Die INA-Eigentümerin schafft sich ein Imperium
Maria-Elisabeth Schaeffler: Die mächtige Lady im Hintergrund

Im Kampf um FAG trat sie kaum in Erscheinung. Doch die 60-Jährige ist eine der einflussreichsten deutschen Unternehmerinnen.

MÜNCHEN. Sechs Wochen lang tobte zwischen den Wälzlager-Konzernen INA und FAG Kugelfischer ein Kampf, wie ihn Deutschland so noch nie gesehen hatte: Ein Familienunternehmen versuchte mit allen Mitteln, eine börsennotierte Gesellschaft gegen deren Willen zu übernehmen. An vorderster Front prügelten sich die beiden Firmenchefs - Jürgen Geißinger für INA und Uwe Loos für FAG.

Der Ausgang des Ringkampfes ist bekannt: Loos musste kapitulieren, Geißinger schluckte den traditionsreichen Wälzlager-Konzern FAG. Wahrer Sieger der erbitterten Auseinandersetzung ist jedoch nicht Manager Geißinger, sondern INA-Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler. Ihr gehört nach der Übernahme der zweitgrößte Wälzlager-Konzern der Welt. Ihre 52 000 Mitarbeiter erwirtschaften über alle Kontinente verteilt im Jahr 6,5 Milliarden Euro.

Vor die Mikrofone und Kameras trat die 60-Jährige während der vergangenen Wochen nie. So geizig wie das Herzogenauracher Familienunternehmen INA mit Firmenzahlen ist, so sparsam ist Maria-Elisabeth Schaeffler mit öffentlichen Auftritten. Immerhin: Im vergangenen Jahr zeigte sich die immer elegant gekleidete, schlanke Unternehmenschefin stolz der Öffentlichkeit. Sie war gerade zur Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer Nürnberg gewählt worden.

Die Franken haben mit der Wahl offensichtlich erkannt, wie wichtig die charmante Unternehmerin für die Region ist. Ihre Firmengruppe ist nach Siemens und Quelle mit 8 000 Beschäftigten der drittgrößte Arbeitgeber im Frankenland. "Nicht nur die Politiker, alle Bürger der Stadt sind stolz auf das Unternehmen", überschlägt sich der Autor einer städtischen Publikation in Herzogenaurach mit Lob über INA.

Maria-Elisabeth Schaeffler ist erst seit fünf Jahren Eigentümerin der INA Holding Schaeffler KG. Die gebürtige Österreicherin musste die Führung übernehmen, nachdem ihr Mann im Sommer 1996 im Alter von 79 Jahren gestorben war. Georg Schaeffler, in Lothringen geboren, hatte die Firma nach dem Krieg mit seinem Bruder Wilhelm in Herzogenaurach aus dem Boden gestampft.

Georg Schaeffler hatte seine deutlich jüngere Frau in seinen letzten Lebensjahren bereits darauf vorbereitet, die Verantwortung zu übernehmen. So fand sie sich schnell in ihrer neuen Rolle als Eigentümerin der Firmengruppe zurecht. Wenn sie nicht auf Reisen ist, kommt sie jeden Tag ins Büro in Herzogenaurach. Bei Betriebsversammlungen scheut sich die charmante INA-Gesellschafterin nicht, selbst ans Mikrofon zu treten und den Platz nicht nur ihren angestellten Managern zu überlassen. Auch auf der Industriemesse in Hannover ist die mächtige Frau in jedem Frühjahr präsent und kümmert sich persönlich um ihre Kunden.

Sie achtet darauf, dass die familiäre Atmosphäre der INA trotz der zunehmenden Größe nicht verloren geht. "Wir haben hier eine ganz besondere Familienkultur", lobt ein Mitarbeiter. Sie veranlasst viele Angestellte, lange in der Firma zu bleiben.

Die Unternehmerin und Mutter eines Sohnes ist sozial stark engagiert. Dafür erhielt sie von Bayerns Innenminister Günther Beckstein im Frühjahr das Bundesverdienstkreuz. Er lobte ihren Einsatz für Schulen, Kindergärten und das Bayerische Rote Kreuz.

Aber im Geschäftsleben schenkt die Dame mit dem karitativen Herzen ihren Partnern nichts, wie der zähe Kampf um FAG gezeigt hat. Sie griff sogar in ihre Privatschatulle und kaufte selbst mindestens sieben Prozent der FAG-Aktien. Denn Maria-Elisabeth Schaeffler kennt vor allem ein Ziel: Wachstum.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%