Die Handy-Hersteller wittern im Entertainment-Sektor ihre große Chance
Hollywood aufs Handy

Sie daddeln. Im Biergarten, bei der Arbeit, im Bus und auf dem Klo. Mobile Gamer sind überall. Und sie vermehren sich täglich: 2006 sollen es weltweit eine viertel Milliarde sein.

Wen wundert's: Schließlich braucht man keinen Game Boy mehr mit sich herumzuschleppen, um unterwegs in eine virtuelle Spielwelt abzutauchen - ein Mobiltelefon reicht. Die Handy-Hersteller wittern im Entertainment-Sektor daher ihre große Chance. "It's all about fun" - dessen ist sich Graham Thomas, General Manager von Nokia Games, sicher. Besonders, wenn es in der Branche um die notwendige Verschiebung vom Teilnehmerwachstum zum Umsatzwachstum pro Teilnehmer geht.

Ob sich diese frohlockende Zukunft verwirklicht, ist offen. Fest steht: Sie verspricht jede Menge "Fun"! Dank immer besserer Technik können sich die Spiele hören und sehen lassen. Farb- Displays, reichhaltige Grafiken, Melodien und sogar Vibrationseffekte verwandeln die Pausenfüller in vielfältige Erlebnisboxen. Erinnerten sie anfangs an Spiele wie "Pong", die sich mit zwei Strichen und einem Punkt begnügten, wird man heute von Dinosauriern verfolgt: Jurassic Park 3 lässt grüßen.

Mit dem Spiel zum Film zeigten Philips, Vodafone (damals noch D2) und In-Fusio im vergangenen Jahr erstmals, wie erfolgreich Hollywood auf dem Handy sein kann. Verpackt in einer großen Werbekampagne machten sie mit den Dinos zugleich einen neuen Service bekannt: Load a Game. Die Idee: Für 2,49 Euro kann der Anwender ein Spiel aus dem Internet aufs Handy laden - sofern es den Dienst unterstützt. Vodafone zählt inzwischen mehr als 200 000 Spieler und setzt weiter auf Markennamen. Etwa mit E.T.: Der Außerirdische will unbedingt ins Handy und von hier aus nach Hause - möge die Übung gelingen.

Außerirdisch geht es auch bei Nokia zu. Die Finnen schlossen einen Vertrag mit Lucasfilm ab, um die Star-WarsAbenteuer mobil zu machen. Den Auftakt bildet eine gemeinsame Kampagne zum Angriff der Klonkrieger - der viel besagten Episode II. Neben Spielen dazu können Mitglieder des Club Nokia galaktische Grafiken, Animationen und Klingeltöne auf ihr Telefon laden. Doch damit nicht genug: Insgesamt stehen digitale mobile Dienste zu gut 100 Kinofilmen und TV-Produktionen der Universal Studios bereit.

Auch Motorola verbündete sich mit einem starken Partner aus der Medienlandschaft: Anfang des Jahres gingen die Amerikaner eine strategische Partnerschaft mit AOL Time Warner ein. Wenn es um virtuelle Spiele geht, darf ein Name natürlich nicht fehlen: Sony. Die Japaner tanzen auf allen Hochzeiten und bedienen sich bei Kooperationen vornehmlich im eigenen Hause. Zum Beispiel bei der Vermarktung des bereits angekündigten Spaß-Handys Z700. Zu diesem Zweck bezog Handy- Hersteller Sony Ericsson über Sony Pictures Digital Entertainment die Rechte für die Spiele "Men in Black" und "Charlie's Angels". Die wiederum basieren auf Kinofilmen der Sony Tochter Columbia Tristar. Also: Alles schön unter einem Dach.

Obwohl die Handy-Hersteller beim Content kräftig mitmischen, wollen sie eines nicht: als Konkurrent der Netzbetreiber auftreten. "Vielmehr wollen wir zeigen, was technisch möglich ist", sagt Asa Skogström, Marketingleiterin von Sony Ericsson Deutschland. "Insbesondere technische Innovationen wie Multimedia Messaging und Java eröffnen dem Anwender eine breite Auswahl an Inhalten", sagt Mads Winblad, Nokias Vertriebschef in Deutschland.

Im Vergleich zu früher scheint die Branche also gelernt zu haben: Technik wird nur noch gegenüber Journalisten betont - beim Kunden steht der Inhalt im Vordergrund. Und der muss attraktiv sein, sonst suchen sich die Spieler eine andere Plattform. Die Anbieter von Kleincomputern winken bereits fröhlich.

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