Die Inlandsnachfrage hat sich zuletzt kräftig belebt – Auftragsbestände reichen bis weit in 2001 hinein
Der Markt für Werkzeugmaschinen boomt

Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie erwartet ein Rekordjahr: Autohersteller, Zulieferer und der Maschinenbau selbst forcieren mit hohen Investitionen die Modernisierung ihrer Anlagen. Zusätzlich begünstigt der schwache Euro die Werkzeugmaschinenbauer auf den internationalen Märkten.

DÜSSELDORF. Die Auftragseingänge in der deutschen Werkzeugmaschinenindustrie sind in den ersten zehn Monaten 2000 um 38 % emporgeschnellt. Für das Gesamtjahr erwartet der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) als Branchenverband für die typische Investitionsgüterindustrie ein Wachstum in ähnlicher Größenordnung. "Eine Verlangsamung der Expansion ist nicht zu erkennen", stellt VDW-Geschäftsführer Helmut von Monschaw im Gespräch mit dem Handelsblatt fest. Eher erhöhe sich das Tempo noch. Allein in den vergangenen drei Monaten wuchsen die Bestellungen um 54 %. Damit zeigt sich die Branche zur Fachmesse Euro-Blech in Hannover (5. bis 9.12.) in guter Form.

Der Boom wird die Auftragseingänge in diesem Jahr auf eine Rekordhöhe von mehr als 21 Mrd. DM katapultieren. Sie liegen damit deutlich über der Produktion von knapp 18 Mrd. DM, die auch bereits einen neuen Rekord darstellen. Die Auftragsbestände reichen weit bis 2001 hinein und sichern nach 6 bis 8 % Produktionsplus in diesem Jahr eine weitere Steigerung von 8 % im nächsten Jahr, so von Monschaw.

Bemerkenswert sei, dass die Inlandsaufträge, die im ersten Halbjahr noch um 12 % sanken, im dritten Quartal um 33 % angezogen hätten. Erste Überhitzungserscheinungen mit verlängerten Lieferzeiten seien inzwischen unverkennbar.

Da die Werkzeugmaschinenindustrie vom Investitionsverhalten der Industrie abhängt, ist traditionell starken Zyklen unterworfen (Grafik). Dieses Auf und Ab ist von der mittelständischen Branche oft nur mit Mühe zu meistern. Rund 70 % der Unternehmen haben weniger als 250 Beschäftigte. Als Folge des Konjunktureinbruchs in der ersten Hälfte der 90-er Jahre sind viele Firmen vom Markt verschwunden und die Konzentration hat zugenommen. Danach hat die Branche wieder zu ihrer alten Stärke gefunden. Werkzeugmaschinen gelten als Schlüsseltechnologie. So erklären sich die starken Positionen deutscher Autohersteller und Maschinenbauer auch aus der führenden Stellung der hiesigen Werkzeugmaschinenbauer.

"Die Branche war auf den Aufschwung vorbereitet, von seinem Ausmaß aber war sie überrascht", bestätigt Berthold Leibinger, geschäftsführender Gesellschafter der Trumpf GmbH & Co. KG, Ditzingen, auf Anfrage. Trumpf, Weltmarktführer bei Lasern und Lasermaschinen, erwartet nach den Worten Leibingers im diesem Geschäftsjahr wieder ein Umsatzplus von etwa 20 %. Dabei würden die Bereiche der so genannten Old Economy, nämlich Werkzeugmaschinen für die Blechbearbeitung, durchaus mithalten können. Horst Dienstbach, Vorstandsvorsitzender der Schuler AG, Göppingen, rechnet für 2001 mit einem weiterem Aufschwung aus dem Inland: "Während in den USA eine leichte Abschwächung der Wachstumsdynamik zu erwarten ist, dürfte die weitere Belebung der Inlandsnachfrage für Ausgleich sorgen." Schuler, Marktführer in der Umformtechnik, also insbesondere bei Pressen für die Autoindustrie, rechnet für das eigene Geschäft "mit einer Fortsetzung des über dem Branchendurchschnitt liegenden Wachstums".

Auch Rüdiger Kapitza, Chef der Gildemeister AG, Bielefeld, einer der international führenden Hersteller von Drehmaschinen und neuerdings auch in der Lasertechnik aktiv, ist hoch zufrieden: "Das Jahr wird das beste in unserer Geschichte. Wir spüren eine Auftragswelle vor allem aus dem pazifischen Raum und Nordamerika." Die Walter AG, Tübingen, Weltmarktführer bei Werkzeugschleifmaschinen, berichtet in den ersten drei Quartalen über einen um 14 % gestiegenen Umsatz.

Durchweg hat sich auch das Ergebnis bei den befragten Unternehmen verbessert. Jedoch ist eine Nettorendite von durchschnittlich 2,5 % noch nicht zufrieden stellend, so von Monschaw. Giddings & Lewis beschert Thyssen-Krupp derzeit sogar rote Zahle n. Die US-Werkzeugmaschinentochter, mit deren Erwerb der Ruhrkonzern zum global größten Werkzeugmaschinenanbieter wuchs, muss gründlich saniert werden.

Für den aktuellen Boom in der Branche gibt es mehrere Gründe: Die deutsche Autoindustrie investiere derzeit vor allem in ihre Auslandsstandorte. Zum andern sind viele der großen Zulieferer der Autobranche dabei, ihren Kunden zu folgen und ihren Maschinenpark zu erweitern oder auf den neuesten Stand zu bringen. Der florierende allgemeine Maschinenbau habe seine Investitionen ebenfalls aufgestockt. Ferner hat sich das Ostasiengeschäft deutlich besser entwickelt als zunächst angenommen. Auch der US-amerikanische Inlandsmarkt für Werkzeugmaschinen ist in diesem Jahr wieder gewachsen, bestätigt Kapitza. Nicht zuletzt profitieren die deutschen Hersteller im Export vom schwachen Euro.

Hände ringend sucht die Branche derzeit Facharbeiter. Die Zahl der Beschäftigten ist mit derzeit 67 000 (Vorjahr 66 000) leicht gestiegen.

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