Die fünf Weisen
Wie Verkäufer von Duschvorhangringen

Haben sie Powerpoint - oder was zu sagen? Schwindel erregende Folienschlachten, zu schnelles Sprechen, kein roter Faden - all das muss das Publikum bei Präsentationen über sich ergehen lassen. "Ich will mal sagen..."-Gefasel, hektisches Hantieren mit dem Zeigestab, manisches Auf- und Ablaufen, Spielen mit Kuli oder Manuskript. Glauben Sie ernsthaft, Ihre Zuhörer so zu überzeugen?

Ebenso unprofessionell: Entschuldigungen oder Bankrott-Erklärungen wie "Die Folien kann man schlecht lesen, aber ...", oder "Eigentlich müsste hier ... stehen, wir haben die Folie aber nicht mehr rechtzeitig ändern können..." machen doch eher aufmerksam auf Schwierigkeiten, die sonst niemand bemerkt hätte. Oder meinen Sie, das jene Entschuldigungen den Wert Ihres Beitrags erhöhen?

Wer eine Rede hält, nutzt Powerpoint zur Illustration, zur Dokumentation - und als Manuskriptersatz. Jedoch: Bei Vorträgen geht der Blick des Redners zur Leinwand oder auf den Bildschirm, für das Publikum stehen die Folien im Mittelpunkt und der Redner am Rande. Mit Firmen-Logo versehen werden ganze Absätze ausformuliert und mit Grafiken überladen per Beamer an die Wand gestrahlt. Es gibt alberne Karikaturen, üppig gestaltete Übergänge zwischen den Folien, akustische Effekte, von allem zu viel und vor allem viel zu viele Folien. Peter Norvig, Manager bei der Suchmaschine Google, hat sich mal den Spaß gemacht, die berühmteste Rede der amerikanischen Geschichte - sie stammt von Abraham Lincoln - auf ein Dutzend Powerpoint-Folien zu verteilen. Mit dem Ergebnis, das selbst diese auf einer Präsentationsfolie ganz schnell auf das Niveau eines Meetings von Verkäufern für Duschvorhangringe sinkt.

Der Wirtschaftspublizist Gunnar Sohn zieht das Fazit solcher Vorträge: "Es ist wie bei jenen privaten Abenden bei guten Freunden, die zwei Kästen mit Lichtbildern hervorkramen und über erregende Urlaubserlebnisse berichten: Die quälende Langeweile und das schummrige Licht erzeugen ein unbezwingbares Bedürfnis - Schlafen."



Schlimmer noch: Je mehr Effekte, umso weniger überzeugt der Redner selbst das Publikum. Wie sehr die Worte eines Vortragenden zählen, erfuhr die US-Regierung vor dem Irak-Krieg. Colin Powell hatte sich bestens vorbereitet: Die Multimedia-Animation des US-Außenministers über irakische Waffenbunker war technisch perfekt - doch nach der Präsentation im Kinoformat waren die Zweifel an der verkündeten US-Strategie im Rest der Welt nicht kleiner, sondern größer. Der Grund: Wer sich auf rasch wechselnde Bildchen oder akustische Effekte an der Wand verlässt, mindert meist die eigene Überzeugungskraft. Er lenkt von sich selbst ab.

Ob als Manager oder als Politiker: Wer besser reden kann, hat mehr Chancen. Und reden müssen heute nicht nur Vorstände oder Geschäftsführer. Hierarchien werden flacher. Der einzelne Mitarbeiter trägt heute viel mehr Verantwortung. Er muss selbst präsentieren und den eigenen Standpunkt vertreten. Sich darauf zu verlassen, dass die Fakten für sich sprechen und gleich auf gut gewählte Worte zu verzichten, ist ein folgenschwerer Fehler. Wer sich Gehör verschaffen will, muss nicht lauter, sondern besser reden als andere. Die Rhetorik des Kandidaten ist nämlich auch ein Baustein für die Karriere: Wer andere führen will, muss selbst reden können. Wer schon die Menschen nicht überzeugen kann, die täglich mit ihm zusammenarbeiten - wie will er es dann beim Kunden schaffen?

"Der perfekte Auftritt - Erste Hilfe für Manager in der Öffentlichkeit", Reiner Neumann/Alexander Ross, Murmann Verlag, Hamburg 2004, 22 Euro)

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