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Die IT-Branche lebt!

Die Informationstechnologie befindet sich im Umbruch: Zwei Jahre nach dem Zerplatzen vieler Dotcom-Seifenblasen zählen nur noch Tatsachen. IBM Deutschland-Chef Erwin Staudt (Foto) erklärt, worauf es jetzt ankommt.

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Die Zeiten euphorischer Prognosen sind vorerst vorbei. Gesucht sind neue Ideen und Technologien, die in den nächsten Jahren den Weg in der IT-Branche vorgeben. Tatsache ist, dass in Europa dieses Jahr rund 103 Milliarden Dollar in E-Business investiert werden. Damit bleibt das Geschäft im Web weiterhin der Wachstumsmotor Nummer eins. Business-to-Business, der Handel zwischen Unternehmen über das Internet wird in den nächsten zwei Jahren um fast 100 % wachsen. Tatsache ist auch, dass Kunden immer leistungsfähigere IT-Infrastrukturen fordern, um sich mit ihren Lieferanten und Kunden zu vernetzen und gleichzeitig den Kosten- und Wettbewerbsdruck zu mindern. Der Druck auf Unternehmen wird aber nicht durch kreative Websites gemindert, sondern durch die Erfüllung ihrer Ansprüche nach Kollaboration, Integration bestehender und neuer Technologien sowie der einfachen Handhabung komplexer IT-Systeme. Die Antworten darauf sind Grid Computing, offene Standards und Autonomic Computing. Das Internet als virtueller Computer Grid Computing steht für den Ansatz, das Internet als riesigen Computer zu nutzen: Rechenzentren werden über das Web zusammengeschlossen, um damit enorme Prozessorenleistungen und Rechnerkapazitäten zu schaffen, die wiederum für komplexe Anwendungen verwendet werden können - eine Idee mit Appeal für die nächste Generation von Entrepreneurs: Keine eigenen Rechenzentren mit hohen Betriebskosten, immer die aktuellste Software und eine Rechenpower, die allen Anforderungen in der Zukunft gewachsen ist. Bei aller Attraktivität dieser Idee dürfen wir aber eines nie vergessen: Grid Computing wird nur dann von den Nutzern akkzeptiert werden, wenn es einfach und intuitiv benutzt werden kann - am besten wie der oft zitierte Strom aus der Steckdose. Die Basis dafür bilden aber nicht proprietäre, geschlossene Systeme, sondern offene Software-Standards und Computersysteme der sogenannten Open Source Community. Der Leitstern für diese Bewegung ist das Betriebssytem Linux, mit weltweit 30 Millionen Nutzern und ständig wachsender Fangemeinde. Computer wie atmende Wesen Wo Rechenzentren weltumspannend miteinander verknüpft werden sollen, steigt die Zahl der Transaktionen und deren Komplexität - und das in Zeiten fehlender IT-Experten. Deshalb braucht es eine neue Computergeneration, die uns Arbeit abnimmt. Computer, die in Anlehnung an das vegetative (autonome) Nervensystem des Körpers in der Lage sind, sich selbst zu steuern und zu überwachen. Wir nennen diesen Trend Autonomic Computing. Dahinter steckt die selbstständige Optimierung, Konfigurierung, Fehlerbehebung und Sicherung der Computersysteme. Vorteil: Minimierung des Verwaltungs- und Betriebsaufwand in den Rechenzentren. Die Rückkehr des Zauberlehrlings ? All diesen technologischen Möglichkeiten stehen aber auch die Sorgen nach deren Beherrschbarkeit gegenüber: Ein Netzwerk, so komplex, dass es von Menschen nicht mehr steuerbar ist und Rechner, die quasi ein Eigenleben führen - Stanley Kubricks "Odysee im Weltraum" und Goethes Zauberlerling lassen grüssen. Autonomic und Grid Computing sollen den Beweis antreten, dass der Mensch auch in Zukunft im Mittelpunkt technologischer Innovation steht und Maschinen Maschinen bleiben. Die Weiterentwicklung des technologischen Status Quo erfordert aber von allen ein hohes Mass an Veränderungsbereitschaft. Entscheidend wird sein, inwieweit unsere Gesellschaft in der Lage ist, die zur weiteren Entwicklung nötigen wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen zu schaffen. (*) Erwin Staudt trat 1973 in die IBM Deutschland ein. Seine erste Aufgabe als Führungskraft übernahm er 1982 in Stuttgart. Vorsitzender der Geschäftsführung der IBM Deutschland GmbH wurde Erwin Staudt 1998. Lesen Sie mehr über den IBM-Chef in seinem Portrait weiter ...

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