Die fünf Weisen
Manager ohne Versicherungsschutz

Sie glauben, Ihr Unternehmen wird sich schon kümmern und lehnen sich entspannt zurück. Sie sind überzeugt, es kümmert sich um Ihre Managerhaftpflichtversicherung, die so genannte D&O-Versicherung, die Sie von allen persönlichen Risiken für Ihre möglichen Managementfehler entheben soll. Doch Vorsicht.

Gerade zum Jahresende sollte jeder Manager selbst noch einmal eingreifen - denn jetzt präsentieren die Versicherer ihre neuen Policen. Ich kann nur raten: Wenden Sie sich an die Rechts- oder Versicherungsabteilung und lassen sich die neue Police in Kopie geben - damit Sie wenigstens wissen, bei wem Ihr Tun versichert ist. Für den Fall der Fälle, wenn es mal schief geht und Sie gar nicht mehr an Ihrem Schreibtisch sitzen sollten. Und die Firma jede Auskunft verweigert. Wie hoch ist die versicherte Summe? Welche Ausschlüsse sind neu dazu gekommen? Etwa für Produkt- oder Asbestschäden, für Gewinnwarnungen oder für Verletzungen von Ad-Hoc-Regeln.

Aber diese Punkte sind nicht alles. D&0-Versicherer verfügen über unendlich viele Möglichkeiten, um der vertraglichen Pflicht zur Schadenszahlung zu entgehen. Die D&O-Versicherung wird dadurch zu einem unkalkulierbaren Risiko für Manager. Die Lufthansa-Tochter Sky Chefs zum Beispiel mit einem der größten D&O-Schäden hier zu Lande hat bis heute keinen Cent gesehen.

Eine weitere Falle: Viele Manager lassen die Fragebögen der D&O-Versicherer blauäugig von einem Manager-Kollegen ausfüllen, ohne vorher Einsicht zu nehmen. Es geht dabei um das Erfassen von Umsatz, Eigenkapital oder Mitteilungen zu Risikoerhöhungen wie dem Erwerb von neuen Gesellschaften oder Fusionen. Es geht aber auch immer wieder um die Feststellung, dass dem Befragten keine Pflichtverletzungen bekannt sind, die D&O-Haftungsfälle auslösen können.

Das Heikle: Wer den Fragebogen unterschreibt, gibt diese Erklärungen - so sind fast alle Fragebögen aufgebaut - immer auch im Namen seiner Kollegen ab. Stellen Sie sich vor: Ihr Vorstandskollege schreibt in den Fragebogen nicht hinein, dass es möglicherweise Managementfehler gab, die D&O-Ansprüche auslösen könnten. Weil er sie böswillig verschweigt oder einfach, weil er sie unterschätzt hat. Die Konsequenz: Die Versicherung wird nicht zahlen, wie kürzlich geschehen bei einem Neuen-Markt-Unternehmen. Heute sitzt der Vorstand hinter Gittern, und der Aufsichtsrat wird verklagt auf Millionenforderungen - die Versicherung zieht sich aus der Affäre und ficht den Vertrag an. Sie hat langen Atem - lang genug, um sich durch alle Instanzen verklagen zu lassen. Kostenpunkt: Mehrere 100 000 Euro allein für eine Deckungsklage. Manager sollten sich also lieber rechtzeitig kümmern und nicht nur die Policen kontrollieren, sondern auch die dazugehörigen Formulare.

Schlimmstenfalls kommt heraus, dass Ihre Police das Papier nicht wert ist, auf dem sie steht. Mehr Deckungsausschlüsse als Deckung - und das zu horrenden Preisen. So wie es vor wenigen Wochen die Vorstände und Aufsichtsräte von Lion Bioscience erlebten und die Konsequenz zogen: Deren Versicherung verlangte eine irrwitzige Prämie von zehn Prozent des Jahresumsatzes, also 800 000 Euro bei acht Millionen Euro Umsatz. Das Groteske daran: Hätte der Vorstand diesen überteuerten Vertrag unterschrieben, wäre das alleine wohl schon ein Managementfehler und ein Haftungsfall. Aber auch hierfür hätte die Police wohl einen Deckungsausschluss parat gehabt: den pflichtwidrigen oder fehlerhaften Abschluss von Versicherungen. Ein Teufelskreis.

Lion Bioscience hat nun gar keine D&O-Versicherung mehr. Die Manager dürften sich bei jeder Entscheidung nun mehrfach absichern - zur Freude von Gutachtern und Beratern. Dann wird es, falls es tatsächlich soweit kommt, wenigstens vor Gericht einfacher, die eigene Unschuld zu belegen. Dumm ist das nur fürs Unternehmen: Dessen Expansion mag jetzt gehemmt sein. Wollen Sie da noch Manager sein?

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