Die jetzige Entwicklung an den Börsen findet in den letzten 50 Jahren keinen Vergleich
Alle Statistiken drohen zu versagen

Aktien sind jetzt kaufenswert. Denn egal, welche Rechnungen angestellt und Statistiken auch bemüht werden, das Ergebnis lässt frohlocken: Mit den Börsen kann es nur aufwärts gehen.

DÜSSELDORF. Die scheinbar risikolose Wette hat allenfalls einen Haken: Möglicherweise sind alle Untersuchungen keine gute Grundlage. Denn die aktuelle Baisse lässt sich nicht mit den vergangenen Jahrzehnten vergleichen.

Beginnen wir beim Einfachsten. In der Vergangenheit bescherten die Monate November bis März die höchsten Kursgewinne. Das zeigt die Entwicklung seit 1965. Genauso günstig fällt der Quartalsvergleich aus: Das dritte Quartal bietet seit knapp 40 Jahren die schlechteste Performance. Es ist das einzige mit einem durchschnittlichen Minus (-1,4 %). Dagegen legen nach Angaben der West LB die Kurse im vierten (+2,8 %) und ersten (+5,1 %) Quartal überproportional zu.

Die Chance, dass dieses Mal das vierte und anschließend das erste Quartal 2003 besonders gut ausfallen, ist hoch. Denn der Kursverfall im Deutschen Aktienindex fiel im abgelaufenen dritten Quartal mit 36,6 % so hoch wie nie zuvor aus. 1959 gab es zwar ein ähnlich schlechtes Quartal. Allerdings ist es problematisch, den nicht einmal 20 Jahre alten Dax mit seiner stets neuen Zusammensetzung so weit zurückzurechnen.

Interessant ist die Frage, ob nach einem Quartal mit extremen Kursverlusten eine gute Performance zu erwarten ist. HSBC Trinkaus & Burkhardt hat errechnet, dass in den neun größten Verlustquartalen seit 1965 sechs Folgequartale mit Kursgewinnen beendet wurden. Dreimal lag das Plus über 10 %. Die Durchschnittsrendite betrug 5,4 %. Das ist viel mehr als der allgemeine Zuwachs pro Quartal von 2,2 %. Fazit: Nach Quartals-Rekordverlusten wird eine überdurchschnittlich hohe Rendite erzielt.

Weitere Statistiken lassen für die nächsten Wochen hoffen. So vergrößerte sich Anfang Oktober der Abstand zwischen dem Dax und seiner 200-Tage-Linie, also dem Durchschnitt aus den vergangenen 200 Handelstagen, bis auf 72,25 %. Das ist beispiellos. In der Vergangenheit folgte schon nach einem Abstand von mehr als 30 % ein kräftiger Kursanstieg.

Schließlich sei auf den V-Dax hingewiesen. Der Volatilitäts-Index misst die Schwankungsbreite, die Anleger erwarten. Seit Anfang September liegt der V-Dax über 40 Punkten - gemessen über eine so lange Zeit ist das Rekord Auch hier gilt: Nach einem hohen V-Dax stiegen die Kurse immer kräftig.

Saisonalität, 200-Tage-Linie und V-Dax - alles spricht für eine Fortsetzung der aktuellen Rally. Doch kann es sein, dass die Statistiken nicht mehr gelten?

Das ist keineswegs unwahrscheinlich. Schließlich versagt seit gut zwei Jahren eine zuvor sehr zuverlässige Statistik: Immer, wenn die Notenbanken in den vergangenen 50 Jahren kräftig die Zinsen gesenkt hatten, waren neun bis zwölf Monate später die Kurse angesprungen. Nun hat die amerikanische Federal Reserve bereits 2001 den Leitzins elf Mal von 6,5 % auf 1,75 % herunter gesetzt. Doch das Ergebnis ist für die Börsen immer noch niederschmetternd: Ende 2002 notieren alle großen Indizes gegenüber Ende 2001 im Minus, der Dax über 40 %.

Dass nachhaltige Zinssenkungen keine positive Wirkung auf Börsen hatten, gab es nur in zwei, allerdings spektakulären Fällen. So fiel von Oktober 1929 bis Juli 1932 der Dow-Jones-Index um 90 %. Der damals maßgebliche Diskontsatz war im selben Zeitraum schrittweise von 6 % auf 2,5 % gesenkt worden. Und seit den neunziger Jahren helfen Zinssenkungen in Japan den Aktien nicht auf die Beine. Hier fallen die Kurse auf immer neue Tiefs.

Vorhersagen, die auf Statistiken an den europäischen Börsen aus den vergangenen Jahrzehnten beruhen, sind mit Vorsicht zu genießen. Schließlich findet das Ausmaß der Kursverluste seit März 2000 - im Dax über 60 % und am Neuen Markt 95 % - nur in einem viel größeren Rahmen sinnvolle Vergleichsmöglichkeiten: mit dem Crash Anfang der dreißiger Jahre und der Dauer-Baisse in Japan seit 1989. Nur daran lässt sich die Performance an den Börsen messen. Deshalb sollten auch Statistiken genauso breit angelegt sein.

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