Die Käufer des Telekom-Kabels bekommen Konkurrenz
Bosch tritt in den Kabel-Wettbewerb zu Liberty

Nach dem Rückzug von Bosch aus der Telekommunikation rechneten Branchenbeobachter zunächst auch mit einem Verkauf der Bosch-Kabelfernsehnetze. Das Stuttgarter Unternehmen hat sich jetzt jedoch entschlossen, das Kabelgeschäft zu behalten und dort Milliarden zu investieren.

HB BERLIN. Die US-amerikanischen Käufer des Telekom-Fernsehkabelnetzes, Liberty Media und Callahan, erwartet in Deutschland mehr Konkurrenz als zunächst gedacht. Bosch hat sich nach langen internen Diskussionen dafür entschieden, in die eigenen Kabelnetze massiv zu investieren. "Wir wollen offensiv wachsen und streben langfristig einen Marktanteil von 20 % an", sagte Werner Scheuer, Leiter des Bosch-Produktbereichs Breitbandnetze, dem Handelsblatt.

Heute versorgt Bosch 1,3 Millionen Haushalte mit Kabelfernsehen, eine Hälfte davon ganz eigenständig. Bei der anderen Hälfte besitzt Bosch nur die letzten Meter der Kabel im Anschluss an die Telekom-Kabelnetze. Vier Millionen Haushalte nennt Scheuer als Ziel.

Bisher waren Branchenbeobachter davon ausgegangen, dass sich die Robert Bosch GmbH, Stuttgart, nach dem Rückzug aus der Handy-Produktion und dem Verkauf der Telefonanlagenherstellung auch aus dem Kabelfernsehen zurückziehen würde. Wie es jetzt jedoch bei Bosch heißt, will das Unternehmen im Geschäftsbereich Gebäudetechnik die Kabelnetze und die Sicherheitstechnik weiterentwickeln und als strategisches Geschäft behalten. Für den Ausbau des Kabelgeschäfts hat das Unternehmen zunächst 1 Mrd. Euro bereit gestellt.

Bosch strebt dabei eine möglichst weitgehende Unabhängigkeit von den bisherigen Telekom-Kabelnetzen an. Für 250 000 Bosch-Haushalte, die über das Telekom-Liberty-Kabel die Fernsehprogramme beziehen, will Scheuer die Verträge kündigen. Zum Teil will Bosch die Zuführungsnetze selber bauen, zum anderen Teil mit Stadtnetzbetreibern wie der Kölner Netcologne, der Düsseldorfer Isis oder der Wolfsburger Wobcom kooperieren.

Für Liberty und Callahan bedeutet dies: Obwohl sie eigentlich die Fernseh-Haushalte von der Telekom gekauft haben, werden sie bei einer wachsenden Zahl von Kabelnutzern gar keine Kundenbeziehung herstellen können. Denn bei zwei Dritteln der 18 Mill. Telekom - Haushalte, von denen Liberty 10 Mill. und Callahan 6,5 Mill. erworben hat, reichen die Kabel nur bis zur Grundstücksgrenze. Die Hausverteilanlagen werden bei diesen Haushalten von kleineren Kabelnetzbetreibern unterhalten. Die größten dieser Unternehmen sind Telecolumbus mit 2,2 Mill. Haushalten, Bosch mit 1,3 Mill., Primacom mit 1 Mill. und UPC Deutschland mit 650 000 Haushalten. Primacom und UPC wollen fusionieren.

Wie Bosch verfolgte auch UPC Anfang des Jahres das Ziel, von den Telekom-Netzen unabhängig zu werden. Es gebe in den großen Städten inzwischen genügend Stadtnetzbetreiber, die gerne die bisherigen Verträge mit der Telekom übernehmen würden, hieß es im Januar in UPC-Kreisen, bevor Liberty mit der Telekom verhandelte. Liberty ist an UPC indirekt mit einem Minderheitsanteil beteiligt; die von Branchenkennern erwartete Übernahme hat bisher allerdings nicht stattgefunden.

Stadtnetzbetreiber wie Netcologne umwerben inzwischen gezielt die kleineren Kabelnetzbetreiber. So schloss Bosch einen Vertrag mit Netcologne und Telecolumbus mit Isis jeweils über den Anschluss mehrerer tausend Haushalte.

Im Vergleich mit den hoch verschuldeten Konkurrenten Primacom und UPC sieht sich Bosch in der stärkeren Position. "Wir verdienen Geld im Kabel, und die Finanzkraft von Bosch steht außer Frage", so Scheuer. Er setzt auf Verdrängungswettbewerb, weil der Kabelmarkt nur mit 2 % jährlich wachse.

Scheuer fürchtet allerdings, dass Liberty eine dominante Marktposition erreichen kann, falls das Unternehmen UPC und Primacom übernimmt und, wie derzeit verhandelt wird, große Teile der Telecolumbus kauft, die heute der Deutschen Bank gehören. Bosch hofft auf das Bundeskartellamt, das noch bis 5. Januar den Kauf der Telekom-Kabel durch Liberty prüft. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die deutschen Kartellbehörden diese Entwicklung ohne Auflagen genehmigen werden", so Scheuer.

Das künftige Geschäft erwartet Bosch mit Multimedia-Diensten, für die das Unternehmen die Kabelnetze zu Datenautobahnen (Bandbreite 862 MHz) ausbaut. "Wir werden keine eigenen Inhalte anbieten", sagt Scheuer. "Wir werden ausschließlich die technische Plattform zur Verfügung stellen und Transportleistungen erbringen."

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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