Die Fusion mit Compaq kommt nicht voran
Bei Hewlett-Packard regiert der Streit

Es ist die Rückkehr an einen bekannten Arbeitsplatz: Heute wird Jörg Menno Harms wieder einen Schreibtisch im Großraumbüro des Böblinger Computer- und Druckerherstellers Hewlett-Packard GmbH (HP) beziehen. Von hier aus hat der heute 63-Jährige sieben Jahre lang die HP geführt. Von seinem Posten als HP-Aufsichtsratschef kehrt er nach der Fusion mit der deutschen Compaq nun wieder in die operative Führung des Konzerns zurück.

brb STUTTGART. Der neue Mann an der Spitze - er gilt bei HP als Interimschef, der in Ruhe einen Nachfolger suchen soll - hat eine schwierige Aufgabe vor sich: Die Integration der Compaq. Zwar ist sie aus dem Handelsregister verschwunden, doch die Zweiteilung besteht fort. Erst Ende 2003 soll die Integration abgeschlossen sein.

Sicherlich wird Harms den Abbau von 500 Stellen bei Compaq und knapp 600 Stellen bei HP mit höchster Priorität behandeln, aber bisher steht die Organisationsstruktur der neuen HP noch gar nicht im Detail fest. Viele Compaq-Mitarbeiter arbeiten deshalb an ihrem alten Arbeitsplatz weiter, bis der Personalabbau bis Mitte des nächsten Jahres durchgeführt wird.

Dahinter steht bei HP eine einfache Überlegung: Wenn das Geschäft mit Computern im ersten Quartal 2003 nicht besser läuft, droht dem Unternehmen ein weiterer Personalabbau. Die Geschäftsleitung der deutschen HP, der größten Auslandstochter des US-Konzerns, schließt für diesen Fall betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr aus. In diesem Fall will sich das Management die Möglichkeit offen halten, betriebsbedingte Kündigungen getrennt nach Compaq- und HP-Mitarbeitern auszusprechen.

Personalabbau nocht nicht abgeschlossen

Mitarbeiter der HP in Böblingen bedauern, dass in Deutschland der Personalabbau noch nicht abgeschlossen ist und die neue HP nicht durchstarten kann, wie das bei einigen anderen Konzerntöchter der Fall ist. Dass die Umsätze von HP und Compaq schneller schrumpfen als der Markt, schreiben die Mitarbeiter dem Streit zwischen dem Compaq-Betriebsrat und der HP-Geschäftsführung zu: "HP und Compaq sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt", sagt ein Mitarbeiter.

Die Fronten zwischen dem Compaq-Betriebsrat und der HP-Geschäftsleitung sind lange verhärtet. Compaq will den IG-Metalltarifvertrag beibehalten. HP wiederum hat einen Haustarifvertrag. Selbst die Arbeitnehmervertreter der beiden Firmen schafften keine Annäherung.

Derweil jagen die Wettbewerber - besonders Dell - HP und Compaq die Kunden ab. Die HP-Computersparte dürfte in dem Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr weiter rote Zahlen schreiben. Das Druckergeschäft müsste so erneut die Computersparte subventionieren. Genaue Zahlen wird HP weltweit am 20. November bekannt geben.

Dass HP ihren bewährten Ex-Chef ins Rennen schickt, werten Beobachter als klugen Schachzug. Harms hat exzellente Kontakte zur Politik und zu Kunden. Er soll zumindest die Nachfrage wieder stabilisieren.

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