Die fünf Weisen
Nun wird der Arzt operiert

Harte Schnitte sind das Geschäft der Unternehmensberatung. Mit rigorosen Sparprojekten bringen sie angeschlagene Unternehmen wieder auf Kurs. Seit mehr als zwei Jahren befindet sich nun die Beratungsindustrie selbst in einer Krise.

HB DÜSSELDORF. Den Sparzwängen der letzten Jahre fielen in fast allen Unternehmen zahlreiche Beratungsprojekte zum Opfer. Der Gesamtumsatz aller Unternehmensberatungen ist im Jahr 2002 erstmals gesunken, die Top-10-Unternehmen der Managementberatungen müssen schon seit 1999 regelmäßige Umsatzeinbußen hinnehmen. Doch noch gravierender als der Rückgang der Umsätze ist der grundlegende strukturelle Wandel, der dem Consulting noch bevorsteht.

Viele der großen Beratungshäuser haben mit teilweise harten Maßnahmen auf die Probleme reagiert, um Kosten zu senken. Mancher Berater erfährt dabei jetzt jenes Schicksal am eigenen Leib, das er bisher nur aus der Perspektive des Rationalisierers kennen gelernt hatte. Aber die Entlassungen sind sinnvoll und notwendig. Dieser Prozess hat allerdings gerade erst begonnen.

Viele Consultants hoffen, dass mit einer sich beschleunigenden Konjunktur auch die Nachfrage nach Beratungsdienstleistungen wieder ansteigen wird. Doch Berater, die sich alleine auf die Konjunktur verlassen, verkennen die sich verändernden Rahmenbedingungen.

Dem Consulting steht ein grundlegender Wandel bevor. Denn die arbeitsteiligen, hierarchisch aufgebauten Unternehmen mit Heerscharen von Beratern sind nicht mehr zukunftsfähig. Sie arbeiten weder effizient noch befriedigen sie die Wünsche der Kunden. Statt der herkömmlichen Consultingtrupps, die in das Unternehmen einfallen und das Unterste nach oben wenden, sind heute eher erfahrene, vertraute Partner für das Topmanagement gefragt.

Die Unternehmenslenker holen sich Ratgeber an die Seite: Echte Berater in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes. Die bisher typischen Projekte der Unternehmensberatung dagegen können viele Firmen mit eigenen Mitteln oft besser und günstiger erledigen als durch externe Berater, nicht zuletzt auch deshalb, weil viele ehemalige Consultants heute in den Unternehmen selbst arbeiten. Insgesamt geht das Bild des Unternehmensberaters also weg vom jungen Betriebswirtschaftler, der mit hervorragendem Abschluss frisch von der Universität doch nur tausendfach kopierte Tools und Konzepte beim Kunden anwendet. Die Berater der Zukunft dagegen bringen umfangreiche Erfahrung auch von Unternehmensseite mit. Als reife Persönlichkeiten leisten sie kompetente und authentische Denkarbeit für eine individuelle und passgenaue Problemlösung. Sie eröffnen Perspektiven, die die Handelnden im beratenen Unternehmen möglicherweise selbst nicht im Blick hatten.

Schon früher gelang es der Beraterbranche immer wieder, auf veränderte Nachfrage mit neuen Konzepten zu reagieren. Während in den Siebzigerjahren vor allem die Verwaltungen von Unternehmen reformiert wurden, begannen die Berater in den Achtzigern, auch Produktion und Logistik zu rationalisieren. Heute gehören Fusionen und Wachstum zu den vorrangigen Themen.

Die alten Herangehensweisen wurden durch die neuen Aufgaben natürlich selten vollständig verdrängt. Trotz des bevorstehenden Paradigmenwechsels in der Branche werden also auch einige der herkömmlichen Beratungskonzepte weiter bestehen bleiben. Der Trend geht aber schon heute weg von der großen Beratungsfabrik hin zur feinen Boutique, die ausschließlich maßgeschneiderte Lösungen fertigt. Gemäß den alten Traditionen wird es auf dem Weg dorthin in einigen Beratungshäusern aber wohl noch einige harte Schnitte geben. Nächste Woche: Wolfgang Saamann schreibt über schlecht informierte Führungskräfte.

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