Die Hypo-Vereinsbank legt am Mittwoch als erstes deutsches Kreditinstitut die Zahlen für das dritte Quartal vor
Bankbilanzen färben sich rot

Die Diskussion um die Ertragskrise der deutschen Großbanken dürfte in den nächsten Tagen neu aufflammen, wenn die Institute ihre Zahlen für das dritte Quartal vorlegen. Den Anfang macht die Hypo-Vereinsbank am Mittwoch.

FRANKFURT/M. Die Deutsche Bank folgt am 31. Oktober, die Commerzbank berichtet am 12. November. Experten erwarten nichts Gutes. "Alle Großbanken werden im operativen Geschäft rote Zahlen schreiben", befürchtet etwa Konrad Becker, Bankenexperte bei Merck Finck & Co.

Schon das erste Halbjahr war für die Geldbranche alles andere als berauschend. Die Hypo-Vereinsbank (HVB) war im zweiten Quartal erstmals in ihrer Geschichte operativ ins Minus gerutscht. Seitdem hat sich das Umfeld weiter verschlechtert. Der Kurseinbruch an den Börsen hat sich verschärft, die Hoffnungen auf eine Konjunkturbelebung haben sich verflüchtigt. Folge: Die Einnahmen der Banken fallen noch schneller als erwartet, und die Kreditausfälle steigen.

Als Kardinalproblem der Branche gilt derzeit die Risikovorsorge. "Der Druck auf die Risikovorsorge bleibt bestehen", sagt Gerry Rawcliffe, Managing Director bei Fitch Rating in London. Die Commerzbank hat bereits angekündigt, dass sie in diesem Jahr ihre Risikovorsorge von den zunächst angepeilten 1,1 Mrd. auf 1,3 Mrd. Euro aufstocken muss. Jetzt dürfte die Hypo Vereinsbank - an der Reihe sein. Die Bayern, die das größte Kreditportfolio aller europäischen Banken haben, kalkulierten bisher mit Wertberichtigungen von 2,5 Mrd. Euro für dieses Jahr. Analysten rechnen damit, dass Vorstandschef Albrecht Schmidt die Schätzung auf bis zu drei Milliarden Euro erhöhen wird. Metehan Sen, Analyst bei Sal. Oppenheim, rechnet mit einem Betrag von 3,2 Mrd. Euro, von denen rund eine Milliarde im dritten Quartal fällig werde. Das operative Minus im Quartal siedelt er bei 570 Mill. Euro an.

Etwas anders liegen die Probleme bei der Deutschen Bank. Wegen des relativ geringen Kreditbestands ist die Risikovorsorge beim Branchenprimus nicht das größte Sorgenkind. Ins Kontor dürfte eher die Schwäche der Kapitalmärkte schlagen, die die Deutsche wegen ihre Fokussierung auf das Investmentbanking besonders spürt. "Die schlechten Zahlen von Merrill Lynch und JP Morgan Chase lassen nichts Gutes erwarten", sagt Becker. Zweiter Knackpunkt sind die direkten Unternehmensbeteiligungen. Wegen des Kursverfalls an den Börsen wird es immer schwerer, Beteiligungen an die Börse zu bringen. Becker erwartet daher Wertberichtigungen von 450 Mill. Euro im Beteiligungsportfolio.

Edgar Klein, Partner der Unternehmensberatung Deloitte Consulting, sieht angesichts der düsteren Perspektiven weitere Entlassungswellen auf die deutschen Banken zurollen. "Es sind noch mehr Arbeitsplätze in Gefahr", sagt er. Bislang haben die Großbanken den Abbau von rund 40 000 Stellen angekündigt. Als ein möglicher Kandidat für weitere Kürzungen gilt die Deutsche Bank. Durch die Zusammenlegung des Geschäfts mit vermögenden Privatkunden und des Massengeschäft in der Geschäftseinheit Private & Business Clients können sich Experten neuerliche Entlassungen im Private Banking vorstellen. Allerdings hat Konzernchef Josef Ackermann Entlassungen in Deutschland bis Ende nächsten Jahres ausgeschlossen.

Aus dem Stellenabbau resultieren allerdings auch positive Effekte für die Zahlen im dritten Quartal. "Die Banken kommen mit ihrem Kostensenkungsprogramm ganz gut voran", sagt Sen. Entscheidend sei aber, wann die Restrukturierunsgaufwendungen für die Entlassungen verbucht worden seien. Die Deutsche Bank hat bereits im ersten Halbjahr einiges in die Bücher genommen und stehe jetzt besser da, heißt es. Die Commerzbank-Zahlen werden nach Ansicht von Experten dagegen nochmals durch die Restrukturierung belastet.

Nach Ansicht von Fitch-Analyst Rawcliffe reichen die Sparprogramme allein freilich nicht aus, um die Gewinnmisere zu überwinden. "Die deutschen Banken haben vor allem ein Ertrags- und weniger ein Kostenproblem". Doch so lange Konjunktur und Börsen auf Talfahrt sind, bleibt die Steigerung der Einnahmen ein schwieriges Unterfangen.

Quelle: Handelsblatt

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