Die fünf Weisen
Was heißt hier „Teamplayer“?

Seit Jahren sind sie allerorten gesucht: die "Teamplayer" - sowohl auf Mitarbeiterebene als auch für Führungspositionen. Aber nicht alle Unternehmen verstehen wirklich das gleiche unter diesem dehnbaren Begriff - und manche lassen bei genauer Betrachtung erst gar keinen Teamgeist in ihrer Unternehmenskultur erkennen.

Da ist es nicht leicht, sich als Bewerber im Auswahlverfahren "passend" zu positionieren. Aber auch hier hilft die gründliche Vorbereitung durch eine intensive Selbstprüfung: Wie halten Sie es denn mit der Abstimmung in ihrem Team? Und wann informieren Sie schon einmal erst im Nachhinein? Was verstehen Sie unter Teamfähigkeit? Spielen Sie fair? Sehen das Ihre Kollegen auch so?

Spricht man über die Teamorientierung von Führungskräften, so versteht man darunter auch ein "zeitgemäßes Führungsverständnis". Dies bedeutet in der Regel ein partnerschaftliches Miteinander - wohl wissend, dass Entscheidungen letztlich durch die Führungskraft gefällt werden. Diese muss aber sicherstellen, dass das Team die neuen Vorgaben trotzdem mitträgt. Von Ihnen wird erwartet, dass Sie in der Lage sind, eigene Ideen in der Gruppe durchzusetzen - ohne dort nachhaltigen Schaden anzurichten.

Unabhängig davon, wie es tatsächlich um den Teamgeist in dem Unternehmen, wo Sie sich bewerben, bestellt ist, sollten Sie zu Teamfragen nuanciert und überzeugend Stellung nehmen können. "Ich habe häufig gute Erfahrungen mit Teamarbeit gemacht." - "In der Regel bin ich der Projektleiter. Ich gebe die Ziele vor und das Team löst die Aufgaben." Solche Aussagen hören wir öfters, aber das ist - gelinde gesagt - noch sehr oberflächlich. Besser wäre es, Sie könnten differenziert ausführen, welchen Stellenwert Kooperation für Sie hat und an welchen konkreten Beispielen Ihres beruflichen Alltags sich dies ablesen lässt. Und mal ganz ehrlich: Würden die Mitarbeiter Ihre Beschreibung der Zusammenarbeit bei Nachfragen bestätigen?

Andere Fragen, die Sie sich stellen sollten: Wie steht es um Ihre Teamorientierung in schwierigen Unternehmenssituationen? Um welchen Preis sind Sie bereit, unpopuläre Maßnahmen und Entscheidungen durchzusetzen? So etwa könnte die Darstellung Ihres Führungsstils dann auch im Gespräch laufen.

Ergänzend wird der Personalentscheider schauen, ob es weitere Anhaltspunkte in Ihrem Leben gibt, die seinen Eindruck stützen. So kann beispielsweise Ihre bevorzugte Sportart Hinweise auf das Zusammenspiel mit anderen geben: Für einen passionierten Marathonläufer wird Kooperation voraussichtlich einen anderen Stellenwert einnehmen als für einen Fußballspieler. Ein guter Personalberater wird aber nach weiteren Puzzleteilen suchen: Wie und wo engagieren Sie sich in Ihrer Freizeit? Lassen sich daraus möglicherweise Rückschlüsse ziehen?

Es ist wichtig, sich ein umfassendes Bild davon zu machen, wie sich die Zusammenarbeit mit Ihnen gestalten wird - denn Ihre individuelle Art und Vorgehensweise sollten möglichst gut zur Kultur des Unternehmens und den Anforderungen der vakanten Position passen. So bitter es dann sein mag, wenn Ihnen das suchende Unternehmen, welches eine ausgeprägte Konsenskultur pflegt, absagt, weil Sie ein "durchsetzungsfreudiger Macher" sind, der nicht jeden Schritt vorher mit dem Team abstimmt: Niemandem - und Ihnen am allerwenigsten - wäre damit geholfen, wenn Sie im Vorstellungsgespräch dennoch den "Teamplayer par excellence" gegeben hätten und später, im Alltag, dauernd angeeckt wären. Aber es gibt mit Sicherheit andere Unternehmen, wo Ihre Art, Dinge zu bewegen, sehr gefragt ist.

Jörg Will ist Chef der Personal- und Unternehmensberatung IFP in Köln.

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