weltmeister im Export von Arbeitsplätzen. Das klingt schaurig und schrecklich - aber es stimmt überhaupt nicht, dafür fehlt jede empirische Basis. In der Rangfolge der Länder, die Arbeitsplätze verlagern, liegt Deutschland irgendwo im Mittelfeld.

Und wer als Unternehmer ständig den Standort Deutschland schlecht redet, der muss sich darüber im Klaren sein, dass er letztendlich den Ast absägt, auf dem er sitzt. Wenn ich als Unternehmerverband zum Beispiel dazu aufrufe, Arbeitsplätze nach Osteuropa zu verlagern, dann wirkt sich das enorm negativ auf die Volkswirtschaft aus: Wenn ein Kreditsachbearbeiter einer Bank ständig hört, dass das Land eigentlich nicht zu retten ist und dass man hier eigentlich gar nicht mehr investieren kann - das wird ihn sicher nicht dazu motivieren, vielleicht bei einer Kreditentscheidung auch mal ein kleines Risiko einzugehen.

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