Die fünf Weisen
Im allerbesten Alter

So manche neue Führungskraft vom Typ Jungdynamiker agiert nach Rambo-Manier. Und kann dabei unbehelligt auf der Welle des Jugendwahns reiten. Wer älter als 50 ist, gehört oft automatisch zum alten Eisen. Wie kurzsichtig die Verteufelung der „Best Ager“ ist, liegt auf der Hand.

Kaffeekränzchen-Mentalität in der Entwicklungsabteilung? Die müssen mal ordentlich wachgerüttelt werden. Der Internetauftritt? Altbacken. Re-Design – sofort. Produkte, die seit Jahren erfolgreich am Markt sind? Neue Entwicklungen müssen her, aber schnell. Alles verändern, alles auf einmal. So manche neue Führungskraft vom Typ Jungdynamiker agiert nach Rambo-Manier. Und kann dabei unbehelligt auf der Welle des Jugendwahns reiten. Wer älter als 50 ist, gehört oft automatisch zum alten Eisen. Er ist zu langsam, will nichts mehr dazulernen, kennt die neuesten Entwicklungen nicht, bringt das Unternehmen schlicht nicht voran – so heißt es.

Wie kurzsichtig die Verteufelung der „Best Ager“ ist, liegt auf der Hand. Denn Jungdynamiker bringen zwar Bewegung, aber oft auch ungesunde Unruhe ins Unternehmen. Demotivation bis hin zur Leistungsverweigerung der Belegschaft können die Folgen sein.

Unvermeidlich auch, dass eine allzu forsche Führungskraft bei der Fülle ihrer Projekte Fehler macht – und die können für das Unternehmen teuer werden. Dabei war das Jungtalent doch mit guten neuen Ideen und viel Tatkraft ans Werk gegangen. Doch werden die Kennzahlen schlechter, die Belegschaft aufmüpfiger und die Kunden unzufriedener, wird der Ruf nach einem Retter laut: Der Alte, der Vorgänger, der konnte es doch. Der soll den Karren aus dem Dreck ziehen. Er hat Erfahrung, kennt das Unternehmen und die Befindlichkeiten der Mitarbeiter. Die Fehler werden ausgebügelt, die Änderungen wieder zurückgenommen. Kurz: Alles ist wieder beim Alten – im doppelten Sinne.

So überspitzt das Szenario, macht es doch zwei Dinge klar: Auf erfahrene Manager kann kein Unternehmen verzichten. Alte machen schlichtweg weniger Fehler. Denn sie haben diese schon gemacht – die Jungen haben sie noch vor sich. Trotzdem: Lange dabei zu sein und alles schon einmal mitgemacht zu haben, reicht nicht aus. Lebenslanges Lernen ist ein Muss, um die Potenziale des Alters nutzen zu können. Neue Blickwinkel, neue Ansätze, neue Ideen – ohne das In-Frage-Stellen von Strukturen und Hierarchien kann kein Unternehmen bestehen. Das ist wiederum eher das Metier der Jungen.

Ein durchdachtes Nachfolgemanagement ist entscheidend für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens. Den alten Chef aus dem Betrieb jagen und einen jungen Wilden ins kalte Wasser werfen, so funktioniert es nicht. Erfahrungen, Einschätzungen, Wissen und Kontakte müssen weitergegeben werden. Allein: Das passiert oft nicht. Ein Großteil der Jungmanager scheitert an den geheimen Spielregeln im Unternehmen. Helfen können firmeninterne Patenschaften, bei denen ein Mentor dauerhaft als Ansprechpartner zur Seite steht.

Junge oder alte Manager? Das ist nicht die Frage. Der Jugendwahn der New Economy führt ebenso in die Sackgasse wie das „Am-Sessel-Kleben“ mancher Firmenpatriarchen. Alte und Junge werden gebraucht – beide. Ihre jeweiligen Stärken dürfen nicht brachliegen. Auf die Ideen des Jungen würde der Alte vielleicht gar nicht kommen. Diese erfolgreich umsetzen kann der Alte aber (noch) besser als das Jungtalent. Fazit: Die richtige Mischung macht’s.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%