Die geplante Übernahme von American General durch Prudential droht zu scheitern
Europäer kommen am US-Versicherungsmarkt nicht vorbei

Hank Greenberg hat wieder einmal zugeschlagen. Der Chef der größten US-Versicherungsgruppe AIG hat ein Gegenangebot zur Übernahme des großen US-Lebensversicherungs-Konzerns American General gemacht. Dies zu einer Zeit, wo dem ursprünglichen Bieter, der britischen Prudential, die Puste ausging. Weil US-Investoren Aktien ausländischer Gesellschaften scheuen, war der Kurs der Prudential schon im Vorfeld der Übernahme so stark abgesackt, dass der geplante Aktientausch immer mehr an Wert verlor. So konnte AIG-Vorstandschef Greenberg zu einem - vergleichsweise günstigen - Preis von 23 Milliarden Dollar mitbieten. Damit hat eine Übernahmeschlacht begonnen, aus der AIG vorraussichtlich als Sieger hervorgehen wird. Im Wettbewerb um die besten Plätze auf dem größten und lukrativsten Altersvorsorge-Markt der Welt hätte Europa somit eine Schlappe erlitten.

Aus dem Rennen sind Versicherungsgiganten wie die niederländische ING, die französische Axa oder die deutsche Allianz jedoch nicht. Die großen Europäer haben im Gegensatz zur kleineren Prudential genug Finanzkraft, um ihre Positionen in den USA auszubauen. Das wissen die US-Versicherer. Sie nehmen die großen europäischen Bieter daher weiterhin sehr ernst.

Wenn die AIG das derzeit laufende Rennen um American General gewinnt, dann ist allerdings Platz eins auf dem amerikanischen Lebensversicherungsmarkt vorerst besetzt: AIG und American General würden gemeinsam zum größten Lebensversicherer der USA aufsteigen. Für AIG würde der Kauf von American General Sinn machen. American General verfügt über ein erstklassiges Banken-Distributionsnetz und würde damit die von der AIG erst kürzlich erworbene Lebensversicherungs-Gruppe Sun-America ideal ergänzen. Zudem ist der Zeitpunkt für einen Kauf günstig, denn zwei Hauptkonkurrenten, General Electric sowie Allianz, sind mit ihren jüngsten Übernahmen beschäftigt. In Kürze dürfte die Allianz aber wieder im Rennen sein. Noch sind ein paar Übernahmekandidaten übrig, darunter John Hancock, Lincoln National und die Hartford-Gruppe.

Ein vorzeigbarer Marktanteil im amerikanischen Lebensversicherungs- und Altersvorsorge-Markt ist für die Europäer aus zwei Gründen wichtig. Zum einen ist es der weltgrößte und - dank der alternden Babyboomer - der am schnellsten wachsende Versicherungsmarkt. Zum anderen ist die eigenverantwortliche Altersvorsorge in Form von Investment-Fonds oder Pensionsfonds in den USA hoch entwickelt. Für europäische Versicherer sind Erfahrung und Erfolg in den USA also auch ein entscheidender Wettbewerbsvorteil auf dem Heimatmarkt.

Längst haben sich die größten europäischen Versicherer deshalb auf dem US-Markt platziert: die Aegon-Gruppe, die Axa und die ING zum Beispiel. Die Allianz hat die auf Pensionsfonds spezialisierte Vermögensverwaltung Pimco und die Nicholas-Applegate-Vermögensverwaltung gekauft. Im Versicherungsbereich besitzt die Allianz bereits die Firemen?s-Fund-Versicherungen. Das Phänomen, dass US-Investoren bei solchen Übernahmen aussteigen und die neue europäische Mutter US-Aktionäre verliert, haben bis jetzt alle europäischen Käufer erlebt. Allerdings wirkt sich das bei Gruppen von der Größe der Allianz weniger verheerend aus als bei der kleineren Prudential.

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