Die fünf Weisen
Wer seine Zahlen geheim hält, ist feige

Dürfen Rechtsanwälte Unternehmer sein? Haben sie das Recht, im Markt wie moderne Dienstleister aufzutreten? Können sie sich im internationalen Wettbewerb gegenüber der ausländischen Konkurrenz profilieren? Die Frage musste bisher mit nein beantwortet werden. Werbung war Kanzleien bisher nur eingeschränkt erlaubt, das Nennen von Umsatzzahlen von der Berufsordnung verboten.

HB DÜSSELDORF. Doch jetzt ist der Lack ist ab. Die Richter vom Oberlandesgericht in Nürnberg schrieben der Zunft eine Lektion ins Stammbuch: "Das Werben mit Umsatzzahlen ist weder irreführend noch sittenwidrig." Und das entsprechende Verbot in der Berufsordnung? Verfassungswidrig. Die Richter hätten auch schreiben können: Rechtsanwälte sind ganz normale Unternehmer. Denn sie begründeten ihr Urteil auch damit, dass nicht nachvollziehbar sei, warum für Rechtsanwälte andere Regeln gelten sollten als für andere Dienstleister. Eine Kanzlei, die auch zukünftig keine Umsatzzahlen nennen will, muss sich gute, eigene Argumente einfallen lassen. Denn das Standesrecht als Feigenblatt hat ausgedient.

Für den Laien ist schon unverständlich, dass sich Rechtsanwälte überhaupt vor Gericht die Freiheit ihrer Berufsausübung erstreiten müssen. Ein Paragraph nach dem anderen kippt denn auch nach zäher juristischer Auseinandersetzung vor den Richtern dieser Republik.

Das Problem ist, dass sich die deutsche Anwaltschaft heute in zwei Lager teilt. Auf der einen Seite stehen kleine Kanzleien, die sich auf die Rechtsprobleme des Privatmanns konzentrieren. Deren Anwälte verstehen sich immer noch eher als Organ der Rechtspflege, wie es im Gesetz steht, denn als Unternehmer. Sie wittern in allem kommerziellen Gebaren unternehmerisch denkender Anwälte eine Irreführung des rechtsuchenden Publikums. Der unmündige Verbraucher darf auf keinen Fall durch Werbung oder ein zu kreatives Praxisschild darauf hingewiesen werden, wo ein besonders qualifizierter Anwalt zu finden ist.

Dieses Selbstbild eines Teils der Anwälte mag in sich seine Berechtigung haben. Aber auch wenn es Tradition hat, so kann es nicht sein, dass für eine Ein-Mann-Kanzlei die gleichen Grundsätze gelten wie für überregionale Wirtschaftskanzleien mit mehreren Hundert Anwälten. Dies sind große deutsche Sozietäten oder Niederlassungen angloamerikanischer Kanzleien mit einem völlig anderen Selbstverständnis des Berufsstands. Sie stehen im harten internationalen Wettbewerb um Mandate und Erfolg. Doch in Deutschland unterliegt jeder einzelne Anwalt einer Sozietät dem gleichen Recht, ob Allgemeinanwalt oder Kapitalmarktexperte.

Für mich sind Wirtschaftskanzleien heute unternehmerisch tätige Dienstleister. Sie machen nichts anderes als Unternehmensberater - mit speziellem Know-how. Und für Dienstleister ist die Positionierung im internationalen Wettbewerb überlebenswichtig. Dieser Wettbewerb muss auf dem Markt ausgetragen werden. Zur Öffentlichkeitsarbeit einer Wirtschaftskanzlei gehört die Nennung von Umsatzzahlen und damit die Darstellung ihres wirtschaftlichen Erfolges.

Schließlich: Warum soll für die Kanzlei nicht das gleiche gelten wie für ihre eigenen Kunden? Für unsere Mandanten ist dies selbstverständlich. Denn es ist das normalste von der Welt.

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