"Die Herzen der Nation erreichen"
Kerry verspricht eine Neuauflage des amerikanischen Traums

John Kerry weiß, wie es geht: Mit einer einzigen Fernseh-Debatte gelang es ihm 1996, den Senats-Wahlkampf im Bundesstaat Massachusetts zu seinen Gunsten zu drehen. Sein republikanischer Konkurrent William Weld warf ihm damals vor, beim Thema Todesstrafe zu lasch zu sein.

HB BOSTON. Der Vietnam-Veteran Kerry, der in den Umfragen zurücklag, nahm sein Gegenüber ins Visier und konterte: "Mr. Weld, Sie brauchen mir keine Lektionen zu erteilen: Ich habe dem Tod unzählige Male ins Auge geschaut." Kerry sprach knochentrocken, aber mit jener Prise Emotion, die beim Publikum Führungsstärke vermittelt. Er gewann.

Auf diesen Effekt setzt das Kerry- Lager, wenn der demokratische Präsidentschaftskandidat heute Abend seine große Rede beim Nominierungsparteitag in Boston hält. 61 % der Amerikaner wollen sich die Ansprache am Fernsehgerät anschauen, hieß es. "Er muss sich öffnen und die Herzen der Nation erreichen", sagt die demokratische Meinungsforscherin Celina Lake. Bislang wirkte Kerry oft unterkühlt und kontrolliert, selbst wenn er im Wahlkampf Leute umarmte. "John hat einen vielschichtigen Charakter, der sich nicht auf einen einzigen Nenner bringen lässt", umschreibt Kerrys Schwester Diana die Reserviertheit ihres Bruders. Selbst während seines Einsatzes im Vietnamkrieg 1968/69 war der damalige US- Leutnant für seine reflektierende Art bekannt: "Wenn wir von unseren Kampf-Missionen zurückkamen, las John in Hemingways Wem die Stunde schlägt", betont Wade Saunders, der in der gleichen Einheit wie Kerry diente.

Dieses Image will der Kandidat heute Abend auflockern. Seine Tochter Vanessa wird ihn kurz vorstellen und dabei die weiche und gefühlvolle Seite des Karriere-Politikers hervorheben. Kerry wird sich davor hüten, zum großen Rundumschlag gegen Präsident George W. Bush auszuholen. Er wolle vielmehr eine positive Vision entwickeln, heißt es aus seinem Umfeld. Die Botschaft: Die durch rasante Preiserhöhungen bei Gesundheit, Universität und Benzin gebeutelte Mittelklasse soll steuerlich entlastet werden und wieder Chancen für den gesellschaftlichen Aufstieg bekommen. Kerry verspricht eine Neuauflage des amerikanischen Traums.

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