Die Köpfe hinter den Deals: Warum die Düsseldorfer mit ihrer besten Mitarbeiterin in London Probleme haben
Freud und Leid der WestLB mit Robin Saunders

Die Düsseldorfer WestLB hat in London mit der Amerikanerin Robin Saunders eine überaus erfolgreiche Mitarbeiterin. Dennoch - oder gerade deshalb - häufen sich mit ihr in jüngster Zeit die Reibungen.

LONDON. Die Düsseldorfer WestLB hat ausgerechnet mit ihrer erfolgreichsten Mitarbeiterin in London ungewöhnliche Schwierigkeiten: Robin Saunders, die Leiterin des Sektors Eigenkapitalfinanzierung (Principal Finance) in der City, scheint der Bank zu erfolgreich geworden zu sein - zumindest was die eigene Vermarktung angeht.

Zwar setzt die Amerikanerin die WestLB - und sich - schon seit Jahren mit spektakulären Deals wie einer 1,4 Mrd. $-Finanzspritze für das Formel 1-Geschäft von Bernie Ecclestone ins rechte Licht. Zuletzt aber verging kaum ein Monat, in dem die Bank nicht dank Saunders mit dicken Schlagzeilen in den Londoner Gazetten landete. Ob es sich dabei aber um die Übernahme der Einzelhandelskette Marks und Spencer handelte, um den Kauf des Festnetzes der British Telecom oder den maroden Schienennetz-Betreiber Railtrack: Oft genug folgten den Ankündigungen am Ende keine Projekte. Auch der jüngste Deal, die Finanzierung des Nebaus des Londoner Wembley-Stadions, war schon in allen Medien. Dabei ist er noch längst nicht abgesegnet.

Die Bank will mehr Diskretion

Damit ist nun Schluss. Saunders ist vorerst nicht zu sprechen. Die WestLB weist Anfragen mit der Begründung zurück, sie "vertrete nur einen kleinen Bereich in der Bank". Sie selbst hüllt sich in Schweigen. Intern arbeiten beide Seiten seit Wochen fieberhaft an einer Lösung: Saunders verlangt mehr Freiheiten - am Ende könnte sie sich sogar mit einem eigenen Fonds selbständig machen. Die West LB würde ihr das gerne geben, steckt aber in einer Zwickmühle. Einerseits würde sie liebend gerne das Risiko des Saunders-Geschäftsbereiches verringern. Andererseits verliert sie nicht gern den einzigen Star ihrer Londoner Operation. Auf jeden Fall drängt die Bank auf mehr Diskretion. In wenigen Wochen rechnen beide Seiten mit einem Resultat.

Bei einer Eigenkapitalfinanzierung versorgen Banken die Unternehmen für einen bestimmten Zeitraum mit Eigenkapital, wobei die Mittel für bestimmte Projekte, Akquisitionen oder Restrukturierungen fließen. Im Gegenzug streben die Banken in der Regel eine Mehrheitsbeteiligung an, wenigstens aber ein Mitspracherecht. Das Geschäft ist lukrativ: Gebühren und der spätere Verkauf der Anteile zu einem höheren Preis lassen die Finanzierer mit Renditen von mehr als 20 % nach Risiko kalkulieren. Nach Angaben der WestLB bringt der gesamte Bereich Structured Finance, von dem die Eigenkapitalfinanzierung nur ein Teil darstellt, einen Beitrag zum Bruttoergebnis von "mehr als einer halbe Milliarde Euro" ein. Saunders? Leute in London bringen von diesem Betrag bis zu 15 %, heißt es am Markt. Das macht die Amerikanerin selbst bei WestLB-Chef Jürgen Sengera zur "Persona gratissima". Er stehe auf "Unternehmens-Persönlichkeiten", heißt es aus der Bank.

Zwei Welten prallen aufeinander

Mit Saunders und der WestLB prallen zwei Welten aufeinander: Die Amerikanerin strahlt Erfolg aus - und sie kann sich in Szene setzen. Als die "Antwort der City auf Claudia Schiffer" kürzlich ihren 40. Geburtstag feierte, lud sie dem Vernehmen nach 180 Freunde und Geschäftspartner zu einer dreitägigen Reise nach Florenz ein. Den Gästen präsentierte sie am ersten Abend ein rauschendes Fest in toskanischer Atmosphäre, das englische Zeitungen am Ende auf rund 400 000 Pfund (ca. 630 000 Euro) taxierten. Wenn es also eine Bank gibt, zu der Saunders in der Post-Internet-Depression nicht passt, ist es die graue WestLB. Doch gerade hier konnte sie sich mit einem Team von 30 Mitarbeitern erst entwickeln. Seit 1998 arbeitet die ehemalige Deutsch-Bankerin in der Eigenkapital-Finanzierung. Zu ihren größten Deals gehörte die Finanzierung des Kaufs des Einzelhändlers BHS. Der Käufer, der Milliardär Philip Green, zählt seitdem zu Saunders Freunden.

Doch Saunders, der manche Kollegen "Teflon-Eigenschaften" (nichts bleibt an ihr haften) unterstellen, hat auch die riskante Seite des Geschäftes kennen gelernt: Erst im Mai brach die Londoner Metallhandels-Firma RBG Resources mit spektakulärem Getöse zusammen. Deren Chef hatte den Banken mit gefälschten Dokumenten mehr als 650 Mill. Pfund an Krediten aus der Tasche gezogen. Hauptgeschädigte mit einem Anteil von etwa 200 Mill. Pfund: Robin Saunders und die WestLB. In Sachen RBG bekommt sie jedoch Rückendeckung von ihrem Chef Hans Höveler, dem Globalen Leiter des Bereichs Strukturierte Finanzierung: "Nach unseren eigenen Recherchen haben wir die Risiken dort professionell geprüft."

Eigener Fonds für Saunders denkbar

Vielleicht war die Pleite aber dennoch der letzte Anlass für die Bank, über neue Wege nachzudenken. In Zeiten fallender Börsenkurse und häufiger Unternehmenspleiten sind alle Mittel willkommen, Risiken zu begrenzen. Saunders könnte sich, so die Überlegungen, mit einem Fonds selbständig machen. Diesen Weg gingen etwa die japanische Nomura und Guy Hands, ein weiterer Star der Eigenkapital-Finanzierung. In den Fonds könnte die WestLB als einer von mehreren Teilhabern einen Betrag von etwa 100 Mill. Pfund einlegen. Der Vorteil für beide Seiten läge auf der Hand: Saunders wäre endlich selbständig und die West LB müsste in Zukunft weniger Eigenkapital für Transaktionen aufbringen.

Ähnlich wie für Nomura mit Guy Hands wäre der Prestigeverlust für die WestLB aber mehr als schmerzhaft: "Die Bank ist das klassische Beispiel eines Instituts, das jahrelang in einen Bereich investiert, ohne einen Vorsprung erreicht zu haben", lästert ein konkurrierender Banker. Doch so weit ist es noch nicht: "Wer sich von seinem Arbeitgeber trennen will, geht in die innere Emigration", sagt ein Mitarbeiter der WestLB. "Diesen Eindruck macht Frau Saunders mit den vielen Ankündigungen nicht wirklich."

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