Die Guten bleiben
Am Neuen Markt wurde nicht nur Geld vernichtet

Der Neue Markt - ein Symbol für Kapitalvernichtung? EM.TV und Mobilcom die schillernden Beispiele dafür? Nur teilweise. Wer nämlich am 10. März 1997 Mobilcom zu 31,96 Euro zeichnete und die Aktie bis heute hält, erlebte etliche Splits und kann sich in der Summe noch immer über einen Zuwachs von 390 % freuen.

scc FRANKFURT/M. Bei EM.TV, die seit Ende Oktober 1997 gelistet sind, beträgt das Plus noch 155 %. Wenn derzeit darüber lamentiert wird, dass EM.TV zu seiner Hochphase etwa fünfzigmal so viel wert war, wird diese Information meist unterschlagen.

Die Beispiele Mobilcom und EM.TV sagen aber auch viel darüber aus, wie es um den Neuen Markt im Jahr 1997 bestellt war. Pioniergeist war angesagt. Eine Mobilcom etwa erlöste beim Börsengang gerade mal 20 Mill. Euro. Wer jene 17 Unternehmen betrachtet, die damals den Börsengang wagten, der findet darunter jede Menge noch heute sehr gut beleumundete Unternehmen wie den Anlagebauer für die Halbleiterindustrie Aixtron, die Beteiligungsgesellschaft BB Biotech oder den Spezialmaschinenbauer Singulus. Mit all diesen Werten konnte über die Gesamtlaufzeit viel Geld verdient werden.

Aixtron ist ein Vorzeigebeispiel

Aixtron beispielsweise notiert noch immer mehr als 900 % über Ausgabepreis. Auf der Gegenseite stehen mit Beta Systems, SER und Sachsenring krasse Gegenbeispiele, die große Verluste einbrachten. Apropos Sachsenring: Der Neue Markt musste anfangs um Unternehmen kämpfen. Werte, die heute wegen ihrer Branchenzugehörigkeit wohl das Kleinwertesegment Smax vorziehen würden, wurden aus Mangel an Kandidaten freudig aufgenommen. Dazu gehörten der Automobilzulieferer Sachsenring ebenso wie der Altenheimbetreiber Refugium oder Saltus, ein Hersteller von Drehmomentschlüsseln.

Die Werte aus dem Jahr 1997 geben aber auch ein repräsentatives Bild für das ab, was sich die Verantwortlichen der Deutschen Börse damals vorstellten. Sie wollten eine Finanzierungsquelle für innovative Wachstumsunternehmen schaffen, die aus kleinen Unternehmen nach Jahren sehr viel größere macht. Auf der anderen Seite wurde stets betont, dass nicht aus jeder guten Idee später eine Microsoft werden könnte. Bei etlichen Geschäftsmodellen werde schnell klar, dass sie nicht funktionierten.

Gerade das Risiko-Argument wurde aber in den ersten drei Jahren nahezu verdrängt. Die Anleger griffen in der Hoffnung auf ewiges Wachstum kräftig zu. Am dritten Geburtstag, dem 10. März 2000, war Schluss. Die Indexhöchststände - in drei Jahren aufgetürmt - waren in anderthalb Jahren dahin. Kuriosum dabei: Etliche Unternehmen der ersten Stunde haben bei Analysten noch heute einen guten Ruf.

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