"Die Händler preisen die Schwierigkeiten der Kampagne ein"
In London werden "Saddam-Futures" gehandelt

Der irische Buchmacher TradeSports Exchange bietet Wetten auf alles, was populär ist: von Entertainment über Sport bis Wetter. Ein so genannter "Saddam-Future" ermöglicht seit einiger Zeit auch eine Wette auf die persönliche Zukunft des irakischen Chefs. Ein Gespräch mit John Delaney, CEO von TradeSports Exchange Ltd.

Wie funktioniert der Saddam-Future?

Wir bieten Kontrakte mit Laufzeit bis Ende März, April, Mai und Juni an. Jeder Kontrakt im Nennwert von 10 Dollar funktioniert wie eine Wette auf das Ende des Saddam-Regimes. Der Kurs variiert zwischen 0 und 100 (Dollar), das entspricht der Wahrscheinlichkeit eines Sturzes im entsprechenden Monat.

Wie entwickeln sich die Kurse seit Kriegsbeginn?

Gerade der März-Kontrakt hat eine hohe Volatilität entwickelt. Nach der "Moment of Truth"-Botschaft von US-Präsident George W. Bush zu Beginn des Krieges schoss der Kontrakt von 18 auf 75$. Mehr als drei Viertel der Händler setzten also auf den Sturz des irakischen Präsidenten bis Ende März. Seit zwei Tagen geht der Kurs wieder nach unten. Offenbar preisen die Händler die Schwierigkeiten der Kampagne ein. Derzeit liegt der März-Kontrakt nur noch bei 27 $.

Wer beteiligt sich an dem "Spiel"?

Wir registrieren Investoren aus mehr als 30 Ländern. Sie kommen aus den großen Anleger-Hauptstädten der Welt, also von New York bis London und Frankfurt. Dazu kommt eine kleinere Anzahl von spekulativen Händlern aus Monte Carlo oder Monaco.



Wie hoch sind die Umsätze in Saddam-Futures?

Bei geringeren Nachrichten werden nur einige 100 Lots (Kontrakteinheiten) gehandelt, an Tagen wie gestern sind es bis zu 5000. Im Schnitt dürften es 2000 sein. Damit gehört der Kontrakt zu den am meisten gehandelten in unserer Firma.

Warum sollten sich ernsthafte Investoren für diese Art des Handels interessieren?

Der Saddam-Future ist stark korreliert mit dem Futures-Kontrakt für Crude-Öl. Außerdem besteht eine starke Beziehung zum amerikanischen S&P-Aktienindex. Die Investoren können den Future auf mehrere Arten nutzen: Sie können ihr Portfolio absichern (hedgen). Oder sie können den Bereich Öl abdecken, ohne mit Einsätzen von mehreren Hunderttausend Dollar einsteigen zu müssen. Bei diesen Futures kann man mit 1000 Dollarn bereits viel abdecken. Das dürfte am "großen" Öl-Terminmarkt nicht so leicht sein.

Kommt ihnen das Angebot eines Saddam-Futures nicht zynisch vor?

Warum? Wir haben den Future am 24. September 2002 ins Leben gerufen, als ein Krieg in weiterer Ferne erschien. Der Handel des Kontrakts hängt sehr stark mit dem Thema Öl zusammen. Ich respektiere, dass einige Leute diese Art des Handels ablehnen mögen. Aber sie können auch an der New Yorker Börse mit Rüstungsaktien handeln. Der Markt interessiert sich für das Angebot. Bislang liegt der Umsatz der Saddam-Futures schon bei 1,2 Millionen Dollar.

Haben Sie schon eine Marketing-Firma engagiert, um den Future zu bewerben?

Nein. Das ginge dann doch zu weit.

Das Gespräch führte Felix Schönauer

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