Die K-Frage und die Union: Soll der Ministerpräsident gegen Schröder antreten?: PRO: Edmund Stoiber muss es machen, wer denn sonst?

Die K-Frage und die Union: Soll der Ministerpräsident gegen Schröder antreten?
PRO: Edmund Stoiber muss es machen, wer denn sonst?

In Gefahr und Not bringt der Mittelweg den Tod. Das wusste schon meine Großmutter aus Möllenbeck. Und das gilt auch für die seit Wochen hin und her wogende Frage, wer Kanzlerkandidat der CDU/CSU werden sollte: Die Union muss mit schwerem Säbel zum Angriff gegen Gerhard Schröder übergehen und darf sich nicht mehr mit Florettfechtereien aufhalten, wenn sie bei der Bundestagswahl auch nur den Hauch einer Chance gegen das vereinigte linke Lager haben will. Mit anderen Worten: Edmund Stoiber muss es machen, wer sonst?

Es gibt mindestens 37-einhalb Gründe, warum sich der CSU-Chef in der nächsten Woche im idyllischen Wildbad Kreuth auf den Schild heben lassen sollte. Hier sind einige der wichtigsten für die noch schwankenden Bedenkenträger der Schwesterpartei zum Mitschreiben: Erstens ist nichts im Wahlgetümmel erfolgreicher als der Erfolg. Stoiber kann Erfolge vorweisen, Angela Merkel nicht. Wirtschaft, Bildung, Kriminalitätsbekämpfung: Auf den Hauptstreitfeldern des Wahlkampfs 2002 liegt Bayern so weit vorn, dass selbst Herr Schill in Hamburg schnellstens einen Münchener zum Polizeichef machen möchte.

Zweitens: Merkel ist Schröder rhetorisch, taktisch und auch politstrategisch nicht gewachsen. Ihre zahlreichen gescheiterten Versuche, die unionsgeführten Bundesländer gegen die Regierung zusammenzuschweißen, sprechen Bände. Jeder in der CDU weiß das, niemand sagt es. Weil das "Herz der Partei für Angela schlägt" (einer der Merkel-Fans im Bundesvorstand), weil sie durchaus sympathisch ist, weil sie gut ankommt im Funktionärsvolk. Aber leider sind das keine Qualitäten, mit denen man Wahlkämpfe gewinnt.

Drittens: Merkel ist durch das lange hin und her um die K-Frage schon so beschädigt, dass sie sich nur noch politisch lädiert und persönlich bandagiert in die Wahlkampagne werfen kann. Eine starke CDU-Chefin müsste erst gar nicht um die Kandidatur ringen, weil der größeren Schwesterpartei unter normalen Bedingungen ohnehin die Führungsrolle zufällt. Stoibers politische Statur wächst dagegen, wenn er sich nun - selbstverständlich völlig selbstlos (Achtung, Ironie!) - dem brennenden Wunsch der Union beugt.

Viertens: In der Außen- und Sicherheitspolitik ist Merkel ein völlig unbeschriebenes Blatt. Den Namen Stoiber hat man sich dagegen in Brüssel und anderen Hauptstädten längst gemerkt, dafür hat der bayerische Ministerpräsident allein schon durch seine öffentlichkeitswirksamen Fingerhakeleien mit der EU-Bürokratie gesorgt. Schröder wird im Wahlkampf sicherlich versuchen, sich als Weltstaatsmann zu geben, schon um von seinen Misserfolgen in der Wirtschaftspolitik abzulenken. Nur Stoiber, immerhin ein Zögling des seligen Franz Josef Strauß, kann ihn auf diesem Feld stellen.

Fünftens: Liebe CDU-Parteitagsdelegierte, glauben Sie bloß nicht an die Mär, Ihre Parteivorsitzende würde wenigstens unter Frauen und im Osten mehr Stimmen holen. Stoiber wird in den neuen Bundesländern die Polarisierung zur PDS so vorantreiben, dass die Ost-SPD schwer in die Bredouille kommen dürfte. Und dass der CSU-Chef die weiblichen Wähler begeistern kann, offenbart ein Blick in das Kleingedruckte der Analysen der letzten Landtagswahl in Bayern.

Und die Gründe 6 bis 37? Stoibers Kampfgeist und Kompetenz auf allen Feldern der Politik. Bleibt nur noch der halbe Grund zum Schluss: Über Stoibers Frisur werden keine Witze gemacht. Nichts tötet in der Politik schneller und besser als die Möglichkeit, den Gegner lächerlich zu machen. Bin Baden Scharping kann ein Lied davon singen. Natürlich ist das gemein für Frau Merkel. Aber leider sind Wahlkämpfe ziemlich gemein.

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