Die kleinste Kamera der Welt kommt von Minox
Der Bonsai unter den Fotoapparaten

Sie hat die Größe einer Mundharmonika: Elf Zentimeter lang, drei Zentimeter breit, 98 Gramm schwer. Sogar der Geheimdienst verwendet die winzige Minox-Erfindung: So klein, dass sie in jeder Handfläche verschwindet, so leicht, dass sie in keiner Hosentasche auffällt.

Als Walter Zapp das Modell 1936 entwickelte, nannte er seine Erfindung einfach nur Minox. Heute verkauft der Fotohandel sie unter der Abkürzung TLX für gut 1000 Euro. Die so genannte Spionagekamera geht zwar nur noch selten über den Ladentisch - der Marke hat sie jedoch viel Ruhm und Ehre eingebracht. Eine aktuelle Studie, die Stern Trendanalyse, bescheinigt ihr eine hohe Markenbekanntheit. Im so genannten Markenstatus wird der Name des kleinen Mittelständlers noch vor Rollei, Casio, Pentax und Toshiba genannt.

Die Minox-Kamera spielt in Bond-Filmen mit und ist sogar auf den Mond geflogen. Fotografen schätzen die Marke, weil sie für hochwertige Kameras steht: Klein und präzise in erstklassigem Design. Heute arbeiten die Kreativen von Volkswagen an den Entwürfen der Kameras.

Während die digitale Fotoindustrie eine Innovation nach der anderen herausbringt, setzt Minox auf Tradition. Zur Branchenmesse Photokina im vergangenen Jahr brachte der Kamerahersteller einen Klassiker im neuen Gewand heraus: Die Leica-Kamera M3 im Maßstab 1:2,5 als Digitalversion. Auch diese Miniaturausgabe ist mit ihren 93 Gramm kaum in der Hand zu spüren. Bei einem Preis von 300 Euro geht sie allerdings weitaus häufiger über den Ladentisch als die berühmte Spionagekamera.

Das Unternehmen

"Toys for big boys" nennt Thorsten Kortemeier von der Minox GmbH seine Produkte - Spielzeug für große Jungs. Handliche Ideen mit ausgefallenem Design: Fotoapparate, Digitalkameras, Höhenmesser, Fernrohre, Windmesser etc. Alle im Wert zwischen 300 und 2 500 Euro. Kortemeiers Kunden haben in der Regel das nötige Kleingeld: Männlich, um die 55 mit gehobenem Einkommen. "Unsere Zielgruppe sind die Menschen, die schon alles haben", sagt der geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens aus Wetzlar.

Kortemeier weiß, dass er mit den Großen seiner Branche wie Olympus, Minolta oder Canon auf dem Massenmarkt nicht mithalten kann. Deshalb fühlt er sich in seiner Nische, in der die Marke Minox seit eh und je angesiedelt ist, wohl. "Der Massenmarkt wird für Minox immer unwichtiger", sagt Kortemeier. Beim Preiswettbewerb der großen Händler wie Saturn oder Media Markt will er nicht mitmachen. Die Fotoindustrie hat ihren Umsatz 2002 um 7 Prozent auf rund 8 Milliarden Euro gesteigert. Der Fachhandel hat dagegen bis zu 8 Prozent verloren.

Also stürzt sich Kortemeier auf Nischen, in denen teure ausgefallene Produkte noch gefragt sind. In den Einkaufsmagazinen der Fluggesellschaften beispielsweise. Ein Viertel seines Umsatzes macht Minox bereits über Lufthansa, KLM und andere Airlines, Tendenz steigend. "Unser Vorteil sind die kleinen Produkte. Canon oder Nikon passen wegen ihrer Kameragröße doch gar nicht in die Verkaufswagen an Bord", sagt Kortemeier.

Genaue Kennziffern will der Mittelständler nicht preisgeben. Er erzählt lediglich, dass das 1945 gegründete Unternehmen bereits rund drei Millionen Kameras verkauft hat. Minox habe seinen Umsatz von rund fünf Millionen DM im Jahr 1995 inzwischen mehr als verdoppelt. In den vergangenen Jahren ging es mit Minox immer wieder auf und ab. 1988 muss das Unternehmen schließlich Insolvenz anmelden, weil es dem rückläufigen deutschen Fotomarkt zum Opfer fällt, wie Kortemeier sagt. Doch die Kunden verlangen nach wie vor Minox, die Produktion arbeitet weiter. Sieben Jahre später übernimmt die Leica Camera AG den kleinen Hersteller. Kortemeier kümmert sich als ehemaliger Leica-Produktmanager um die Marke, seit zwei Jahren hält er die Mehrheit an dem Unternehmen. Bis zum kommenden März wird auch der Rest auf ihn übergehen.

Über den Kaufpreis spricht Kortemeier nicht. Er berichtet lediglich stolz, dass er schon ein Jahr nach der Übernahmen schwarze operative Zahlen schreibt. Im vergangenen Jahr habe er das Betriebsergebnis "kräftig gesteigert". 32 Mitarbeiter beschäftigt Minox heute in Deutschland, 90 kommen im Ausland hinzu. Kurz nach der Insolvenz haben rund 600 Beschäftigte für Minox gearbeitet. Kollegen sagen, Kortemeier habe einen Glücksgriff getan - er selbst sagt, er habe die Weichen richtig gestellt.

Um die Kosten niedrig zu halten, werden fast alle Produkte in Lohnfertigung produziert. Mal in Europa, mal in Asien. Außerdem hat Kortemeier das Minox-Geschäft auf den Werbemittelbereich ausgedehnt, der inzwischen 15 Prozent des Umsatzes ausmacht, Tendenz steigend. Zum Vergleich: Die Werbemittelindustrie klagt über Einbußen zwischen 15 und 20 Prozent. "Hochwertige Geschenke werden zulegen", prophezeit der Einzelhandelskaufmann. Um das sicherzustellen, will er auch künftig 10 Prozent des Umsatzes für Marketing ausgeben.

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