Die Handtmann-Gruppe ist weiter auf Wachstumskurs
Mitunter sehen zwei nach dem Gleichen

Arthur Handtmann (76) und sein Sohn Thomas (50) haben gut lachen. Und sie tun es gerne und häufig. Ihre Firmengruppe unter dem Dach der Albert Handtmann Holding GmbH & Co. KG, Biberach/Riss, floriert. Nicht zuletzt weil der 1998 zum 125. Jubiläum des Familienunternehmens vollzogene Generationswechsel augenscheinlich gut gelang.

BIBERACH/RISS."Als ich das Unternehmen abgegeben habe, lag der Umsatz bei 260 Mill. Euro", berichtet der Vater. In diesem Jahr werden voraussichtlich 370 Mill. Euro erreicht, trotz des erheblichen Preisdrucks in der Gießerei, dem neben dem Maschinenbau wichtigsten Bereich.

"In einer Zeit, in der viele andere Betriebe, Maschinenfabriken, Gießereien nach unten geschafft haben, sind wir gewachsen, als ob nichts wäre", betont Arthur Handtmann. Innerhalb von fünf Jahren wurden 140 Mill. Euro investiert und 400 neue Mitarbeiter eingestellt. Etwa 2150 Menschen beschäftigt die Gruppe heute. Die Eigenkapitalquote blieb stabil bei 40 %. "Er kann stolz sein", sagt der Vater mit Blick auf den Sohn, "und ich freue mich auch."

Thomas Handtmann bescheidet sich auf die Feststellung, "dass es der Firma gut geht". Er betrachtet den Generationswechsel nicht als besonders spektakulär. Alles sei reibungslos verlaufen: "Dies liegt daran, dass wir in jeder Firma eine funktionierende Struktur haben. Mit verantwortlichen Geschäftsführern, die am Ertrag beteiligt sind."

Er selbst sei langsam in das Unternehmen hineingewachsen. Nach einer Lehre bei der ZF Friedrichshafen und einem dann folgenden erfolgreichen Ingenieur-Studium an der ETH Zürich arbeitete er zunächst zwei Jahre bei Liebherr in Kempten. Dann holte ihn der Vater 1982 zunächst als Chef der Konstruktion in das eigene Unternehmen.

Auslandserfahrung sammelte Thomas Handtmann in den ausländischen Niederlassungen in den USA und England sowie als Austauschingenieur in Japan, wo er neun Monate bei Mitsubishi in Yokohama im Satelliten-Bereich arbeitete. Danach übertrug ihm der Vater die Verantwortung für die Armaturenfabrik, die vor allem für Brauereien arbeitet: "Der Vater hatte von einem Erfinder einen neuen Bierfilter übernommen. Doch der funktionierte nicht richtig. Das habe ich wieder auf Vordermann gebracht", berichtet der Sohn. Probleme durfte er dann auch bei einer anderen Gesellschaft lösen. "Da hat er gezeigt, dass er es kann", meint der Vater.

Die übertragene Verantwortung wurde größer, die Zusammenarbeit mit dem Vater immer enger. Dann kam das Jubiläumsjahr. Eine Holding wurde gegründet. Vater und Sohn schieden aus den Einzelgesellschaften als Geschäftsführer aus. Der Vater übernahm den Beirat, der Sohn die Geschäftsführung in der Holding.

Allein auf den Beirat wollte sich der Vater dann aber doch nicht beschränken: "Nach zwei Tagen ist er gekommen und hat gefragt, aber bauen darf doch ich", berichtet der Sohn lachend. "Aber nur nach Abstimmung. Und ich baue ja nichts, was man nicht braucht", betont Arthur Handtmann. "Wenn man Maschinen kauft, dann muss man auch eine Hütte darum haben."

Durch seine Aktivitäten, so sieht es Arthur Handtmann, werde die Vorstandschaft des Sohnes nie in Frage gestellt. Der Sohn führe das Unternehmen allein, unterrichte ihn jedoch "regelmäßig in komprimierter Form über alles, was ich auch wissen muss, da ich über die Investitionen mit entscheide".

Allerdings hat der Vater das Recht, sich auch einmal direkt bei den Geschäftsführern zu informieren. "Zeitweilig rennen dann schon einmal zwei herum und sehen nach dem Gleichen", lacht der Sohn, "seien wir ehrlich, Vater." Wenn man fast 50 Jahre das Sagen hatte, "dann macht man einfach etwas zu schnell, ohne zu fragen. Und da muss ich mich einfach zurücknehmen", räumt der Senior ein. "Aber wenn es dem Jungen zu viel wird, sagt er halt: ,Das solltest du schon mir überlassen.?".

Der Generationswechsel vor fünf Jahren hat sich, wie die beiden Handtmanns sagen, ohne jeden Druck von außen vollzogen. Auch ohne großes Aufsehen. Vermutlich hätten ihn auch die meisten Kunden nicht registriert, da ihre direkten Ansprechpartner die Geschäftsführer der einzelnen Unternehmen seien.

Aber Berater habe man hinzugezogen. Zum einen den Hausanwalt, der dann auch den stellvertretenden Vorsitz des Beirats übernommen habe, zum anderen den Wirtschaftsprüfer. Mit den Beratern seien Statuten ausgearbeitet worden, die das Familienunternehmen auch für die Zukunft sichern sollen. "Ich habe das Gefühl, dass die Regeln weitgehend dem Aktiengesetz entsprechen", meint Thomas Handtmann.

Bislang hält der Senior 51 % der Anteile, sein Sohn 25 %. Jeweils 12 % liegen bei dessen Schwestern, Elisabeth Ulrich und Ursula Strudel. "Die Mädchen hatten kein Interesse, im Unternehmen aktiv zu werden. Wenn es Thomas auch nicht gewollt hätte, dann hätte ich verkauft", sagt der Vater. Wie es in der nächsten Generation, der dann fünften, aussehen wird, ist noch offen. Arthur Handtmann kann sich über insgesamt 17 Enkel freuen: "Ich bin so glücklich, dass das saubere, unverwöhnte Kinder sind. Playboys brauchen wir keine."

Wenn der Senior seine Anteile abgibt, soll der Sohn auf insgesamt 51 % kommen, "um das Sagen zu haben"; die Töchter auf jeweils 24,5 %. "Die Damen haben dann die kleineren Anteile, aber das haben alle akzeptiert", sagt der Vater. Wenn in der nächsten Generation "taugliche Leute herauskommen, die das Unternehmen führen können", dann entscheide darüber der Gesellschafterausschuss. Das ist heute schon festgelegt, betont der Senior. "Und wenn keine herauskommen, dann sollen sie sich freuen, dass sie gute Geschäftsführer gefunden haben, die ihnen eine anständige Dividende erwirtschaften."

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