Die Insel wartet auf späten Breitband-Boom
British Telecom startet Werbefeldzug

Was haben ein Rhinozeros, die Schweine Smokey und Streaky, ein dreiköpfiger Drache und eine mongolische Reiterin gemeinsam? Richtig, nicht viel, außer, dass sie allesamt Teil einer 33 Mill. £ teuren Werbekampagne sind, mit der die BT Group die Briten für schnelle Breitbandzugänge ins Web gewinnen will.

LONDON. Experten schätzen, dass die Kampagne fast 15 % des jährlichen Werbebudgets der Abteilung BT Retail verschlingt. AOL fackelt nicht lange und kontert die BT-Offensive mit ganzseitigen Anzeigen in der englischen Tagespresse, die das Angebot von BT offen aufs Korn nehmen. Auch die krisengebeutelten Kabelgesellschaften NTL und Telewest blasen zum Preiskampf. 2001 hatten sich die beiden Kabelriesen zur Initiative "Building Broadband Britain" zusammengeschlossen, weil sie den lahmenden Ausbau der Breitband- Technologie auf der Insel beschleunigen wollten. Beklagter Bremsklotz war damals noch der Ex-Monopolist British Telecom, der sich mit schlechtem Service und bürokratischen Umständlichkeiten den Zorn von Kunden und Konkurrenz zuzog.

Auch die Politik stößt nun kräftig ins Horn, wenn es um die schnelle Datenübertragung via Breitband geht. Der seit Mai amtierende E-Commerce-Minister Stephen Timms setzt sein schönstes Lächeln auf und gratuliert dem 1 000 000sten britischen Breitband-Kunden bei einem Pressetermin persönlich. Trotz aller Freude - allzu stolz kann er auf diese Zahl nicht sein, denn England liegt einer Studie von Nielsen/NetRatings zufolge bei der Verbreitung von Breitbandanschlüssen pro Land im europäischen Vergleich abgeschlagen auf den hinteren Rängen - Deutschland, Frankreich und Skandinavien sind der Insel weit voraus. Eine Untersuchung der OECD bestätigt dies. Das ficht den durch ansehnliche Wachstumsraten auf niedrigem Niveau motivierten Timms nicht weiter an: "England wird einer der größten und am härtesten umkämpften Märkte für Breitband werden", sagt der Minister beim Pressetermin.

Bisher ist die Breitband-Bilanz auf der Insel ernüchternd. "Besonders kleinere und mittlere Unternehmen sind hier benachteiligt, weil sie meist nicht in Innenstädten sondern in Industrieparks residieren, wo es an der passenden Verkabelung hapert," sagt Peter Scargill von der Federation of Small Businesses. Und die Umrüstung auf eigene Kosten sei oft zu kostspielig.

Laut einer Analyse des englischen Telekomregulierers Oftel besitzen weniger als zehn Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen einen leistungsfähigen Internetzugang über ADSL. Grund dafür ist die Infrastruktur: Um einen schnellen Breitbandzugang mit ADSL oder SDSL (Asymmetric/Symmetric Digital Subscriber Line) zu ermöglichen, muss die Verkabelung entsprechend ausgerüstet sein. Das Kabel wird bei dieser Technik digital in drei separate Kanäle aufgeteilt, um den Transfer ein- und ausgehender Datenpakete zu beschleunigen. Konventionelle Kupferkabel der Telefonleitung können beim Breitband Daten nur über vergleichsweise kurze Strecken störungsfrei transportieren. Leistungsstarke Glasfaserkabel sind bislang nur verhältnismäßig gering verbreitet.

Die kostspielige BT-Kampagne trägt den schwungvollen Slogan "Broadband is landed" (Breitband ist gelandet). Das ist es aber nicht überall in England. Nicht nur ländliche Gebiete, auch in zahlreichen Städten, wie etwa in Manchester, fehlen in einigen Stadtteilen die technischen Voraussetzungen für Breitband-Zugänge. Experten schätzen, dass bis zu einem Drittel aller englischen Städte nicht über die erforderliche Infrastruktur etwa für ADSL verfügt. Zudem häufen sich Beschwerden der Kunden über umständliche Installation, mangelnden Service und häufige Funktionsstörungen.

So dürfte es für BT schwierig werden, das Ziel von insgesamt 5 Millionen Breitband-Kunden im Jahr 2006 zu erreichen. Ben Verwaayen, seit Anfang des Jahres CEO der BT Group, hatte zum Amtsantritt diesem Bereich eine strategisch zentrale Bedeutung zugesprochen und dies als Ziel formuliert. "Wir haben momentan pro Woche 12 000 neue Anschlüsse. Diese Zahl möchten wir nach der Kampagne verdoppeln," sagt ein BT-Unternehmenssprecher. Nachdem 2001 mit einem Rekord-Schuldenberg von rund 30 Mrd. £ und einer Bezugsrechtsemmission über 5,9 Mrd. £ zum Abbau der Schulden als Katastrophenjahr in die Geschichte des Unternehmens eingehen wird, steht BT mit seiner kostspieligen Breitbandoffensive unter erheblichem Erfolgsdruck. Das Rhinozeros, die Schweine Smokey und Streaky, der dreiköpfige Drache und die mongolische Reiterin müssen erst noch beweisen, dass sie ihr Geld wirklich wert sind.

Quelle: Handelsblatt

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