Die Gesetzesänderung im Jahr 1996 macht den Finanzgerichten noch immer Mühe
Steuerwirrwarr bei den Arbeitszimmerkosten

Der Streit um die Absetzbarkeit des Arbeitszimmers beschert den Gerichten viel Arbeit. Ein paar Wege durch den Steuer-Dschungel sind aber sichtbar. Die Übersicht zeigt den aktellen Stand.

df DÜSSELDORF. Wer Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer geltend machen will, kommt selten ohne Steuerberater aus. Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 1996 bemühen sich Finanzgerichte und Bundesfinanzhof (BFH) in einer Flut von Entscheidungen, den roten Faden in der gesetzlichen Bestimmung zu finden. Allein für das Jahr 2002 stehen beim BFH mehrere Entscheidungen dazu an. Steuerpflichtige müssen sich deshalb bis heute an den schwer erkennbaren Grundlinien von Gesetzestext, Rechtsprechung und Verwaltungspraxis orientieren. Bestimmte Wegmarken sind allerdings erkennbar.

Gesetzlich gilt seit 1996, dass Aufwendungen für die Nutzung von Räumen innerhalb des persönlichen Wohnbereichs grundsätzlich Kosten der privaten Lebensführung sind. Sie können steuerlich auch dann nicht mehr abgesetzt werden, wenn sie eindeutig betrieblich oder beruflich veranlasst sind. Ausnahmen gelten nur in zwei Fällen: So können die Kosten weiterhin voll abgesetzt werden, wenn das Arbeitszimmer der "Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit" ist. Sie können zudem bis zu 1250 Euro steuerlich berücksichtigt werden, wenn die berufliche Nutzung mehr als 50 % der gesamten Tätigkeit beträgt oder für diese Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Unter einem häuslichen Arbeitszimmer versteht die Steuerverwaltung einen zur Wohnung gehörenden, aber vom übrigen Wohnbereich abgetrennten Raum, der nahezu ausschließlich beruflich genutzt wird. Auch ein Raum im Keller oder unter dem Dach des Hauses, in dem der Steuerpflichtige seine Wohnung hat, kann ein häusliches Arbeitszimmer sein. Ein Steuerberater oder Arzt, der seine Praxis innerhalb seines Hauses, aber außerhalb seiner Wohnung betreibt, hat dagegen eine voll steuerlich anzuerkennende Betriebsstätte. Ebenfalls als Betriebsausgaben behandelt der BFH Aufwendungen von Freiberuflern oder Gewerbetreibenden für Büro-, Praxis- oder sonstige Arbeitsräume, die zwar innerhalb der Wohnung liegen, aber durch offenkundig beruflichen Zweck von der übrigen Wohnung getrennt sind.

Recherchen in der Intimsphäre

Wenn das Finanzamt Zeit genug hat, nimmt es allerdings eine Gesamtwürdigung der Umstände vor, die für oder gegen den beruflichen Einsatz des Arbeitszimmers sprechen. Der Steuerpflichtige muss sich dann auf Recherchen in seiner Intimsphäre einstellen. Nach einem Urteil des BFH aus dem Jahr 1964, das für das Finanzamt immer noch die Richtschnur ist, muss geprüft werden: Bleibt für das Wohnbedürfnis der Familie noch genügend Raum zur Verfügung und kann vermutet werden, dass das Arbeitszimmer nicht auch privat genutzt wird? Liegt der Arbeitsraum von den Privaträumen getrennt? Ist er wie ein Privatraum eingerichtet? Außerdem ist zu prüfen, ob die soziale und wirtschaftliche Stellung und die Größe der Familie auf eine Mitbenutzung des Arbeitszimmers schließen lässt.

Zu den Aufwendungen, die unter die Begrenzung von 1250 Euro oder unter das Abzugsverbot fallen, gehören etwa die anteiligen Aufwendungen für Miete, Schuldzinsen für Kredite, die zu Anschaffung-, Herstellung- oder Reparatur der Eigentumswohnung verwendet worden sind, sowie Wasser-, Energie- und Reinigungskosten, Grundsteuer, Müllabfuhrgebühren, Gebäudeversicherungen, Renovierungskosten. Auch Aufwendungen für Tapeten, Teppiche, Fenstervorhänge, Gardinen und Lampen gehören dazu. Die Einrichtungsgegenstände dagegen, wie Aktenschränke, Schreibtisch, Computer sind unbeschränkt absetzbare Arbeitsmittel, wenn sie nahezu ausschließlich beruflich genutzt werden.

Bei der Bestimmung, wann ein häusliches Arbeitszimmer der Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung ist, kommt es auf den Schwerpunkt aller beruflichen Bereich anfallenden Tätigkeiten an. Bei der Frage, ob der berufliche Einsatz des Arbeitszimmers mehr als Hälfte der gesamten Tätigkeit beträgt, ist jeweils die zeitliche Dauer der Nutzung im Wirtschafts- oder Kalenderjahr entscheidend.

Schwierig wird es bei der Frage, ob für die berufliche Tätigkeit nicht ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Hier gilt: Selbst ein Schreibtisch in einem Großraumbüro des Arbeitgebers, kann bereits ein anderer Arbeitsplatz sein.

Stand: 07.05.2002

Quelle: Handelsblatt

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