Die Gewerkschaft will Kündigungen vermeiden
Verdi ist zu Zugeständnissen bereit

Im Streit um das Sparpaket bei der Deutschen Lufthansa ist die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi offenbar doch zu Zugeständnissen bereit. Das Angebot der Gewerkschaft, die Personalkosten der Lufthansa um 165 Mill. DM zu entlasten, sei entgegen früheren Aussagen durchaus verhandelbar, sagte Verdi-Vorstandssprecher Ingo Schwope am Donnerstag.

afp/ddp BERLIN. "Vielleicht kommt man zu anderen Berechnungen", erklärte Schwope mit Blick auf den Fortgang der zunächst unterbrochenen Gespräche mit der Lufthansa-Führung. Die bisher genannte Zahl sei "nicht in Stein gemeißelt". Denkbar sei etwa eine Verlängerung des Tarifvertrages über die bisher angebotene Frist von sechs Monaten hinaus. Für eine Einigung sei es aber nötig, dass beide Tarifparteien aufeinander zu gingen.

Falls sich der Konzern nicht bewege, seien auch Protestmaßnahmen der Belegschaft wie Kundgebungen oder Betriebsversammlungen möglich, sagte Schwope. Arbeitsniederlegungen seien nicht geplant, da in dieser Phase der Gespräche Streikmaßnahmen nicht erlaubt seien. Einen konkreten Zeitpunkt für eine Fortsetzung der am Dienstag unterbrochenen Gespräche mit der Lufthansa nannte Schwope nicht. Die Verhandlungen sollten "zeitnah wieder aufgenommen werden", sagte der Verdi-Sprecher. Die öffentlichen Ankündigungen der Fluggesellschaft, betriebsbedingte Kündigungen würden nicht mehr ausgeschlossen, bezeichnete Schwope als "völlig überflüssig". Dadurch sei der Druck auf beide Seiten unnötig gewachsen. Die Zahlenspekulationen, nach denen Lufthansa bis zu 4 000 Stellen streichen wolle, nannte er frei erfunden. "Weder der Betriebsrat noch die Gewerkschaft kennen konkrete Zahlen", sagte der Sprecher.

Die Möglichkeiten sind "sehr begrenzt"

Am Morgen hatte auch Verdi-Verhandlungsführer Jan Kahmann im Deutschland-Radio Zugeständnisse eingeräumt, um betriebsbedingte Kündigungen bei der Lufthansa zu vermeiden. Angesichts der Krise in der Luftfahrtbranche sei die Gewerkschaft grundsätzlich zu weiteren Einschnitten bei den Gehältern bereit. Die Möglichkeiten seien aber "sehr begrenzt", betonte Kahmann am Donnerstag im Deutschland-Radio. Auch die Konzernleitung müsse sich "maßgeblich bewegen". Für kommenden Dienstag seien zunächst Verdi-interne Gespräche angesetzt. Kahmann betonte, es müsse abgewartet werden, welches Ergebnis daraus erwachse.

Es gebe bei der Lufthansa eine "alte Kultur", Krisen ohne Entlassungen zu meistern, sagte der Gewerkschafter. "Deswegen sind wir auch sehr verärgert darüber, dass die Lufthansa über die Öffentlichkeit diese betriebsbedingten Kündigungen in den Raum gestellt hat. Das wäre nicht nötig gewesen." Kahmann zeigte sich zuversichtlich, dass Kündigungen vermieden werden könnten. "Wir sollten noch einmal in uns gehen, wir sollten aufeinander zugehen, und dann wird sicher eine Lösung zu finden sein."

Vertreter der Lufthansa waren für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Sprecherin Karin Weber sagte auf Anfrage, am Verhandlungsstand habe sich gegenüber Dienstag nichts verändert.

Der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, Georg Fongern, wollte sich zu einer möglichen Annäherung bei den getrennt von Verdi geführten Gesprächen mit der Lufthansa ebenfalls nicht äußern. Anfang kommender Woche würden die Verhandlungen fortgesetzt. Fongern widersprach Spekulationen, nach denen sich ein Konflikt zwischen Verdi und Cockpit über den jeweiligen Anteil an dem Sparpaket anbahne. Beide Seiten verfolgten die gleichen Interessen, erklärte der Cockpit-Sprecher.

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