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Die Fußballer vom FC Bundestag

Berlin (dpa) ­ Von einer solchen Torquote kann selbst der legendäre Gerd Müller nur träumen: 214 Treffer in 195 Spielen hat Klaus Riegert im Trikot mit dem Bundesadler erzielt. Dass sein Name dennoch niemals in Jürgen Klinsmanns Notizbuch zu finden sein wird, kann ihm egal sein.

Berlin (dpa) ­ Von einer solchen Torquote kann selbst der legendäre Gerd Müller nur träumen: 214 Treffer in 195 Spielen hat Klaus Riegert im Trikot mit dem Bundesadler erzielt. Dass sein Name dennoch niemals in Jürgen Klinsmanns Notizbuch zu finden sein wird, kann ihm egal sein.

Anders als die stets umstrittenen Kuranyi, Klose & Co. ist Riegert direkt vom Volk gewählt. Seit 1992 sitzt der CDU-Politiker im deutschen Parlament. Seit 1997 trägt der frühere Bezirksliga-Spieler zudem die Kapitänsbinde beim "FC Bundestag".

"Wir sind ja so etwas wie die eigentliche Nationalmannschaft", sagt Riegert in Anspielung auf die Legitimation durch Volkes Stimme. Als solche trägt das Team auch die Original-Trikots des Deutschen Fußball-Bundes. Nicht nur deshalb sind die Plätze in der Elf begehrt. Bundeskanzler Gerhard Schröder und SPD-Chef Franz Müntefering sind ebenso schon für die Parlamentarier-Truppe aufgelaufen wie Joschka Fischer (Grüne) oder der ehemalige Finanzminister Theo Waigel (CSU).

Die Tradition der Mannschaft geht bis in die 50er Jahre zurück, als sich in Bonn erstmals Abgeordnete zum Fußball trafen. Heute ist der "FC Bundestag" eine von vielen Abteilungen der Sportgemeinschaft Deutscher Bundestag e.V., die in Bonn und Berlin insgesamt rund 1 300 Mitglieder hat. "Es ist ein Angebot, dass Leute, die viel rumsitzen, sich bewegen", sagt Vereinspräsident Peter Rauen (CDU), der zugleich Vorsitzender des Sportausschusses im Bundestag ist.

Proporzdenken spielt für die Parlaments-Fußballer genauso wenig eine Rolle wie ein strikter Leistungsgedanke. "Wer kommt, spielt auch", bestätigt der ehemalige Fifa-Schiedsrichter und heutige CDU - Abgeordnete Bernd Heynemann, der zu den Stützen des Teams gehört. Der Kern von zehn bis 15 Stammkräften kommt allerdings einer "Großen Koalition" von SPD und CDU/CSU recht nahe. "Für die kleineren Fraktionen ist es etwas problematisch, weil dort die Personaldecke dünner ist, und die Sitzungen oft länger dauern", sagt Riegert.

An regelmäßiges Training ist angesichts der Terminfülle im Alltag ohnehin nicht zu denken. Immerhin können aber die Spiele langfristig eingeplant werden. Von März bis November geht es immer dienstags nach den Fraktionssitzungen im Berliner Jahn-Sportpark zur Sache. Die Gegner sind oft Teams aus Politik und Wirtschaft, manchmal auch Prominentenauswahlen wie die Berliner Hans-Rosenthal-Elf. Für den Mittelständler Rauen ist besonders der Vergleich gegen die erste frei gewählte Volkskammer der DDR im Jahr 1990 in Erinnerung geblieben.

Auch wenn bei der Auswahl der Gegner persönliche Bekanntschaften, Traditionen oder wohltätige Zwecke im Vordergrund stehen, kann sich im Prinzip jeder für ein Spiel gegen die kickenden Parlamentarier bewerben. Bei rund 50 Bewerbungen für 15 bis 20 Termine im Jahr ist die Konkurrenz überschaubar. "Es gibt eine realistische Chance", betont Riegert.

Im kommenden Jahr gilt es jedoch vor allem auf internationalem Parkett eine Scharte auszuwetzen. Bei der Parlamentsmeisterschaft, die jährlich gegen Österreich, die Schweiz und Finnland ausgespielt wird, wurde das deutsche Team im Sommer "deutlich Letzter". "Der Termin lag einfach ungünstig", erklärt Riegert.

2006 jedoch steht nicht nur für Klinsmanns Team, sondern auch für Riegert und seine Kollegen der Ernstfall bevor. Wenige Wochen nach der WM im eigenen Land wählt das Volk den neuen Bundestag - und damit auch die Spieler für die "heimliche" Nationalelf vom "FC Bundestag".

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