Die IT-Kosten in den Griff bekommen
Ein Externer übernimmt die IT

Seit kurzem betreibt Siemens für den Wiener Telekomanbieter One dessen SAP-Systeme. Mit dem Outsourcing wollen sich die Wiener auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

DÜSSELDORF. Während viele Branchen klagen, gedeiht das Geschäft mit Outsourcing. "Die Zuwachsrate in Deutschland liegt derzeit bei etwa 3 % bis 4 % im Jahr und damit an der Spitze aller Sektoren in der IT-Branche", erklärt Christian Oecking, Leiter des weltweiten Outsourcing-Geschäfts bei Siemens Business Services in München. "Gerade in schlechten Zeiten konzentrieren sich die Unternehmen auf ihre Kernkompetenzen und Gebiete mit überlebenswichtigem Know-how." Immer wenn der Leidensdruck steige, werde in den Firmen und der öffentlichen Verwaltung über Outsourcing nachgedacht.

Jüngstes Beispiel ist ein Auftrag des österreichischen Telekommunikationsanbieters One, dessen SAP-R/3-Systeme zu betreiben. Der im April geschlossene Vertrag hat ein Volumen von rund 5 Mio. $ und eine sechsjährige Laufzeit. Demnach wird der Siemens-Bereich SBS für die Wiener Firma sämtliche SAP-Applikationen betreuen sowie die Hard- und Software-Infrastruktur in eigenen Rechenzentren zur Verfügung stellen.

Für die Vergabe des eigenen Rechenzentrums, von PCs, Netzwerken oder Call-Centern, also die teilweise oder komplette Übergabe der Informationstechnik an einen externen Dienstleister, gibt es nach Oeckings Erfahrung mehrere Gründe. Der wichtigste sei sicherlich das Bemühen, die Kosten zu senken. "Nach realistischer Einschätzung spart der Betrieb der IT durch einen externen Dienstleister 10 % bis 12 % der Kosten. Es macht aber auch keinen Sinn, ein Projekt nur nach Kostengesichtspunkten in Angriff zu nehmen, wenn nicht mindestens zweistellige Einsparungen zu erwarten sind", erklärt Oecking. Gründe für die Auslagerung der IT an einen Externen liegen auch dann vor, wenn das Unternehmen sich nicht mit dem ständigen Erneuern der Informationstechnologie befassen will oder wenn der Sicherheitsstandard erhöht werden muss.

Outsourcing-Verträge haben derzeit meist eine Laufzeit von drei bis sieben Jahren. "Wir übernehmen die IT, geben dafür die Services an den Kunden wieder ab", lautet Oeckings einfache Formel. Dabei hat SBS in Deutschland die Fertigungsindustrie, Banken und Versicherungen sowie den öffentlichen Sektor im Visier. Infrage kommen Kunden, die mindestens zum "gehobenen" Mittelstand mit mehr als 500 Mio. $ Umsatz im Jahr zählen. "Große Kunden suchen sich große Outsourcing-Partner", so der Siemens-Manager, der SBS zu den zehn größten Outsourcern auf der Welt zählt.

Wenn ein Unternehmen sich mit der Auslagerung befasst, gibt es eine Reihe weit reichender Überlegungungen, denn immerhin werden ganze Teile des Unternehmens, der Vermögenswerte und meist auch der Belegschaft an einen neuen Partner übergeben. Der eventuell mögliche Abfluss von Know-how sei nicht das Kernproblem, sagt Oecking. "Aber die Unternehmenskulturen müssen übereinstimmen. Das ist ganz wichtig. Der Outsourcer sollte auch in der Lage sein, Services entlang der gesamten Wertschöpfungskette anzubieten. Und es muss sicher sein, dass er nicht während der Vertragslaufzeit vom Markt verschwindet."

Der deutsche Markt ist nach den Beobachtungen des Siemens-Managers stark fragmentiert. Auf der einen Seite gebe es neben seinem Unternehmen weitere große Outsourcer wie IBM, EDS, T-Systems und CSC. Daneben seien hierzulande viele kleine Nischenanbieter zu finden, die z. B. nur Desktop-Management oder nur Consulting im Angebot hätten. "Langfristig wird das Geschäft von den Großen der Branche gemacht", glaubt Oecking. Es werde eine Konsolidierung geben. Dabei würden die kleinen Firmen in den größeren aufgehen. Aber die Großen bleiben bestehen.

Quelle: VDI Nachrichten vom 02.05.2003

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