Die Geschichte des größten Maschinenbaukombinats der DDR zeigt die Abhängigkeit von Subventionen
Das Windrad taugt nicht als Markenzeichen für den Aufschwung

Schon die Telefonistin betont: "Das Markenzeichen von Sket ist heute ein Windrad. Sie sehen es schon von weitem." Die Dame hat Recht. Die Flügel des Windrads stehlen dem Backsteinschornstein mit dem Spitznamen "der lange Heinrich" die Schau. Zu DDR-Zeiten war er das Wahrzeichen des Sozialistischen Kombinats Ernst Thälmann (Sket).

MAGDEBURG. Mit der Windkraft will Sket den schwierigen Sprung in die Marktwirtschaft geschafft haben. In Magdeburg beschäftigt die ostfriesische Enercon - weltweit zweitgrößter Hersteller von Windkraftanlagen - mittlerweile 1 200 Mitarbeiter. Dort ist Enercon an den größten Sket-Nachfolgebetrieben beteiligt und mit Abstand wichtigster Auftraggeber. Auf einem Viertel der Fläche des Ex-Kombinats entstehen heute Rotorblätter, Generatoren und Türme für die modernen Windmühlen.

Sechs Jahre nach der ersten gescheiterten Privatisierung von Sket arbeiten vier der fünf Nachfolgeunternehmen mit Profit - bei einem Umsatz von insgesamt 150 Mill. Euro. Zur Verkündung dieser schönen Bilanz war kürzlich auch Karin Budde, Wirtschaftsministerin von Sachsen-Anhalt, gekommen, um etwas Glanz für ihr Amt zu erheischen. Doch viel Ehre wurde ihr nicht zuteil.

Denn Sket ist alles andere als erfolgreiche Unternehmensgeschichte. Schließlich können alle Hersteller von Windkraftanlagen in Deutschland nur existieren, weil die Bundesregierung sie besonders fördert. Energisch betont Budde zwar, Unternehmer erhielten bei ihr nur die in der Region üblichen öffentlichen Fördermittel - etwa vergleichsweise hohe Investitionszulagen für den Bau von Fabriken. Aber die deutsche Windenergie-Branche boomt, weil ein Gesetz seit 1991 Stromlieferanten dazu zwingt, sämtlichen Strom aus erneuerbaren Energien zu hohen Preisen abzunehmen. Sket verdankt dem seinen Erfolg.

700 000 Quadratmeter ungenutztes Gelände

Vor der Wende stellten rund 12 000 Menschen auf dem Areal in Magdeburg Maschinen her. Von der einstigen Dimension erzählen noch die rund 700 000 Quadratmeter ungenutzten Geländes. Gespenstisch ist der Marsch zwischen endlos scheinenden Plattenbauten. Der traurige Rekord, den Sachsen-Anhalt bei der Arbeitslosigkeit hält, die Überregulierung durch Gesetze sowie ein zu großer öffentlich geförderter Arbeitsmarkt werden nirgends auffälliger als hier.

Maschinenbauer, die sich nicht mit Windkraft beschäftigen, haben schlechte Karten. Die Branche, die in der Region Tradition hat, schrumpft vor sich hin - mit stetig fallenden Umsätzen. Wer in Magdeburg arbeitet, weiß von der überdurchschnittlich hohen Zahl an qualifizierten Arbeitskräften.

Doch für Maschinenbauer, die sich dem normalen Wettbewerb stellen müssen, haben die drei Wirtschaftsminister, die Reinhard Höppner bisher begleitet haben, wenig erreicht. Insgesamt ist die Bilanz traurig: Trotz steigender regionaler Fördermittel hat jeder Fünfte keinen Job, die Selbstständigenquote liegt mit sechs Prozent unter dem ostdeutschen Durchschnitt. Auch das neue Wahrzeichen von Sket ist kein Symbol für unternehmerischen Erfolg. Es verkörpert lediglich ein neues politisches Experiment.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%