Die Integration von Westinghouse eröffnet neue Chancen
Siemens profitiert vom Kraftwerksboom in USA

So ein Auftrag kommt auch für Siemens nicht alle Tage. Gleich drei Bestellungen über insgesamt 1,7 Mrd. DM hat der Bereich Energieerzeugung des Konzerns kürzlich erhalten. Gebaut werden sollen Kraftwerke in Spanien, Vietnam und Taiwan. Der Auftrag erhöht die bereits eindrucksvoll lange Liste der Bestellungen bei der Geschäftseinheit Stromerzeugung des Konzerns, dem weltweit zweitgrößten Hersteller.

HB ERLANGEN. "Wir sind bis zum Jahr 2003 ausgelastet", sagt Klaus Voges, Vorsitzender dieses einst als "Kraftwerksunion (KWU)" bekannten Konzern-Bereichs im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Auftragseingang stieg in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2000/01 (30.September) um 67 % gegenüber dem Vorjahr auf 6,5 Mrd. Euro. Der Gewinn (Ebita) erhöhte sich von 19 auf 235 Mill. Euro.

Das war nicht immer so. Das Geschäft mit der Energieerzeugung war jahrelang ein großes Sorgenkind des Siemens-Konzerns. Obwohl der Umsatz kontinuierlich auf zuletzt 3,7 Mrd. Euro stieg, arbeitete der Bereich 1998 und 1999 mit roten Zahlen. Zu den schwachen Märkten in Europa und Asien kamen hausgemachte Probleme: Eine neue Generation von Gasturbinen war zu schnell an den Markt gebracht worden. Der langjährige KWU-Chef Adolf Hüttl musste seinen Posten räumen, Voges übernahm im Oktober 1999 das Ruder.

Jetzt sind die technischen Probleme gelöst, der Nuklearbereich wurde Anfang des Jahres in einem Joint Venture mit der französischen Framatome untergebracht, und Siemens kann vom derzeitigen Boom bei kombinierten Gas- und Dampfturbinen profitieren. "Dieser Bereich ist seit 1998 Treiber des weltweiten Marktwachstums, besonders durch hohe Investitionen in den USA", betont Voges. Nach jahrelanger Flaute wird in den USA jetzt kräftig in neue Kraftwerke investiert.

Damit ist Siemens in USA in einer guten Position. Denn im August 1998 hatte der Konzern den Bereich Konventioneller Kraftwerksbau des US-Anbieters Westinghouse gekauft. "Wir hatten Glück mit dem Zeitpunkt der Übernahme von Westinghouse", kommentiert Voges.

Zwar kostete die Integration des Bereiches in den Konzern 1 800 Arbeitsplätze, davon rund 700 in Deutschland, doch jetzt profitiert auch das Turbinenwerk Berlin vom Auftragsboom aus den USA und wird ausgebaut. "Wir haben jetzt ein gemeinsames Netzwerk für Konstruktion, Fertigung und Vertrieb", betont Voges. Der Stellenabbau sei beendet, jetzt werde in den USA und im Werk Berlin wegen der sehr guten Auftragslage wieder eingestellt.

Schwachstellen wurden beseitigt

Die gute Auslastung und die Beseitigung der Schwachstellen haben die Ertragslage des Bereichs Stromerzeugung entscheidend verbessert. Während für das Geschäftsjahr 1999/2000 ein Gewinn von 66 Mill. Euro ausgewiesen wurde, waren es im ersten Halbjahr des laufenden Jahres bereits 235 Mill. Euro, was einer Rendite von 6,3 % entspricht. Mittelfristiges Ziel sind 10 bis 13 %, die Voges laut Konzernvorgabe erreichen muss. Er ist zuversichtlich.

Ein wichtiger Punkt seiner Strategie ist der Ausbau des lukrativen Service-Geschäftes. Der Anteil am Gesamtumsatz soll von jetzt 20 auf 40 % in drei bis fünf Jahren gesteigert werden. Bei Neuaufträgen werden jetzt die Service-Verträge gleich mit vereinbart, so dass der Anteil dieses Geschäftes wachsen wird. Dafür will Voges bei schlüsselfertigen Aufträgen vorsichtiger verfahren und den Anteil von jetzt 20 bis 30 % reduzieren. "Damit allein verdient kaum einer Geld", sagt Voges. "Wir suchen uns die Aufträge aus." Allerdings sind die drei jetzt vereinbarten Großaufträge schlüsselfertige Bestellungen.

Dagegen hält sich Marktführer General Electric völlig aus dem Markt für schlüsselfertige Kraftwerke heraus. Vielleicht erklärt sich dadurch, dass der amerikanische Konzern mit 22 % Rendite die Spitzenposition hält. "Wir sind eine starke Nummer Zwei", resumiert Voges, "sowohl beim Volumen als auch beim Ergebnis."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%