Die Hände zum Himmel
Frankreich schwenkt die Fahnen

Es waren eher ruhige Jahre für die Franzosen, die nichts von dem Erfolgs-Sturm ankündigten, der momentan wie eine Rolle über Frankreich rollt. Nur mäßige Erfolge von heimischen Fahrern gaben den Franzosen kaum die Gelegenheit zum Jubeln. Das hat sich bei der 91. Tour de France endlich wieder geändert. Die französischen Fahrer siegen und sorgen für Schlagzeilen. "Das Ende der Komplexe", titelte die führende Sportzeitung "L'Equipe" voller Genugtuung am Freitag. Vom Peloton in die Spitze...

HB LA MONGIE. Wehmütig denkt die Radsportnation seit Jahren an jene großen Tage von Bernard Hinault zurück, der 1985 als letzter Franzose die geliebte "Grande Boucle" gewann. Zum Verdruss der Franzosen dominierten seither ausländische Stars wie Greg LeMond (USA), Miguel Indurain (Spanien), Lance Armstrong (USA) oder Jan Ullrich die Schlagzeilen. Zwar ist noch immer kein zweiter Hinault in Sicht, doch die jüngsten Erfolge entschädigten ein wenig für den Frust vergangener Jahre.

Während sich die Teams der Favoriten Armstrong (US Postal) und Ullrich (T-Mobile) mit Blick auf die Berge noch zurückhielten, suchten die heimischen Fahrer ihr Heil in der Flucht nach vorn. Spätestens seit der über 200 Kilometer langen Solofahrt von Virenque am Mittwoch zum Sieg in St. Flour ist die Tour in aller Munde. Die Angriffslust der heimischen Fahrer und die wachsende Begeisterung der zahllosen Fans an den Straßenrändern ist auch dem deutschen Radprofi Jens Voigt vom Rennstall CSC des ehemaligen Gesamtsiegers Bjarne Riis (1996) nicht entgangen: "Die Franzosen machen hier die große Show. Für die ist das wie ein Jackpot. Dabei profitieren sie allerdings von der Rivalität der beiden Teams US Postal und T-Mobile."

Neben dem ohnehin sehr populären Virenque hat auch Voeckler den Weg in die Herzen seiner Landsleute gefunden. Nur wenige hatten dem im Elsaß geborenen und in Martinique aufgewachsenen Radprofi einen solch starken Auftritt zugetraut. Bei der 5. Etappe in Chartres nahm er Lance Armstrong das Gelbe Trikot ab.

Das danach einsetzende Gerede von einem Zufallstreffer ist längst verstummt: Denn zu Beginn der 12. Etappe hinein in die Pyrenäen führte Voeckler noch immer die Gesamtwertung an. Enthusiastisch feierten die Zeitungen den 109. der Weltrangliste als Vertreter des "jungen, frischen und ehrlichen französischen Radsports". Vor allem das Lob der "L'Equipe" gab die Gefühlslage der Nation wieder: "Voeckler erhellt eine Radsport-Welt mit viel Schatten."

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