Die größten Gefahren lauern mittlerweile bei Rentenpapieren
Versicherer sichern sich mit Aktien ab

Viele Versicherer machen sich Sorgen um ihre Rentenanlagen, denn ihre Abhängigkeit von diesem Markt ist sehr gestiegen. Um mögliche Kursverluste bei Anleihen abzufedern, setzen manche Unternehmen auf Aktien. Die Überlegung: Wenn Renten fallen, bieten steigende Dividendentitel einen Ausgleich. Doch das Konzept birgt Risiken.

DÜSSELDORF. Die Schwäche des Aktienmarktes hat einige Versicherer in Schieflage gebracht und den Börsenwert der Branchengrößen verdampfen lassen. Aber das ist weitgehend Geschichte, nachdem die meisten Gesellschaften - zum Teil auch automatisch durch den Kursverfall bedingt - ihre Aktienquote drastisch zurückgefahren haben. Nach einer Studie der WestLB liegt sie in der Branche bei nur noch rund 5 %. Jetzt machen sich viele Gesellschaften mehr Sorgen um die Frage: Was passiert bei einem Einbruch des Rentenmarktes? Weil die Immobilienanlagen auch keine große Bedeutung mehr haben, ist die Assekuranz mit ihren Milliarden fast völlig von Anleihen abhängig.

Beispiel Münchener Rück: Mit rund 150 Mrd. Euro auf der hohen Kante ist der Konzern einer der größten deutschen Anleger. Die Aktienquote liegt bei nur noch 10 %. Finanzvorstand Heiner Hasford möchte sie auf keinen Fall noch weiter absenken - aus Sicherheitsgründen. "Die Aktien sind für uns die Absicherung des Rentenrisikos", sagt er. Wenn es am Anleihenmarkt schlecht läuft, so ist seine Hoffnung, bieten steigende Aktienmärkte einen Ausgleich. Ähnlich äußert sich Analyst Carsten Zielke von der WestLB in einer Studie: "Ein allmählicher Aufbau der Aktienquoten ist nötig, um sich vor Zinserhöhungen zu schützen und die Margen im Neugeschäft zu erhöhen." Zinserhöhungen bedeuten zugleich einen Kursrückgang im Rentenmarkt.

Viele Versicherer versuchen auch, das Risiko über den Terminmarkt oder durch Konzepte, die ein automatisches Umschichten der Laufzeiten vorsehen, abzusichern. "Wir verkaufen mit großem Erfolg Spezialfonds mit Wertsicherungskonzepten für den Rentenbereich", berichtet Christian Graf von Bassewitz, Chef des Bankhauses Lampe in Düsseldorf. Käufer dieser Produkte sind vor allem kleinere und mittlere Versicherer. Der Bankier, der mit seinen Produkten gegen die Konkurrenz großer Fondsgesellschaften antritt, betont aber: "Das Problem haben alle, auch die Großen."

Jens Gottsmann von Union-Investment bestätigt: "Das ist ein ganz, ganz großes Thema." Seine Gesellschaft verwaltet rund sieben Milliarden Euro in Spezialfonds mit Wertsicherung. Schwerpunkt der Anlage sind zurzeit Renten, Kunden sind neben den Versicherern auch Banken.

Zwar erwarten die meisten Experten keinen drastischen Einbruch am Rentenmarkt. Vor allem die Tatsache, dass er von der Erholung der Aktienmärkte kaum in Mitleidenschaft gezogen wurde, gilt als gutes Zeichen. Doch einzelne Stimmen, etwa Analyst Markus Mezger von der BW-Bank, warnen vor einem "Bond-Crash" - der kommt meist, wenn nur wenige damit rechnen. Und ein Abwärtstrend könnte durch ein Umschichten der Versicherer noch beschleunigt werden. Der Markt ist seit einem Jahr enorm gestiegen - der Bundfuture, den die Profis als Maßstab nehmen, legte um fast zehn Prozentpunkte zu auf ein Niveau von knapp 115 %.

Das Problem bei der Absicherung: Sie kostet Geld. Da der Rentenmarkt ohnehin nur rund 4 % im zehnjährigen Bereich abwirft, bleibt nicht viel übrig, wenn davon Kosten für Terminmarktgeschäfte abgehen - zumal die Lebensversicherer immer noch 3,25 % garantieren und häufig rund 5 % versprechen. Wie Bankier von Bassewitz erläutert, sind die Wertsicherungskonzepte daher abgestuft: Wenn der Rentenmarkt sich hält, passiert nichts. Wenn er sinkt, wird über den Terminmarkt abgesichert oder nach und nach in kürzere Laufzeiten umgeschichtet. Diese Papiere sind weniger anfällig für Kursverluste.

Bei welchen Marktbedingungen das Konzept greift, ist je nach Anforderung des Kunden verschieden, aber von Bassewitz deutet an, dass bei einem Bundfuture unter 110 % viele gesicherte Fonds nur noch eine Rendite auf Geldmarktniveau abwerfen. Als im Laufe des Irakkriegs Renten für kurze Zeit deutlich nachgaben, hätten einige Konzepte schon gegriffen, erläutert der Experte. Gottsmann von der Union macht eine ähnliche Rechnung auf: Rentendepots mit Garantie des Kapitalerhalts und einer durchschnittlichen Laufzeit von 4,5 Jahren mussten zeitweise auf 1,5 Jahre umgeschichtet werden und liegen zurzeit bei etwa 3,5 bis 4 Jahren.

Doch diese Absicherung hat Grenzen. Die Münchener Rück etwa ist zu groß, um ihre Kapitalanlagen schnell umschichten zu können. "So viele Käufer können sie gar nicht finden", sagt Hasford. Daher bleibt ihm nur die Aktienquote als Absicherung. Und dieses Konzept birgt Risiken - denn Renten- und Aktienmärkte können auch parallel sinken.

Quelle: Handelsblatt

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