Die Kieler Werft muss nach einem Buchungstrick ihres Mehrheitsaktionärs 524 Millionen Euro abschreiben
Northrop und HDW vertiefen Kooperation

Die Kooperation der Kieler Werft HDW mit Northrop Grumman füllt sich mit Leben. Wie aus Unternehmenskreisen verlautet, werden sich der US-Rüstungskonzern und die HDW-Tochter Kockums an einer Ausschreibung der US-Marine zum Bau eines neuen Marineschiffs mit Tarnkappentechnik beteiligen.

DÜSSELDORF. Auch die Spekulationen über einen von Northrop Grumman und dem HDW-Mehrheitsaktionär One Equity Partners (OEP) angestrebten Verkauf von U-Booten nach Taiwan erhalten wieder Auftrieb: HDW-Aufsichtsratskeisen zufolge sei das Geschäft bereits in eine Planrechnungen bis 2008 eingestellt. So etwas sei eigentlich nur üblich, wenn bereits Verträge geschlossen seien.

Die U-Boote sollen mit einer neuen HDW-Technologie ausgerüstet werden und deshalb für feindliche Schiffe nur sehr schwer aufspürbar sein. Der Verkauf der Boote ist allerdings von der Zustimmung der Bundesregierung abhängig - und die hat erst jüngst im Koalitionsvertrag wieder klargestellt, sie werde ihre "restriktive Rüstungsexportkontrollpolitik" fortsetzen. Die Vereinbarung mit Northrop Grumman im U-Bootbau liegt daher noch auf Eis.

Der Kooperationsvertrag, über den der US-Rüstungsriese und HDW/Kockums am Dienstag auf der Marinemesse Euronaval in Paris berichten werden, treibt dafür die gemeinsamen Aktivitäten "über Wasser" voran. Basis der Zusammenarbeit ist die von der schwedischen Kockums AB für die heimische Marine entwickelte Tarnkappenkorvette "Visby". Das aus kohlefaserverstärktem Kunststoff gebaute 74 Meter lange Schiff ist durch seine besondere Rumpfform, radarabsorbierendes Baumaterial sowie die Unterbringung aller Waffensysteme und der Ausrüstung unter Deck mit Radar praktisch nicht zu orten. Mit nur 2,4 m Tiefgang ist die Korvette für den Einsatz auch in flachen Gewässern zur Küstenüberwachung geeignet. Das von der US-Marine gesuchte Schiff wird dem Vernehmen nach jedoch größer sein als die Visby. Bei der ersten Vorstellung der Korvette Mitte Juli in Kiel hatte die US-Küstenwache bereits Interesse an 30 Schiffen geäußert.

Da bei einem Zuschlag die Baukapazitäten bei Kockums in Karlskrona nicht ausreichen, dürfte sich die Zusammenarbeit auch auf den Bau von Paketen oder ganzen Schiffen mit Kockums Know-how in den USA erstrecken. Der Vertrag mit Northrop bedeutet Beobachtern zufolge den internationalen Durchbruch der Kohlefasertechnologie in der Marine, der "Plastikboote" bisher suspekt waren.

Als HDW Mitte der 90er Jahre Kockums übernahm, arbeitete diese an der Entwicklung der Tarnkappen-Korvetten. Die Kosten überschritten den mit der Regierung vereinbarten Rahmen aber deutlich. Nach langen, zähen Verhandlungen mit HDW lenkte Stockholm ein und erhielt für den vereinbarten Preis nur noch fünf statt sechs Korvetten. Im Gegenzug verpflichtete sich HDW, den neuen Schiffstyp weltweit zu vermarkten.

Die Kieler Werft muss nun wahrscheinlich Forderungen in Höhe von 524 Mill. Euro abschreiben. HDW hatte das Geld an ihre inzwischen insolvente Mutter Babcock Borsig AG gezahlt. Die Summe solle über 15 Jahre abgeschrieben werden, berichten Aufsichtsratskreise. Ein entsprechender Vorschlag sei zwar auf der letzten Sitzung noch nicht abgesegnet worden, werde aber wohl durchgehen.

Das US-Beteiligungsunternehmen OEP hatte Babcock zwar für 50 % plus eine Aktie an HDW gut 100 Mill. Euro in bar gezahlt und die 524 Mill. Euro Schulden übernommen. OEP werde die Summe aber nicht überweisen. Die Holding, über die OEP die Kieler Werft kontrolliere, solle auf HDW verschmolzen werden. Schulden und Forderungen würden sich dann aufheben. Die Amerikaner haben sich aber verpflichtet in den nächsten fünf Jahren auf Gewinnentnahmen zu verzichten. "Sollte HDW Unterstützung brauchen, wird OEP helfen", so der deutsche OEP-Partner Christopher von Hugo.

Quelle: Handelsblatt

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