Die Innenminister der Länder werden in der kommenden Woche über die wachsende Gewalt gegen Polizisten beraten
Neuer Polizistenmord heizt Diskussion um Kontrollen und Sicherheit an

dpa WIESBADEN/NIEDERWALLUF. Einen Tag nach dem siebten Polizistenmord in diesem Jahr ist eine Diskussion um einen besseren Schutz der Beamten entbrannt. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sagte am Freitag in einem Rundfunk-Interview, die Bürger müssten damit rechnen, dass sie künftig häufiger einem Beamten mit gezogener Waffe begegnen. Eigensicherung habe oberste Priorität.

Die Gewerkschaften forderten eine bessere Ausstattung der Polizei mit leichten Schutzwesten und Kameras in den Streifenwagen. Am Donnerstagabend war in Hessen ein Polizeibeamter an den Folgen von Schüssen gestorben, die auf ihn abgefeuert wurden.

Die Innenminister der Länder wollen in der kommenden Woche in einer Telefonkonferenz über die wachsende Gewalt gegen Polizisten beraten. Ihr Vorsitzender, Nordrhein-Westfalens Innenminister Fritz Behrens (SPD), forderte eine Überprüfung des Waffenrechts.

Am Tatort Niederwalluf bei Wiesbaden herrschte am Tag nach der Bluttat Entsetzen. Ein 25 Jahre alter, vermutlich zur Frankfurter Drogenszene gehörender Türke hatte dort am Donnerstagmorgen zwei Polizisten niedergeschossen. Als die Beamten ihn wegen seines verdächtigen Verhaltens festnehmen wollten, gelangte er an die Dienstpistole eines der Polizisten. Damit traf er den 32 Jahre alten Polizeiobermeister Ingo Georg Grebert tödlich. Sein 42 Jahre alter Streifenpartner konnte zurückschießen, wurde aber schwer verletzt. Er war am Freitag jedoch auf dem Weg der Besserung.

Rund 100 Kollegen des toten Polizisten nahmen mit einem Schweigemarsch zum Tatort Abschied. Der Getötete war selbst Sohn eines Polizeibeamten. Das zuständige Amtsgericht erließ Haftbefehl wegen des Verdachts auf Mord und Mordversuch. Der mit einem Kopfschuss im Krankenhaus liegende Täter war am Freitag noch nicht vernehmungsfähig, seine Identität noch nicht völlig geklärt. Er hatte den Pass eines wegen kleinerer Delikte vorbestraften Türken aus Frankfurt bei sich. Allerdings hegt die Staatsanwaltschaft Wiesbaden Zweifel, ob der Pass tatsächlich dem Schützen gehört.

NRW-Innenminister Behrens sagte, es gebe in Deutschland zu viele legale und illegale Waffen in privater Hand. Härtere Strafen lehnte der Politiker dagegen ab. Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU) will dagegen in der Ministerkonferenz auch über schärfere Gesetze reden. Möglicherweise müsse man sich amerikanischen Verhältnissen annähern.

Auf eine bessere technische Ausstattung der Polizei drängte die Deutsche Polizeigewerkschaft im Beamtenbund (DpolG). "Unsere Einsatzfahrzeuge müssen mit Kameras und schusssicheren Scheiben ausgestattet werden", sagte der mittelhessische DpolG-Vorsitzende Wilfried Fell.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) verlangte in Wiesbaden leichtere Schutzwesten und eine intensivere Fortbildung der Beamten. Der Bundesvorsitzende Norbert Spinrath forderte von den Gerichten die Ausschöpfung des Strafrahmens bei Widerstandshandlungen gegen Polizeibeamte.

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