Die Fünf Weisen
Wo sind die Frauen, die managen wollen?

Was die Politiker in den Parteien mit Quotenregelungen angestrebt haben, wollten sie in der Wirtschaft mit Gesetzen durchdrücken - einen ausgewogenen Anteil von Frauen auf allen Managementebenen.

In Deutschland gibt es etwa 25 Prozent Frauen auf der mittleren Führungsebene, genaue Statistiken fehlen. Nach meinen Erfahrungen ist sogar dieser Anteil viel zu hoch gegriffen. Eine verlässliche Zahl liefert lediglich der Frauenanteil in den Vorständen der 30 Dax-Unternehmen. Dort findet sich nur eine einzige Vorstandsdame: die Niederländerin Karin Dorrepaal bei Schering. Frauen an der Spitze bedeutender Unternehmen - in den USA ganz selbstverständlich - hatte Deutschland niemals aufzuweisen. Je höher die Managementebene umso abgeschotteter ist die Männergesellschaft.

Ich habe diese traurige Erfahrung gemacht: Beim Besetzen von Führungspositionen fragen die Unternehmen weitaus mehr Managerinnen nach, als es sie auf dem Markt gibt. So wollte zum Beispiel ein Automobilzulieferer in Süddeutschland die Leitung des Zentralbereiches Finanz- und Rechnungswesen neu besetzen, als der bisherige Leiter in den Ruhestand ging. Die Geschäftsleitung hätte gerne eine Frau als Nachfolger gehabt. Denn die Branche der Automobilzulieferer ist weitgehend eine Männerdomäne. Das Unternehmen erhoffte sich von einer Frau Impulse für Veränderungen in der Managementatmosphäre. Ich hatte nur eine einzige Top-Kandidatin. Sie kam aus Norddeutschland und war Mutter von zwei Kindern. Nachdem sie sich gründlich vor Ort umgesehen hatte, gaben die fehlenden Kindergartenplätze den Ausschlag. Ich erhielt eine Absage, und das stieß bei meinem Klienten auf erhebliches Unverständnis. Sein Kommentar: Meine Kandidatin sei nach einer solchen Entscheidung doch wohl nicht die richtige Wahl gewesen. Und meine Kandidatin meinte daraufhin, dass ein Unternehmen, welches die Wahl einer bestimmten Erziehungsform nicht respektiere, für sie nicht das richtige Unternehmen sei.

Oder dieser Fall: In einem hochinnovativen Pharmaunternehmen im Rheinland sollte die Leitung eines Forschungsbereiches neu besetzt werden. Eine bereits intern qualifizierte Forscherin von Mitte 30 kam in Frage. Sie hatte gerade geheiratet. Das Unternehmen hielt es für möglich, dass die Dame ein Kind bekommt und infolge dessen die Leitung dieses eminent wichtigen Bereiches in ein bis drei Jahren wieder neu besetzt werden müsste. Das Unternehmen war auch für Zwischenlösungen offen. Ich versuchte mein Bestes, scheiterte aber ebenfalls. Denn keine der beiden Seiten sah sich in der Lage, verbindliche Zusagen geben zu können.

In den vergangenen drei Jahrzehnten wurde ein immer stärkerer gesetzlicher Schutzzaun um Frauen in Unternehmen errichtet. Dieser Schutzzaun soll den Arbeitsplatz von Frauen vor und nach der Geburt sichern. Doch den Politikern ist das Verständnis für das wettbewerbsgesteuerte Verhalten der Unternehmen immer stärker abhanden gekommen. Unternehmen können Managementpositionen nicht drei Jahre lang - wie es das Gesetz vorsieht - für eine Managerin, die ihr Kind erzieht, offen halten. Ähnlich ist es mit dem gesetzlichen Anspruch auf Teilzeitarbeit. Deshalb ist vielen jungen Frauen, die Anfang bis Mitte 30 schon die ersten Schritte im Management bewältigt haben, die weitere Karriere versperrt, wenn sie Kinder haben möchten. Politiker sehen nicht ein, dass derartige Gesetze in der Unternehmensrealität Frauenkarrieren im Ergebnis nicht fördern, sondern verhindern. Für die deutschen Unternehmen ist die Lage katastrophal. Denn inzwischen ist es ein echter Wettbewerbsnachteil, das das Potenzial von Managerinnen nur ungenügend ausgenutzt wird.

Klaus Leciejewski ist Chef der Personalberatung KDL-Consulting in Köln.

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