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Die Griechen zittern mit

In Griechenland hat die Nachricht von den Terroranschlägen in London Betroffenheit ausgelöst. Dass die Bomben am Tag nach der Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2012 gezündet wurden, halten griechische Sicherheitsexperten nicht für einen Zufall.

In Griechenland hat die Nachricht von den Terroranschlägen in London Betroffenheit ausgelöst. Dass die Bomben am Tag nach der Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2012 gezündet wurden, halten griechische Sicherheitsexperten nicht für einen Zufall. In der griechischen Metropole ahnt man, was das für die Olympiastadt London bedeuten wird: bei den Olympia-Planungen werden Sicherheitsfragen jetzt noch mehr in den Mittelpunkt rücken. Die besten Spiele versprach London, und gewann damit den Zuschlag des IOC. Jetzt muss die britische Metropole sich vor allem auf eines konzentrieren: die sichersten Spiele auszurichten.

In Athen weiß man, wie schwer diese Last wiegt. Die Sommerspiele 2004 waren das größte Massenereignis seit dem 11. September 2001. Fünf Monate vor dem Beginn der Spiele explodierten die Bomben in den Vorortzügen in Madrid. Rund 600 Millionen Euro hatten die Griechen bis dahin für Sicherheitsmaßnahmen während der Spiele eingeplant, schließlich wurden es 1,2 Milliarden.

Das war rund drei Mal so viel wie vier Jahre zuvor in Sydney. Ein Großteil dieser Summe entfiel auf ein hochkompliziertes, von einer US-Firma geliefertes Sicherheitssystem, von dem man erst nach den Spielen erfuhr, dass es nie vollkommen funktionierte.

Was die Griechen selbst erledigten, klappte besser. Die Sicherheitskontrollen an den Sportstätten waren effektiv, aber für die Besucher nie lästig. Der Eindruck, man bewege sich in einer Stadt im Belagerungszustand kam nie auf. Die über 70 000 Sicherheitsbeamte hielten sich diskret im Hintergrund. Der über Athen seine Runden ziehende Zeppelin, vollgestopft mit Hochleistungskameras, Richtmikrofonen und anderer immer noch geheimer Sicherheitstechnologie, wurde eher als Attraktion denn als Belästigung wahrgenommen. Die mehr als tausend Überwachungskameras, die auf hohen Masten überall im Stadtgebiet installiert wurden, brachten nur einige überempfindliche Bürgerrechtler auf die Barrikaden.

Den meisten Athenern gaben sie ein Gefühl der Sicherheit. Wie die hoch über Griechenland kreisenden AWACS-Frühwarnflugzeuge der Nato oder die schwer bewaffneten Wachposten auf den Bahnsteigen der Athener U-Bahn. Dennoch war allen klar: absoluten Schutz gibt es nicht. Das zeigen die Anschläge in London. Und deshalb zittern jetzt gerade die Griechen mit.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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