Archiv
Die Hoffnung stirbt zuletzt?

Ist es wieder Zeit in Mobilfunkunternehmen zu investieren, wenn Unternehmensberater die Konsolidierung einläuten? Eigentlich ja! Oder: Warten Sie lieber noch ein Weilchen, denn die Frage darf nicht lauten, ob die Unternehmensberater konsolidieren, sondern was sie eigentlich konsolidieren...

Ist es wieder Zeit in Mobilfunkunternehmen zu investieren, wenn Unternehmensberater die Konsolidierung einläuten? Fragt Stephan Sempert. Die Antwort: Eigentlich ja!

"Quam wird keine neuen Kunden mehr akquirieren", so lässt das Unternehmen verlauten; Grundlage sei eine Neuausrichtung der Strategie der Gesellschafter, der spanischen Telefonica und der finnischen Sonera. An der UMTS-Lizenz wolle man selbstverständlich festhalten. An der Glaubwürdigkeit dieses Vorhabens allerdings zweifeln nicht nur die Branchenexperten, sondern auch das finnische Parlament, welches denn auch sogleich eine Untersuchung des "größten Fehler eines Unternehmens in der finnischen Geschichte" in Auftrag gegeben hat. Nicht nur in deutsche Telekom-Unternehmen regieren Politiker hinein ...

Ihr Kolumnist ist der Meinung: Das ist eine gute Nachricht. Es war nämlich auch allenthalben zu hören, diese Entscheidung ginge auf den Rat einer Unternehmensberatung zurück. Und das kann eigentlich nur eines bedeuten: Die Hypekurve ist an ihrem Tiefpunkt angekommen. Unternehmensberater sind diejenigen welche, wenn alle Experten einer Meinung sind, genau diese zum Besten geben. "Informationsverdichtung" kann man das nennen. Da aber bekanntermaßen der Prozess der Erkenntnis und der Beschreibung und der Abschreibung Zeit kostet, sind die ausdrücklichsten Bekenntnisse dieser Art immer an den Wendepunkten einer Hypekurve zu vernehmen. Dabei schonen Berater sich auch selber nicht: Arthur D. Little hat es das Kreuz gebrochen, dass sie auf dem Höhepunkt des Hypes in das VC Investment eingestiegen sind. Andere haben weniger gelitten, aber auch Lehrgeld bezahlt.

Berater werden nicht dafür bezahlt, ihren Kunden zu widersprechen, sondern dafür, unangenehme Wahrheiten auszusprechen. Man kann also davon ausgehen, dass in den Telekomunternehmen die Erkenntnis angekommen ist: So geht es nicht. Das ist gut so und berechtigt zu der Hoffnung, dass nach vielen Träumen nun die Suche nach relealistischen Anwendungen einsetzt. Die mögen zwar weniger Stoff fär ästhetische Werbekampagnen abgeben. Aber dafür einen höheren Return of Investment.

Ob das allerding die finnische Steuerzahler beruhigt, wenn sie sich fragen, warum sie sich (mit 42,8% anteilig) 4,5 Mrd. Euro zur Sanierung der deutschen Staatskasse beteiligt haben, das wird wohl offen bleiben. Auch an dieser Entscheidung waren sicher Unternehmensberater beteiligt ? Wahrscheinlich ohne Haftpflichtversicherung.

Warten Sie lieber noch ein Weilchen, meint Olaf Deininger. Denn die Frage darf nicht lauten, ob die Unternehmensberater konsolidieren, sondern was sie eigentlich konsolidieren...

Und zum Schluss will es keiner gewesen sein. Die Vorstände nicht, ihre Berater nicht, auch nicht die Mitarbeiter und die Dienstleister schon mal gar nicht. Eigentlich hat keiner Schuld am Debakel der Telekommunikationsindustrie. Und wahrscheinlich - das werden die Anhörungen der nächsten Monate zeigen - haben sich die Bilanzen auch ganz einfach von selbst gefälscht. Wie hinterhältig von ihnen.

Tatsache ist, dass Entscheidungen in der Industrie längst keine Einzelentscheidungen mehr sind, sondern Team-Entscheidungen. D.h. ganze Stäbe, Experten, Berater werden mit einbezogen, arbeiten an der Recherche, an den Vorlagen, diskutieren mit. Es ist ein Mythos - ein praktischer, zugegeben - davon auszugehen, dass das, was sich jetzt im Telekom. -Sektor abspielt die Folge der Handlungen einer kleinen Clique von Größenwahnsinnigen ist. Nur: Es macht natürlich einiges leichter.

Das Geschäft mit den bisherigen Kunden respektive mit den bisherigen Beratern beispielsweise. Denn letztere haben mit ihren Strategiepapieren, Horden von Experten und Coaches die Mallaise mit angerichtet; statteten ihre Kunden mit den Grundlagen und Visionen aus, die heute als Teil des Problems betrachtet werden.

Keiner soll so tun, als hätte er mit den Ereignissen der letzten vier Jahre nichts zu tun. Also bleibt die Frage, was die Berater nun anfangen zu konsolidieren. Etwa ihre eigenen Fehler? Und wer gibt uns die Sicherheit, dass es diesmal besser läuft?

In jedem Fall sollte man sich das erst einmal anschauen. Doch in einem Punkt hat Kollege Sempert schon recht: Wer seinen eigenen Fehler korrigieren darf, wird sich schon ordentlich anstrengen. Und das ist ja eigentlich nicht schlecht.

Schreiben Sie den Autoren: olaf.deininger@mediaone-hh.de Stephan@Sempert.net

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%