Die Gründersöhne von HP sind gegen die Fusion mit Compaq
David Packard und Walter Hewlett: Die Retter der Familienehre

Die beiden ältesten Söhne der Hewlett-Packard-Gründer scheuen die breite Öffentlichkeit . Doch treten sie ins Rampenlicht, um das Erbe ihrer Väter zu retten.

David Woodley Packard zieht ein überschaubares Publikum vor. Im Stanford-Theater in Palo Alto, das ihm gehört, führt er die Zuschauer persönlich in die von ihm ausgesuchten Filme ein.

In diesen Tagen ist ihm freilich die Aufmerksamkeit der gesamten Geschäftswelt gewiss: Vehement wehrt sich der älteste Sohn des Hewlett-Packard-Gründers David Packard gegen die Fusion mit dem PC-Hersteller Compaq. David W., 61, sieht das Erbe seines Vaters gefährdet. Auch Walter Hewlett, der älteste Sohn von William Hewlett, dem zweiten Gründer des US-Technologiekonzerns, hält die Fusion für einen großen Fehler.

Computer-Kids sind die beiden Gründererben beileibe nicht. Hewlett, der seit 1987 im Board of Directors von HP sitzt, ist als beratender Professor für Musik in Stanford tätig und hat Universitätsabschlüsse in Musik, Ingenieurwissenschaften und Unternehmensforschung. Das Juli-Treffen des HP-Boards, bei dem die Fusion mit Compaq auf der Tagesordnung stand, hat er zum Teil verpasst, da er in einem Orchester auf einem rein männlichen Musik-Treffen, dem Bohemian Grove, Cello spielte. Dem Board sei dieser Termin schon lange im Voraus bekannt gewesen, ließ Hewlett wissen.

Packard, der unter anderem als Professor klassische Sprachen gelehrt hat, ist ebenfalls Ingenieur. Im Rampenlicht stand er bisher aber vor allem mit seinen vielseitigen kulturellen Interessen. Unter anderem finanzierte er ein Projekt, um die historische türkische Stadt Zeugma vor dem Hochwasser des Flusses Euphrat zu retten.

Der Computer hat die Gründersöhne geprägt

Dennoch haben Computer beide mathematisch begabten Gründersöhne geprägt: David W. Packard gründete Ibycus, ein Unternehmen, das Computersysteme entwickelt, die Texte auf Griechisch, Latein und Hebräisch verwalten und übersetzen. Walter Hewlett entwickelte das Programm Musedata, das Musikdaten in Symbolen darstellt.

Neben seiner musikalischen Ader war Hewlett, inzwischen 57, als junger Mensch auch als Sportler äußerst erfolgreich. In Harvard lief er im Langstrecken-Team mit und sicherte sich so einen Platz in der Athletic Hall of Fame der US-Elite-Uni. Doch selbst beim Laufen kursieren mathematische Gleichungen in seinem Kopf: In einem Universitätsfilm aus dem Jahr 1964 sagt er auf die Frage, was er beim Boston-Marathon auf dem Heartbreak Hill, etwa bei Meile 26, gedacht hat: "Ich berechnete die Länge der Strecke, die Menge der Zuschauer und kam zum Schluss, dass statt der angekündigten zwei Millionen Zuschauer wohl nur 250 000 Menschen den Weg säumten."

Die Liebe zur Natur hat Hewlett von seinen Eltern geerbt: Er kaufte unter anderem 560 Hektar Land in der Nähe von Lake Tahoe, um zu verhindern, dass die Landschaft in das größte Ski-Ressort der USA verwandelt wird.

Fusion könnte Ideale der Väter zerstören

Doch nun sehen die beiden Gründersöhne vor allem Schicksale von Menschen in Gefahr. Sie befürchten, dass die geplante Fusion mit Compaq die Ideale ihrer Väter zerstören wird. HP stand bisher für eine gleichberechtigte Ingenieurkultur, in der auch der Apple-Gründer Steven Jobs mit 12 Jahren eine Chance zum Praktikum bekam, als er bei Bill Hewlett nach Einzelteilen für seine Tüfteleien anfragte.

Zum Erbe von "Bill und Dave" gehört auch, dass HP auch in schlechten Zeiten nicht sofort Mitarbeiter feuert. Die Tatsache, dass mit der Fusion insgesamt 15 000 Jobs verloren gehen könnten, bereitet den beiden Gründersöhnen Magendrücken: "Mir ist völlig klar, dass HP seinen Mitarbeitern nie eine Lebensanstellung garantiert hat", schreibt Packard in seiner Begründung für die Ablehnung der Fusion, "aber ich weiß auch, dass Bill und Dave nie eine Geschäftsstrategie entwickelt haben, die HP-Mitarbeiter vorsätzlich als Manövriermasse behandelt".

Nach Ansicht von Roy Verley, einem pensionierten HP-Manager, ist es den Gründersöhnen damit ernst: "Den beiden bedeutet es wirklich sehr viel, den Erfolg ihrer Väter zu sehen und ihn mit den Mitarbeitern zu teilen."

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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