Die Indus AG wird zu Unrecht in Sippenhaft genommen
Wie ein Schnäppchen entsteht

Beteiligungsgesellschaften haben es in schlechten Börsenzeiten doppelt schwer. Neben der Marktschwäche drückt auf den Aktienkurs das geringere Ergebnis, das sich aus dem sinkenden Börsenwert der Beteiligungen ergibt. In diese Sippenhaft nehmen Anleger die Indus AG. Der Börsenwert fällt und fällt, obwohl die Holding Jahr für Jahr gute Erträge erwirtschaftet.

DÜSSELDORF. Auch 2002 trotzt Indus dem schlechten Konjunkturtrend: Umsatz und Erträge erhöhten sich in den ersten neun Monaten um gut fünfeinhalb Prozent. Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp sieben auf Basis der diesjährigen (!) Gewinne und einer Dividendenrendite von 6 % gab es die Aktie nie so günstig wie heute.

Indus hat keine börsennotierten Gesellschaften im Portfolio. Auch beabsichtigen die Bergisch Gladbacher nicht, eine erworbene Firma jemals wieder zu verkaufen - so wie es meistens das Konzept von Beteiligungsgesellschaften ist. Wer waghalsige und gewinnträchtige Turn- around-Finanzierungen oder einen Kapitalgeber für Startups vermutet, ist bei Indus ebenfalls an der falschen Adresse. Der Fokus liegt auf mittelständische, meist alt eingesessene Firmen, die beispielsweise ein Nachfolgeproblem haben, wenn der Chef in den Ruhestand geht.

Von einer Million mittelständischer Unternehmen kommen rund 100 000 für Indus hinsichtlich Struktur und Ertragskraft in Frage. Da bereitet es keine Sorge, jedes Jahr zwei oder drei Firmen zu übernehmen, so dass Indus vorausschaubar wächst. Indem man sich auf die Unterstützung bei Finanzfragen, Recht und Technik, vor allem aber auf die Suche nach einem Geschäftsführer für die neue Gesellschaft konzentriert, werden die Vorteile einer Unternehmensgruppe mit der Flexibilität mittelständischer Untergesellschaften verknüpft.

Die Konzentration auf solide "Old Economy" aus dem Konsum- und Investitionsgüterbereich heißt aber nicht, dass die Aktie ohne Risiken ist. Diese liegen nur woanders, als viele Anleger vermuten. So leidet das Geschäft weder unter schwachen Börsen noch unter einer schlechten Wirtschaft. Im Gegenteil. In der Rezession 1993 ging die Strategie auf, hochrentable Mittelständler zu kaufen, die dann besonders günstig waren. Das könnte sich jetzt wiederholen: In diesem wirtschaftlich schwierigen Jahr gab es bereits vier Übernahmen; die fünfte und damit insgesamt 39. soll noch im Dezember in trockenen Tüchern sein, wie dem Handelsblatt gestern bestätigt wurde.

Passende, dauerhaft profitable Firmen und den erfolgreichen Geschäftsführer ausfindig zu machen - das sind die Aufgaben, bei denen der Holding wenig Kunst- und Rechenfehler unterlaufen dürfen. Hier liegen zugleich die Risiken für den Anleger. Holdingsgründer und Ex-Chef Winfried Kill, der nach zwölf Jahren Vorstandstätigkeit im Sommer in den Aufsichtsrat wechselte, hatte diesen Instinkt. Aktionäre müssen nun darauf vertrauen, dass Helmut Ruwisch, der vom Bankhaus Lampe kommt und Fachmann für Mittelstandsfinanzierung ist, erfolgreich weiter arbeitet.

Wenn der 55-Jährige ein genauso glückliches Händchen hat, dann ist die Aktie preiswert. Ein Schnäppchen ist sie, wenn Ruwisch zur Ertragssteigerung auch künftig mehrere Unternehmen pro Jahr erwirbt, ohne dass sich die Schulden der Holding drastisch erhöhen. Das dürfte nicht ganz einfach sein. 1997 und 2000 legte Indus den Grundstein für neue Beteiligungen durch die Herausgabe neuer Aktien. Diese Strategie geht nur in normalen oder boomenden Börsenzeiten auf. Solange wir davon entfernt bleiben, scheidet diese Einnahmequelle aus.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%