Die Italienerin ist Chefin der Citibank Privatkunden AG
Schneewittchen mit Biss

Sie ist die einzige Frau an der Spitze einer großen Bank in Deutschland. Licci ist es gelungen, die Citibank Privatkunden AG erfolgreich durch den schwierigen Markt zu steuern.

DÜSSELDORF. "Ich bin Italienerin", sagt sie. Wer feine Ohren hat, hört das auch. Nicht, dass sie Deutsch mit Akzent sprechen würde. Aber Christine Licci formt Konsonanten und Vokale so klar und präzise, wie es für das Italienische, die Sprache der Musik, typisch ist.

Unterschiedliche Sprachen und Kulturen sind der rote Faden in Liccis Leben. Und sie findet ihn auch als Chefin der Citibank Privatkunden AG wieder: einer deutschen Bank, die Mitarbeiter aus 40 Nationen beschäftigt und zur amerikanischen Citigroup, dem weltweit größten Finanzkonzern, gehört. Sie spricht viereinhalb Sprachen. Als Südtirolerin wuchs sie mit Deutsch und Italienisch auf, dazu kommen Englisch und Französisch, als "halb" rechnet sie ihre Spanischkenntnisse.

In ihrem Unternehmen möchte sie die optimale Mischung der deutschen und der amerikanischen Firmenkultur verwirklichen - Gründlichkeit und Kompetenz plus Tempo und Zielstrebigkeit. Im Zweifel gilt aber das Motto: "Schnelligkeit geht vor Perfektion".

Zielorientiert ist Licci auch im Gespräch: Selten entschlüpft ihr ein Satz, der nicht nebenbei eine nette Botschaft über die Citibank enthält; nach und nach entsteht so das Bild einer globalen Company, in der alle glücklich und unglaublich motiviert sind.

Als sie ihr Amt im September 2001 antrat, war der Wohlfühlfaktor in der Belegschaft allerdings beschädigt, wie sie vorsichtig andeutet. Ihre Aufgabe war deswegen eine große Herausforderung, zumal sie bisher wenig im Privatkundengeschäft gearbeitet hatte.

Doch sie hat sich schnell zurechtgefunden und setzt jetzt voller Energie den bisher erfolgreichen Kurs der Citibank im schwierigen deutschen Markt fort. Es geht also weiter darum, möglichst viele Prozesse zu standardisieren, damit die Berater mehr Zeit für die Kunden haben. Dabei spielen nach wie vor Konsumentenkredite eine große Rolle. Sie verspricht Vorsicht bei der Kreditvergabe ("Wir wollen das Geld ja wiederhaben") und entgegnet Kritikern: "Wenn man die Schuld immer nur bei der Bank sucht, macht man es sich zu einfach."

Die Versetzung von Hongkong - ihrer Lieblingsstadt zusammen mit Rom - nach Düsseldorf hatte für sie zunächst einen schalen Beigeschmack: Wer möchte schon in eine deutsche Stadt mit "Dorf" im Namen? Inzwischen hat sie sich gut eingelebt und zieht ihren heutigen Wohnsitz eindeutig Frankfurt vor, wo sie lange gelebt hat. "Frankfurt ist kalt und verschlossen", sagt sie. Düsseldorf sei offen, international und biete viel Kultur.

Ihre - vielleicht ebenfalls zielorientierte - Begeisterung treibt sie so weit, sich den Sitten der rheinischen Eingeborenen anzupassen: Licci feiert Karneval. Im vergangenen Jahr war sie Schneewittchen, die engsten Mitarbeiter mussten als Zwerge herhalten. Die Verwandlung dürfte nicht allzu schwierig gewesen sein, rote Lippen und helle Haut trägt sie auch im Alltag, nur das braune Haar passt nicht ins Märchen. Jedenfalls bekam sie im internen Maskenwettbewerb den ersten Preis. Natürlich hatte das nichts mit ihrer Position als Vorstandsvorsitzende zu tun.

Wie kommt man als Frau an die Spitze einer deutschen Bank? Als ihre größte Stärke sieht Licci die Fähigkeit an zu motivieren. Sie hat dabei zwei Grundsätze. Erstens: "Verlange niemals etwas, was du nicht selbst zu tun bereit wärst." Zweitens: "Setze jeden nach seinen Fähigkeiten ein - wer Erfolg hat, ist auch motiviert."

Nebenbei sagt sie aber: "Es ist gut, einen Arbeitgeber zu haben, der einem auch bei harten Entscheidungen den Rücken stärkt." Nett sein allein genügt nicht: Ihre Augen blitzen mit beträchtlichem Charme, lassen aber erahnen, dass sie im Zweifel auch Biss hat.

Nach ihrer Einschätzung ist Deutschland, wenn es um die Besetzung von Führungspositionen durch Frauen geht, konservativer als die meisten anderen Staaten. Aber im mittleren Management gebe es bei den Banken schon viele Frauen, sagt sie.

Privat studiert Licci an einer Fernuni Kunstgeschichte. Sie liebt vor allem die italienischen Meister der Renaissance, "weil die etwas grundlegend Neues geschaffen haben". Sie möchte durch das Studium den Horizont erweitern. Mit moderner Kunst habe sie sich noch nicht angefreundet, gesteht sie.

Ihr Sport ist der Skilauf - "das lernt man bei uns schon mit drei Jahren". Ihr Lebenstraum wäre (außer ihrer Arbeit bei der Citibank, versteht sich), ein kleines, romantisches Hotel zu betreiben. Nicht unbedingt in Südtirol, aber "irgendwo, wo es schön ist".

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VITA

Christine Licci wird 1964 in Kastelruth/Italien geboren und macht 1990 ihr Examen in Betriebswirtschaft in Mailand. Danach geht sie zur Dresdner Bank in Mailand. 1992 wird sie Treasurer bei UBS Deutschland in Frankfurt, 1996 Leiterin Treasury bei der Citibank, Filiale Frankfurt. 1997 übernimmt sie den Bereich Optionsscheine für Europa und Japan, ab 1999 weltweit. Im Juli desselben Jahres rückt sie in den Vorstand der Citibank AG in Frankfurt auf. Im September 2001 wird sie Chefin der Citibank Privatkunden AG in Düsseldorf.

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