Die isrealische Armee dringt erneut in autonomes Gebiet ein
Soldaten töten Palästinenser im Gazastreifen

Kurz nach dem Treffen zwischen Palästinenserpräsident Jassir Arafat und Israels Außenminister Schimon Peres hat die israelische Armee bei einem neuen Einmarsch in palästinensisches Autonomiegebiet drei Palästinenser getötet.

Reuters GAZA-STADT. Ungeachtet der Bemühungen um eine Waffenruhe ist es in der Nacht zum Donnerstag erneut zu Schießereien zwischen der israelischen Armee und Palästinensern im Gaza-Streifen gekommen. Nach Angaben aus palästinensischen Krankenhäusern wurden bei den Gefechten nahe Rafah an der Grenze zu Ägypten mindestens drei Palästinenser getötet und mindestens 22 verletzt, vier davon schwer. In anderen Teilen des Gaza- Streifens und des Westjordanlandes blieb es hingegen zunächst ruhig. Nur Stunden zuvor hatten sich Palästinenser-Präsident Jassir Arafat und Israels Außenminister Schimon Peres auf dem Flughafen von Gaza-Stadt auf einen neuen Anlauf geeinigt, die bereits im Juni angekündigte Waffenruhe zu verwirklichen.

Bei den Gefechten in der Nähe eines israelischen Kontrollpostens in der Nähe von Rafah setzte die israelische Armee Maschinengewehre ein, Palästinenser feuerten aus automatischen Waffen. Palästinensischen Angaben zufolge wurden in der Umgebung auch israelische Panzer und eine Planierraupe gesichtet. Es werde deshalb befürchtet, die Armee plane die Zerstörung von Häusern. Mindestens ein Haus sei von einer Panzergranate getroffen worden und in Flammen aufgegangen. Am Vortag hatten israelische Soldaten in der näheren Umgebung einen 16-jährigen Palästinenser erschossen. Zuvor waren drei Soldaten des Kontrollpunkts bei einem Bombenanschlag verletzt worden.

Mit den neuen Toten stieg die Zahl der Todesopfer seit Beginn der so genannten El-Aksa-Intifada vor einem Jahr auf 825. Die meisten waren Palästinenser. Peres und Arafat hatten am Mittwoch bei ihrem zuvor mehrfach verschobenen Treffen eine erneute Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen vereinbart. Unter dem Druck der USA und der EU sagten beide zu, Leitlinien für einen dauerhaften Waffenstillstand zu erarbeiten. Beide Seiten würden "maximale Anstrengungen" für die Einhaltung des am 18. September verkündeten Waffenstillstands unternehmen, hieß es in einer nach dem Treffen am Flughafen von Gaza veröffentlichten gemeinsamen Erklärung.

Peres und Arafat hatten nach ihrem ersten Treffen seit Monaten angekündigt, die Sicherheitsgespräche am Freitag, dem ersten Jahrestag des Palästinenser-Aufstandes gegen die israelische Besetzung, wieder aufzunehmen. Für den 28. September haben die Palästinenser Demonstrationen angekündigt. Ein Besuch des damaligen Chefs des konservativen Likud-Blocks und jetzigen Ministerpräsidenten Ariel Scharon auf dem Tempelberg in Jerusalem vor einem Jahr gilt bei den Palästinensern als Auslöser des Aufstandes. Der Besuch der den Moslems heiligen Stätte war von diesen als Provokation empfunden worden. Scharon bestreitet allerdings, dass sein Erscheinen auf dem Tempelberg am 28. September 2000 den Aufstand auslöst hat.

Berater Arafats teilten mit, US-Außenminister Colin Powell habe mit dem Palästinenser-Präsidenten telefoniert. Sowohl er wie auch US-Präsident George W. Bush seien erleichtert und beruhigt. Die USA und ihre Verbündeten erhoffen sich von einer Waffenruhe in Nahost weiteren Rückhalt in der islamischen Welt für ihre Allianz gegen den Terrorismus. Die Koalition gegen den Terrorismus soll eine der Konsequenzen auf die Anschläge vom 11. September sein, die die USA dem mutmaßlichen Extremisten Osama bin Laden in Afghanistan anlasten.

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