Die fünf Weisen
Weitsicht durch Rundblick

Die Siemens-Mitarbeiter in Bocholt und Kamp-Lintfort haben aufgeatmet - zumindest für die nächsten beiden Jahre sind ihre Arbeitsplätze sicher. Das Risiko, dass ihre Stellen nach Ungarn abwandern, ist vorerst gebannt.

Neben der Einführung der 40-Stunden-Woche dürften die Unternehmensplaner bei Siemens Produktivität, Steuergestaltung, Standortsicherheit und viele weitere Faktoren für und wider die Alternative Deutschland oder Ungarn in die Waagschale geworfen haben.

Von Führungskräften wird verlangt, dass sie solche Komplexität angemessen erfassen, bewerten und daraus zukunftsfähige Konsequenzen ziehen. So richtig es ist, dass Unternehmen ihre Planung wie im Beispiel Siemens auf die neuen Mitgliedstaaten der Europäischen Union richten, so wenig dürfen sie in eindimensionale Betrachtungsweisen verfallen: Neue Märkte zu erschließen, macht allein noch keinen unternehmerischen Erfolg aus!

Nicht nur die Märkte ändern sich; auch der demographische Wandel oder die rasante Entwicklung neuer Technik fordern von Unternehmensplanern, in immer komplexeren Zusammenhängen zu denken. Als Instrument für strategische Überlegungen bietet sich die Szenario-Technik an. Ihre erster Ansatz war die Lagebilderstellung bei Militär und Polizei; sie wurde dann von den Denkfabriken in den USA und in Europa zu einer Planungstechnik weiterentwickelt, die den Erfordernissen der Wirtschaft Rechnung trägt. Mit ihr erarbeitet man unter Berücksichtigung quantitativer und qualitativer Einflussfaktoren Zukunftsbilder, die dann zu bewerten sind.

Aus diesen verschiedenen Szenarien können modellartig verschiedene Entwicklungswege abgeleitet werden. Üblicherweise werden drei Zukunftsvarianten entwickelt: der bestmögliche Fall, in dem keine Störfaktoren die positive Entwicklung hemmen; der schlimmste Fall, in dem alle nur erdenklichen Störfaktoren Einfluss auf die imaginäre Entwicklung nehmen. Und letztlich das Trendszenario als eine Art Mittelweg zwischen den beiden Extremen.

Mit Hilfe dieser Methode können vielfältige Modelle der Zukunft entwickelt werden, was die Planung erst ermöglicht. Das Identifizieren möglicher Störfaktoren bietet zudem die Chance, ein Frühwarnsystem aufzubauen. Risikoüberwachungssysteme sind nichts Neues. Ihre Bedeutung ist aber wegen der geschilderten Komplexität des wirtschaftlichen Planens größer denn je. Genau an diesem Punkt trennt sich die Spreu vom Weizen. Ein "normaler" Manager konzentriert sich auf Teilbereiche und mag hier auch Erfolge vorweisen. Ein Top-Manager bezieht in seine Planungen möglichst viele Komponenten ein, wägt Chancen und Risiken seiner Handlungsmöglichkeiten ab und trifft schließlich die richtige Entscheidung. Wer hier über Jahre hinweg gute Ergebnisse und eine kontinuierliche Entwicklung - sprich Wachstum - in einem umkämpften Umfeld vorweisen kann, gehört zur crème de la crème der deutschen Unternehmenslenker.

Die skizzierten Entwicklungen sind auch für das Personalmanagement von Bedeutung. Zu den Aufgaben Human Resource Managements - als strategisches Unternehmensfeld - gehört es, die Fähigkeiten der Führungskräfte in Hinblick auf Unternehmenssteuerung - sowie vernetztes Denken und Handeln - zu überprüfen. Ein kontinuierlicher Check der Managementfähigkeiten etwa über Audits gibt Aufschluss über die strategischen Fähigkeiten und letztlich den persönlichen Wertschöpfungsbeitrag. Zeigt sich, dass die Führungskräfte den vielfältigen Ansprüchen immer komplexerer wirtschaftlicher Zusammenhänge gewachsen sind, liegt die Zukunft eines Unternehmens in guten Händen. Andernfalls gilt es, durch gezielte Personalentwicklung gegenzusteuern - oder im Extremfall über Neubesetzungen nachzudenken.

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